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Kleve: Bagger beißt sich durch das alte Rathaus

Kleve : Bagger beißt sich durch das alte Rathaus

Gestern begann der Abriss des alten Klever Rathauses, an dessen Stelle ein modernes Rathaus gleichen Ausmaßes entstehen. soll. Ein 80-Tonnen-Bagger wird bis Ende Oktober den alten Bau einreißen, dann kann der Neubau beginnen.

Willy heißt der Bagger. Er ist orange, wiegt 80 Tonnen und scheint Kraft schier ohne Ende zu haben. Sein Markenzeichen: Eine grimmige Bulldogge, die auf der Seitenscheibe ihre Zähne fletscht. Quietschend und knarrend rollt Willy auf den Bau zu, sein Greifarm beißt sich in den Übergang vom Rathaus in den Ratssaal und zerrt ein Bündel Stahlträger, Putz, Glas und Beton aus der Wand. Es staubt, Brocken fallen auf den Boden, Glas zerbirst. Die Stahl-Glas-Beton-Skelett-Konstruktion des Übergangs rafft der Bagger noch mit links herunter. Der Anbau des Ratssaals soll in wenigen Tagen dem Erdboden gleich gemacht sein, der lange Riegel des alten Krankenhauses folgen.

Auf zum Abriss: Bürgermeister Theo Brauer, Architekt Andreas Kühn, Unternehmer Frank Smola. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Gestern saß Astoc-Geschäftsführer und Architekt Andreas Kühn an den Hebeln der Baggerkraft und riss das erste Stück Rathaus aus dem Bau heraus. Das Kölner Architekten-Büro hat in Planungsgemeinschaft mit Lorber + Paul Architekten den Neubau für die Erich Tönnissen GmbH in Kleve geplant. In zwölf Wochen soll das alte Krankenhaus bis auf die Fundamente abgerissen sein, damit mit dem Bau begonnen werden kann. Dann wird die moderne Stadt auch ein modernes Rathaus bekommen, so wie CDU-Stadtverbandschef Jörg Cosar es 2006 kurz nach seinem Amtsantritt gefordert hatte. Da stand der CDU-Mann noch allein auf weiter Flur.

Bevor Kühn den Bagger gen Rathaus in Gang setzte, galt es Abschied zu nehmen und statt des symbolischen Spatens setzten Kleves Bürgermeister Theo Brauer, der kaufmännische Leiter der Erich Tönnissen GmbH, Frank Smola, und Kühn die symbolische Spitzhacke und den Vorschlaghammer an. Brauer durfte auch mal den Blick aus dem Bagger testen.

Smola dankte dem Bau, in dem so mancher Klever noch das Licht der Welt erblickt habe, in dem Smola und seine Frau bei Standesbeamtin Annette Wier getraut wurden, er seine Kinder anmeldete und er als Jugendlicher seinen ersten Personalausweis bekam. "Gut gemacht, altes Haus", sagte Smola mit Blick auf den Bau.

Es sei ein Gebäude, an dem viele Erinnerungen hängen. Deshalb hatte der Bauunternehmer, der den Neubau des Klever Rathauses als Klever für Klever baut, dazu eingeladen, den Start des Abrisses zu feiern. Eine Feier, zu der Vertreter des Rates und der Stadt sowie Bürger gekommen waren. Er baue lieber Häuser, als dass er sie abreiße, sagte Smola. "Häuser, die auch nach 20 Jahren noch stehen und von denen wir dann gerne sagen, dass wir sie gebaut haben", so der Tönnissen-Mann. Kleves Bürgermeister Theo Brauer blickte auf die Bürgerbefragung von 2009, in der das Gros derer, die teilnahmen, für ein Rathaus an dieser Stelle stimmten. Brauer: "Das war die richtige Entscheidung." Auch wenn ihm der Moment des Abrisses unter die Haut gehe, freue er sich enorm, dass Kleve nun ein "authentisches Rathaus" bekomme. Frei zitierte er den Freiherrn vom Stein: "eine Bürgergesellschaft braucht ein eigenes Rathaus". Es werde nicht mehr ein altes Krankenhaus sein, in dem Rat und Verwaltung künftig ihrer Arbeit nachgingen.

Das von Lorber + Paul und Astoc geplante neue Rathaus wird die selben Ausmaße haben, wie der abgerissene Vorgängerbau, dessen Sanierung wohl teurer geworden wäre, als der auf 11,6 Millionen Euro veranschlagte Neubau. Der soll energie- und wärmetechnisch auf dem neuesten Stand sein, so der Ratsbeschluss. Die Planer haben dem Neubau große Fenster verpasst und einen multifunktionalen Anbau für den Ratssaal.

Doch jetzt kommen erst die Wochen des Abrisses. Selbst die sollen sinnvoll genutzt werden: Die Pressesprecherin des CDU-Stadtverbandes Kleve, die Juristin und Bambi-Preisträgerin Dr. Daniela Lesmeister, möchte mit der I.S.A.R.-Staffel und ihren Rettungshunden an einem Wochenende üben. Denn die müssen in Katastrophengebieten ja auch in den Schutt zusammengestürzter Häuser. "Kein Problem", versprach Smola.

(RP)