Kreis Kleve: Bahnhöfe als Privatsache

Kreis Kleve : Bahnhöfe als Privatsache

Viele Bahnhöfe gehören nicht mehr der Deutschen Bahn, sondern Kommunen oder Wohnungsgesellschaften. Selbst wo die Bahn noch Eigentümer der Immobilie ist, haben meist Private den Fahrkartenverkauf übernommen.

Dass an den Bahnhöfen von Geldern, Goch, Kevelaer oder Kleve noch bei einem Menschen aus Fleisch und Blut Fahrkarten gekauft werden können, ist dem Unternehmergeist einiger Leute zu verdanken, die in der Umstrukturierung bei der Bahn ihre Chance erkannten.

Zehn Jahre ist es her, dass Udo Loock die DB-Agentur Niederrhein gründete, um im Gelderner Bahnhof Fahrkarten zu verkaufen und Reisende zu beraten. 2003 übernahm er den Bahnhof in Goch, 2004 folgte Kleve. Drei fest angestellte Mitarbeiter und eine Aushilfe hat Loock. Sie sorgen für feste "Schalter"-Öffnungszeiten.

Fahrkarten aus dem Automaten ziehen zu müssen, finden viele Bahnkunden umständlich. Oft sind die Geräte defekt oder die Oberflächen wegen ungünstiger Sonneneinstrahlung nicht zu lesen. Weitaus sympathischer scheint es da, einem freundlichen Menschen am Kiosk oder Schalter sein Reiseziel zu nennen und ein paar Euro auf die Theke zu legen.

Bei Heinz-Willi Theunissen in Kevelaer gibt's dazu noch Getränke, Zeitschriften und einiges mehr zu kaufen. Der Mann, der jahrelang den "Train-Stop" in Xanten betrieb, bevor er sich in Kevelaer engagierte, vermietet zudem Fahrräder, Fun-Cars und Rikschas. Und bewacht geparkte Räder.

Unterstellmöglichkeit

Service — das ist es, was vielen Kunden bei der Deutschen Bahn fehlt, wissen die "freien" Bahn-Agenten. Reisende ab Kleve spüren derzeit, wie es ist, wenn ein Bahnhof nicht viel mehr bietet als einen Ort, sich beim Warten unterzustellen: Sowohl die Bahnhofsgaststätte als auch die Buchhandlung sind raus aus dem einstmals schönen Gründerzeit-Gebäude.

Die Bahn möchte es verkaufen — gerne an die Stadt. Ob es dazu kommt, steht in den Sternen. So lange dies nicht geschieht und nicht einmal die Ladenlokale vermietet sind, gibt's nicht einmal eine Toilette.

"Dabei sind die Mieten, die die Bahn verlangt, gesalzen", sagt Loock. Der Kommunalbetrieb Goch und die Wohnungsbaugesellschaft Geldern seien weitaus bescheidenere Vermieter. Mit nur einem Beschäftigten pro Bahnhof sei es ihm nicht möglich, mehr als "nur" Fahrkarten zu verkaufen.

Neben den Schülern, die mit dem Niers-Express unterwegs sind, haben Loock und seine Kollegen viele Stammkunden. Die freuen sich oft auch über ein kleines Gespräch mit den Bahnhofsleuten. Da ist zum Beispiel Stefan Kraushausen aus Weeze, der von Beginn an in Goch arbeitet.

Und sein Kollege Herbert Mertsch, der das gleiche in Kleve tut. Weil die beiden keine Angestellten (oder gar Beamte) der Deutschen Bahn sind, stellen sie sich vor allem in den Dienst der Kunden. Wenn's eine besonders günstige Möglichkeit gibt, mit einer Gruppe oder zu einem bestimmten Termin zu reisen, weisen sie ganz bestimmt darauf hin. Auch, wenn der Bahn dadurch ein paar Euro entgehen. Ein Automat tut das nicht.

(RP/jul)
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