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Kalkar: Badende von Lersch und Nauen in Kalkar

Kalkar : Badende von Lersch und Nauen in Kalkar

1913, vor über 100 Jahren malte Heinrich Nauen den großen Drove-Zyklus. Daran erinnert eine Wander-Ausstellung, die jetzt Station im Kalkarer Rathaus macht. Der Zeichner Martin Lersch hat die Bilder des Zyklus neu interpretiert.

Es war die frohe Neujahrskunde für 1914: Mit den "Badenden" hatte Heinrich Nauen seinen Zyklus aus sechs großen Gemälden endlich abgeschlossen. Angefangen hatte Nauen den Zyklus Anfang 1912, "beglückt und zukunftsfroh". Nach dem Abschluss fühlte er sich "müde und krank".

 Martin Lersch interpretierte für die Ausstellung in Kalkar das Nauen-Bild von 1913 hundert Jahre später neu.
Martin Lersch interpretierte für die Ausstellung in Kalkar das Nauen-Bild von 1913 hundert Jahre später neu. Foto: Gottfried Evers

Dabei stecken gerade "Die Badenden" voller Leben: Leuchtend lädt ein kühles Blau zum Sprung ins Wasser, die sattgrüne Wiese zum stillen Ruhen ein. In der Mitte eine Frau mit feuerrotem Haar, die, gerade wie Venus dem Wasser entstiegen, sich mit einem gelben Tuch abtrocknet. Links und rechts im Vordergrund liegen und sitzen drei Frauen und genießen die Sonne, dazwischen geschichtet die Kleider der Nackten. Nauens in sich geschlossene Komposition erinnert an Matisse, das Motiv ist der Garten seines Hauses in Dilborn - wo auch Helmuth Macke (Park in Dilborn mit badendem Akt") und Erich Heckel ("Badende im Wald") malten.

Zu sehen sind die wandfüllenden Originale nur selten, gelten mitunter als Schätze der Sammlungen. Deshalb hat der Brüggener Otto Lehmann jetzt ein kleines Heftchen herausgegeben, das alle sechs Bilder beschreibt. Dazu hat er eine kleine Ausstellung zusammengestellt, die an die Orte von Nauens Leben wandert und die jetzt im Kalkarer Rathaus zu sehen ist. Kalkar war Nauens letzte Station.

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Den Umschlag des Heftchens (das gibt's für fünf Euro zur Ausstellung) ziert ein Motiv von Martin Lersch: eine Szene aus Nauens Zyklus-Bild "Im Garten". Denn Lersch hat für die Wander-Ausstellung, die Nauens Bilder lediglich als kleinformatige Reproduktionen (Drucke auf Leinwand) zeigt, die sechs Geschwister des Zyklus neu interpretiert. Er versah sie mit Versatzstücken der Kunstgeschichte, machte die einzelnen Szenen zu eigenen Bildern, die sich dann in der Gruppe wieder zu einem Ganzen zusammenfügen.

Lersch setzte die Nauen-Szenen farbenfroh in Öl und Tusche auf Sperrholz, fügte hier ein Paar Blumen von Warhol hinzu und ersetzte dort die nauensche Vase durch eine von Matisse. Es ist die Spannung zwischen Original und Interpretation, von der die kleine, auf einen Rathausflur passende Ausstellung lebt.

Lersch zerlegt Nauens Komposition in ihre Bestandteile, aus dem an Matisse erinnernden Kreis der Badenden Nauens wird bei ihm eine Linie: Der Fluss zu Füßen der Badenden, die sich an dessen Ufer versammelt haben. Rechts lässt eine an den französischen Maler Fernand Leger erinnernde Dame im weißen Shirt ihre Füße ins Wasser baumeln, links wird die Schwimmerin Nauens zur Meerjungfrau.

Wer sich die Ausstellung zum Nauen-Zyklus im Rathaus angeschaut hat, sollte auch ins nahe Museum: Der dort gezeigte Grabstein des Malers wurde von Mataré entworfen und von Beuys ausgeführt.

(RP)