Zahlreiche Taten in Deutschland verübt Automatensprenger-Bande bei Razzia in den Niederlanden gefasst

Kreis Kleve/Niederlande · 50 Automaten soll sie in Deutschland in die Luft gejagt haben, nun wurde die Bande in den Niederlanden festgenommen. Ihre Beute soll bei mehr als fünf Millionen Euro liegen.

In Goch-Asperden war es im Dezember zu einer Explosion in einer Bankfiliale gekommen.   Archivfoto: Schulmann

In Goch-Asperden war es im Dezember zu einer Explosion in einer Bankfiliale gekommen. Archivfoto: Schulmann

Foto: Guido Schulmann

Neun Männer sind in den Niederlanden festgenommen worden. Sie sollen für etliche Geldautomatensprengungen in Deutschland verantwortlich sein. Die dabei gemachte Beute beträgt 5,2 Millionen Euro, der verursachte Schaden soll laut Ermittlern bei 7,4 Millionen Euro liegen. So soll die Bande für mehr als 50 Sprengstoffanschläge verantwortlich gewesen sein. Dutzende Male fuhren sie mit hochmotorisierten Autos und reichlich Sprengstoff von den Niederlanden aus nach Deutschland, um hier Geldautomaten zu sprengen. Seit November 2021 waren die Täter demnach aktiv. Nach bisherigem Ermittlungsstand sollen sie sich vornehmlich Bankinstitute in den beiden süddeutschen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg ausgesucht haben.

Im Kreis Kleve war zuletzt die Filiale der Commerzbank in der Großen Straße Ziel von Automatensprengern. Mitte Dezember wurden Bankautomaten bei Kevelaer-Twisteden und in Goch-Asperden zerstört. Eine Verbindung zur Razzia in dieser Woche gibt es bisher nicht.

Seit mehr als einem Jahr fahnden deutsche und niederländische Polizei gemeinsam nach den Tätern der nun aufgedeckten Bande. Einige der festgenommenen Männer stammen aus Limburg. Die Provinz zieht sich direkt entlang der Gocher Grenze bis nach Kranenburg. Weitere Männer sind in Utrecht, Amersfoort und Soesterberg verhaftet worden. 270 Beamte waren an 16 Orten im Einsatz. Berichten zufolge handelt es sich um die bisher größte Polizeiaktion gegen Sprengstoffüberfälle in den Niederlanden. Alle Verdächtigen sind zwischen 25 und 41 Jahre alt, leben in den Niederlanden und haben neben der niederländischen auch weitere Staatsangehörigkeiten. Drei Verdächtige werden noch gesucht.

Nach Angaben der Polizei wurden bei den Durchsuchungen Hinweise auf eine Beteiligung an der kriminellen Vereinigung gefunden. Genauso wie Zehntausende Euro in bar, teure Kleidung und Luxusartikel. In Roermond wurden in einem der durchsuchten Gebäude ein Audi RS6 und jede Menge Sprengstoff gefunden. Entdeckt wurden neun vorbereitete Sprengstoffpakete.

Die deutsche Polizei spricht von „Skrupellosigkeit“ und „außerordentlicher Gefahr“ bei der Durchführung der Sprengstoffrazzien und ermittelt, ob in zehn Fällen versuchter Mord an Anwohnern zur Anklage gebracht werden kann. Die Banden aus den Niederlanden kommen für ihre Taten bevorzugt in die Nachbarländer. Geldautomaten sind in den Niederlanden in der Regel besser gesichert. Außerdem gibt es dort im Verhältnis viel weniger Automaten.

(pej/dpa)
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