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Bedburg-Hau 1000 Motorräder erfüllten Peter Vondermann Herzenswunsch

Motorradkonvoi in Hasselt : Harley-Tour für Schwerkranken

Fast 1000 Motorrad-Fahrer erfüllten den Wunsch des an Lungenkrankheit COPD leidenden Peter Vondermann aus Hasselt. Die Polizei eskortierte die Fahrt des unheilbar Kranken von Hasselt bis Moyland und zurück.

War das ein Höllenspektakel und grandioses Schauspiel, das sich am Samstag im beschaulichen Bedburg-Hauer Ortsteil Hasselt abspielte. Man fühlte sich reflexartig in den US-Film „Easy Rider“ versetzt, in dem die beiden Protagonisten mit ihren Choppern über die Route 66 rasen, an diesem Sonnabend war es die B 57 (Kalkarer Straße). Die ersten Vorboten donnerten mit ihren Maschinen an dem Haus von Peter Vondermann vorbei, an dem ein Banner „Peter sagt danke“ hing, begrüßten ihn mit Motorengeheul und lautem Hupen. Kurze Zeit später wurde es noch lauter, denn die Armada von fast 1000 Motorrädern rollte auf Hasselt zu und stoppte vor dem Haus. Der Verkehr aus und in Richtung Kalkar kam zum völligen Erliegen, die Polizei, die von der enormen Masse überrascht war, riegelte zwei Kreuzungen ab und ein Polizeihubschrauber kreiste über das unerwartet hohe Verkehrs-Aufkommen. Für knapp eine Stunde wurde die Bundesstraße auf einer Länge von ungefähr 800 Metern schwarz vor Menschen und Bikes. Es war schon ein phantastisches Bild für Motorradliebhaber, bei dem sicherlich das Herz höher schlug, als er die chromblitzenden Zweiräder der gängigen Marken sah, Harley Davidson, BMW, Honda, Suzuki oder Yamaha, die wie eine Perlenkette aufgereiht in Reih‘ und Glied auf der Chaussee standen. Verwegene Gestalten aller Altersklassen gaben ein friedliches Stelldichein. Auch Motorrad-Frauen waren zugegen. Grund dafür war der Facebook-Aufruf in der letzten Woche der 39jährigen Karin Maas-Tiedemann, die darum bat, dass ihrem 64jährigen Vater Peter, der an der Lungenkrankheit COPD im Endstadium leidet, dessen letzter Wunsch ist, nochmal viele Motorräder zu sehen und vielleicht eine kleine Runde im Gespann drehen könnte, von den Bikern erfüllt wird. Dieser Aufruf wurde unzählige Male geteilt und geteilt, so kam es zu dem unvorhergesehenen Massenansturm.

Peter Vondermann, der im Rollstuhl, verkabelt mit einem Sauerstoffgerät, in der Tür des Hauses saß, fiel aus allen Wolken, als er den langen Konvoi vor seiner Haustür erblickte. „Ich habe es geahnt“, sagte er über das Geschehen. Auch seine Frau Renate, die Tochter, die alles angezettelt hat, sowie andere Familienmitglieder hatten Tränen der Rührung in den Augen. Zwei Kameraleute nahmen die Aktion auf. Dann wurde Vondermann samt Rollstuhl und Sauerstoffgerät auf die Bundesstraße gestellt, ein Gespann aus Gangelt fuhr vor, er wurde in den Beiwagen gehoben, seine Frau setzte sich neben ihn und die Honda „Gold Wing“ setzte sich im Schritttempo unter den Beifall der anwesenden Bikern und vieler Schaulustiger vom Alten Rathaus bis zum Kreisverkehr am Schloss Moyland unter Polizeibegleitung in Bewegung. Die beiden Insassen winkten den Zuschauern zu und genossen sichtlich das Bad in der Menge. Zurück am Haus sagte Vondermann: „Das war Spitze“.

Die Familie Vondermann wohnt seit 2003 in Hasselt. Er ist gebürtig aus Oberhausen, war Universalfräser bei der Firma Thyssen und ist „ein Kämpfer“, wie seine Frau betont. Und das trotz seiner schlimmen Krankheit. „Er hat selber nie ein Motorrad gefahren, interessiert sich aber für Motorsport. Wir möchten uns bei der Polizei, der Feuerwehr und dem Ordnungsamt für die gesamte Unterstützung bei dieser Aktion bedanken. Mit so vielen Teilnehmern haben wir nicht gerechnet“, erklären Frau und Tochter unisono.

Stellvertretend für die anwesenden Biker sagte der Kevelaerer Arno Verheyen, der mit seiner Harley Davidson Truppe und den Hattinger Freunden mit etwa 100 Bikern vor Ort war: „Wir Motorradfahrer sind friedlich und halten solidarisch zusammen. Außerdem wollen wir dem Klischee des Rockers entgegen wirken“. Gegen 15.45 Uhr löste sich die friedliche Veranstaltung in Wohlgefallen auf und Hasselt genoss wieder die gewohnte samstägliche Ruhe.