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Bauer Pruys aus Kranenburg hat viele grüne Ideen

Landwirtschaft und Umweltschutz : Konventionell und trotzdem „grün“

Josef Pruys aus Niel ist einer von wenigen Landwirten, die sich bei Fridays for Future engagieren. Er ist kein Öko-Bauer, aber denkt und handelt nachhaltig, wo es eben geht. Zum Beispiel regt Pruys Baumpatenschaften an.

Die Familie Pruys lebt ziemlich abgeschieden auf einem Hof außerhalb von Niel. Der ist vor Jahrhunderten zum Schutz vor Hochwasser auf einem Hügel erbaut worden. Die Ställe sind zum Teil schon sehr alt, ein Teil der Grundmauern geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Die Hofstelle gehörte bis 1918 hinein zur mittelalterlichen Burg Zelem in Mehr, die am anderen Ende der weiten Felder zu erahnen ist. Der Boden ist schwer, sagt Landwirt Josef Pruys, nur die Mäuse scheinen das nicht zu bemerken, sie setzen seinem Grünland ordentlich zu. Ansonsten baut Pruys Mais und ein wenig Winterweizen an. Wegen des problematischen Bodens könne er nicht ganz auf Chemie verzichten. „Die Landwirtschaft muss weltweit bald zehn Milliarden Menschen ernähren, das geht nicht ohne gesteigerte Erträge.“ Dennoch: Der Nieler hat eine ausgesprochen grüne Ader.

So sehr interessiert er sich für umweltgerechten Landbau, Tier- und Klimaschutz, dass er Mitglied bei Fridays for Future (FFF) ist. „Die haben nämlich ganz ähnliche Interessen wie ich: unsere Region für die Nachwelt zu erhalten, indem etwas gegen den Klimawandel getan wird. Dass es den gibt ist klar, wir stecken da mitten drin, das sieht jeder Bauer auf seinen Feldern. Der dritte heiße und trockene Sommer in Folge deutet sich an.“

Laut Pruys sind die Mitglieder der Klever FFF-Gruppe  absolut keine Phantasten. „Die protestieren nicht nur, die treffen sich regelmäßig und machen sich sehr vernünftige Gedanken, entwickeln Projekte, versuchen sinnvolle Ideen in die Öffentlichkeit zu bringen und zu realisieren.“ Das gefällt dem Nieler, der schließlich möchte, dass seine eigenen Nachkommen noch in einer einigermaßen intakten Welt leben können.

Den ersten Grünschnitt für seine Kühe hat Pruys schon geerntet, dass es einen zweiten geben wird, glaubt er nicht. „Schon jetzt zeigen sich Risse im ausgedorrten Boden, da wächst kaum mehr etwas.“ Für seine Kühe und deren Nachzucht reicht es, Futterstroh vom letzten Jahr hat er schon günstig eingekauft und eingelagert. Aus freien Stücken können seine Tiere  aus dem Stall auf die Weide und zurück, das sieht sehr nach „Bio“ aus. „Ich bin aber ein konventionell produzierender Landwirt“, sagt Pruys, der deshalb aber noch lange nicht auf Massentierhaltung setzt. 85 Kühe und deren Kälber besitzt er – das ist für heutige Verhältnisse eher wenig. „Aber es genügt, um erfolgreich zu wirtschaften. Auch, weil wir Tradition und Moderne zusammen bringen.“

Während nämlich unzählige  Schwalben unter dem uralten Gebälk des  Kälberstalls umher flattern, nebenan Schleiereulen nisten, die Kühe, die in den nächsten Tagen kalben, in reichlich Stroh stehen und auch die Kälber nicht in Plastikboxen untergebracht sind, ist an anderer Stelle längst die Neuzeit eingezogen. Ein Melkroboter, der jede einzelne Kuh an ihrem Chip erkennt, übernimmt die früher so zeitaufwändigen Arbeiten. Dank dieser Technik, die Pruys vor zwölf Jahren eine hohe Investitionssumme wert war, kommt er mit nur einem Helfer im Stall zurecht.

Weil es auf seinen 65 Hektar Fläche ein paar Stücke Land gibt, mit denen sonst nicht viel anzufangen ist, pflanzt Pruys, wo immer das geht, Bäume. „Ich hab’ jetzt auch mit Baum-Patenschaften angefangen. Was soll man erwachsenen Menschen, die schon alles haben, sonst schenken? Meine Schwägerin hat einen Baum bekommen, die Nichte auch – jetzt kommen sie öfter mal vorbei, um ihren Baum zu besuchen. Ein schöner Nebeneffekt!“ Gar nicht schön findet der Nieler hingegen, wenn der Kreis Klever Bauhof die Hecken und Bäume an der Hauptstraße von Keeken nach Niel bis auf den Stock zurück schneidet oder gleich ganz entfernt, ohne Bäume nach zu pflanzen oder die Sträucher wieder wachsen zu lassen.  Also pflanzt Josef Pruys selbst so viel er kann. Seinen Mitstreitern aus der FFF-Gruppe gefällt das sehr.