1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Barbara Hendricks kritisiert Stiftung Moyland

Museum Schloss Moyland : „Moyland ist eine Schlangengrube“

Barbara Hendricks findet in einer Stellungnahme deutliche Worte zum Schloss Moyland. Aber nicht nur sie stellt die Strukturen in Frage: Auch Landtagsabgeordneter Günther Bergmann fordert einen Neuanfang.

„Danke,  liebe Bettina Paust, und alles Gute für die neue Aufgabe! Moyland ist eine Schlangengrube und es wundert nicht, dass freie Stellen nicht besetzt werden“. Barbara Hendricks, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Kleve und frühere Umweltministerin, wird in ihrer Stellungnahme zur RP-Berichterstattung über den Wechsel von Paust als Leiterin des Kulturbüros der Stadt Wuppertal sehr deutlich. Ihr Wort hat Gewicht: Denn Hendricks gehört mit zu den Politikern, die den Weg von der Tudor-Ruine hin zum Museum für moderne Kunst von Beginn an maßgeblich seit den 1980er Jahren begleitet hat. Und die auch Moyland immer unterstützt hat auf dem nicht immer einfachen, von ständigen Querelen vor allem nach der Ära van der Grinten, begleiteten Weg.

Klare Worte sind auch nötig - denn jetzt, nachdem Paust dem Schloss den Rücken gekehrt hat, kann sich in Moyland und vor allem im Vorstand der Stiftung keiner mehr dahinter verstecken, dass Stellen nicht besetzt werden können, weil Paust ja noch im Amt sei, wie es im Vorfeld vom Vorstand noch unisono vor der Presse verkündet wurde. Arnim Brux, für das Land in diesem Vorstand, hat in seinem Kommentar zum Weggang der künstlerischen Leiterin Recht: Es herrscht jetzt Klarheit. Es herrscht damit aber auch die Klarheit, dass der Vorstand jetzt liefern muss.

  • Schloss Moyland ist wieder ohne künstlerische
    Museum Schloss Moyland : „Moyland ist eine Schlangengrube“
  • Dr. Bettina Paust bereits erschienen in
    Museum Schloss Moyland : Bettina Paust verlässt das Schloss
  • Kleve : Paust über Edouard Manets Rennpferde und Amazonen

Das sieht der CDU-Landtagsabgeordente für den Kreis Kleve, Günther Bergmann, nicht anders: „Wir müssen jetzt die Weichen so stellen, dass Moyland zukunftssicher wird. Da muss alles auf den Prüfstand“, fordert Bergmann. Er wolle Paust nochmals dezidiert für ihre Leistungen danken. Doch sei offensichtlich gewesen, dass in Moyland die Fronten so verhärtet waren, dass es mit Paust keine Zukunft gegeben hätte.

Bergmann versucht, optimistisch zu bleiben: Moyland habe mit seiner bedeutenden Sammlung an Beuys-Werken ein Alleinstellungsmerkmal, das ihm eine besondere Stellung in der nordrhein-westfälischen Museumslandschaft garantiere, sagt er. Jetzt habe man in Moyland tabula rasa, die komplette Leitungsebene sei neu zu besetzen. „keiner kann sich jetzt mehr dahinter zurückziehen, dass es noch Unwägbarkeiten gibt. Es ist an der Zeit, dass etwas getan werden muss“, sagt der Christdemokrat aus Kalkar.

Für Stephan Haupt, FDP-Landtagsabgeordneter für den Kreis Kleve, ist die Hängepartie in Moyland jetzt jedenfalls beendet. „Wir müssen ein tragfähiges Zukunftskonzept entwickeln, das alle mittragen. Da müssen dann auch alle Stifter hinter stehen. Und zu diesem Konzept muss auch die künftige künstlerische Leitung passen“, kommentiert der Freidemokrat die nächsten Schritte, die in Moyland zu nehmen sind.

Es habe gegen Bettina Paust keinerlei qualitative Kritik oder Vorwürfe gegeben. „Es gab nur unterschiedliche Ansichten über die Ausrichtung“, sagt er. Das müsse künftig besser werden mit einem Konzept, hinter dem alle Beteiligten stehen. Mit den Querelen müsse endlich Schluss sein: „Sie belasten Mitarbeiter und vor allem auch die Freunde, die das Museum hat“, sagt Haupt.

Er hat Recht: die Querelen um Moyland haben eine lange Geschichte und sind nicht an Bettina Paust festzumachen. Sie ist nur ein weiteres Glied in der Kette um den Krach zwischen Stiftungsvorstand und künstlerischer Leitung: Christoph Schaden, einstimmig gewählt, trat die Stelle erst gar nicht an, Peter Dering, der kurz die Leitung übernahm, musste seinen Hut nehmen, nach langer Vakanz kam dann Bettina Paust, die immerhin seit 2009 bis 2016 die Stellung hielt und Moyland deutlich nach vorne brachte.

Dazwischen hatte das Museum mehrere Jahre lang  keinen künstlerischen Direktor. Eine solche Hängepartie kann sich Moyland jetzt nicht mehr leisten, will es seinen Platz in der Museumslandschaft wahren.

Was keiner ausspricht, was aber deutlich zwischen den Zeilen steht: Der Geburtsfehler liegt im Stiftungsvertrag, der in den Beschlüssen zu Moyland beispielsweise immer Einstimmigkeit erzielen muss und sich in die Arbeit der künstlerischen Leitung hängen kann. Auch ist bis heute nicht das Verhältnis zum Beuys-Nachlass geklärt, der Moyland in der Vergangenheit immer wieder blockierte.

Wie prekär die Lage ist, zeigt sich in Haupts Aussage: „Der Schuss, den wir jetzt machen, der muss sitzen“. Aber er weiß auch, dass es Sinn macht, das Schloss weiter nach vorne zu bringen: „Moyland ist ein großes Museum, es braucht auch die Anerkennung, die es verdient“.