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Auto Gilles aus Emmerich kauft Wöhrmann in Kalkar

Lokale Wirtschaft : Wöhrmann wird Heimat für Auto Gilles

Großer Erfolg für die Stadt Kalkar: Es ist gelungen, den ehemaligen Milchwerke-Standort Friesland in Kehrum an Auto Gilles aus Emmerich zu vermitteln. Der Kauf ist vollzogen, künftig werden in den Hallen Nutzfahrzeuge umgebaut.

Wer das Gelände von Auto Gilles in Emmerich kennt, wird es als ziemlich groß empfinden. Immerhin vier Hektar nutzt das Unternehmen am Rhein. Künftig aber werden Alwin Gilles und seine Mitarbeiter noch deutlich mehr Platz haben: Der Emmericher hat den leerstehenden Gebäudekomplex der ehemaligen Milchwerke Wöhrmann gekauft. Das hatte sich in den vergangenen Wochen und Monaten schon angekündigt und wurde jetzt – nach dem Notartermin – bestätigt. Sehr froh sind nicht nur die unmittelbar Beteiligten, sondern auch Immobilienmakler Johannes Diks (früher Bürgermeister Emmerich) vom Klever Büro Remax, Kalkars Wirtschaftsförderer Bruno Ketteler und Bürgermeisterin Britta Schulz.

Denn für Kalkar war es ein Schlag gewesen, als „FrieslandCampina“ 2009 ankündigte, sich vom Standort Kehrum trennen zu wollen. 200 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz, und das, obwohl es hieß, der Standort schreibe schwarze Zahlen. Aber er passte wohl nicht mehr ins Portfolio des Konzerns, Mitte 2011 war Schluss mit der Milchverarbeitung in Kalkar. Ein Käufer für das Gelände war jahrelang nicht zu finden, erst das Duo Johannes Diks (Remax) und Bruno Ketteler (Wirtschaftsförderer von Kalkar) machte Fortschritte, die jetzt zum Erfolg führten.

Das Gelände aus der Luft. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Was ist „Auto Gilles“, und wofür braucht die Firma so viel Platz? Gilles handelt mit gebrauchten Nutzfahrzeugen und mit Ersatzteilen für Lastwagen und andere Großfahrzeuge. Motoren, Achsen, Getriebe und andere Teile werden weltweit eingekauft, verarbeitet oder weiter veräußert. Auch die Reparatur und Aufbereitung der Nutzfahrzeuge gehört zum Angebot – bis hin zur Verwertung und Entsorgung. Auf den einschlägigen Online-Verkaufsplattformen ist nachzulesen, was Gilles derzeit alles zu verkaufen hat: Lastwagen aller Art, Müllwagen, Bagger, Kipper, Servicefahrzeuge für Kommunen, sogar eine Drehleiter und ein Unimog zum Schneeschieben sind zu haben. Das alles soll in den kommenden Monaten auf die linke Rheinseite umziehen. Mitte 2020, hofft Alwin Gilles, sollte das geschafft sein. Sehr froh ist Johannes Diks, der natürlich den Abzug des erfolgreichen Unternehmens aus seiner Heimatstadt „mit einem weinenden Auge“ betrachtet, darüber, dass es für das frei werdende Grundstück bereits ernsthaftes Interesse gebe. Nach RP-Informationen soll Nachbar Probat (Maschinenfabrik von Gimborn) die Fläche zwischen Reeser Straße und Industriehafen zwecks Erweiterung übernehmen.

Alwin und Andrea Gilles leben in Xanten-Vynen, also nur einen Steinwurf von Kehrum entfernt. „Und ich jage in Appeldorn“, sagt der Unternehmer, dessen Kinder in Kalkar zur Schule gingen. Die jüngere Tochter Paola wird mit in die Firma einsteigen, außerdem macht sich der Partner der älteren Tochter bereit, bei den Schwiegereltern mitzuarbeiten. 25 Angestellte werden von Emmerich nach Kehrum wechseln; „das ist nur fair, bisher mussten wir schließlich immer in die andere Richtung fahren“, scherzt Andrea Gilles. Nach und nach, plant ihr Mann, wolle er andere Firmen für Teile des überbauten Bereichs werben. Und auch mit der jungen Generation werde überlegt, wie sie sich einbringen können. Denn 60.000 Quadratmeter (in Emmerich waren es 40.000) bieten viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Bruno Ketteler erinnerte daran, dass Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers das Gelände mehrfach auf der Expo Real angeboten hatte. Und dass erst, als der frühere Emmericher Bürgermeister Johannes Diks, heute für den Immobiliendienstleister Remax im Einsatz, sich der Sache annahm, der Erfolg näher rückte. „Wir hatten innerhalb von zwölf Monaten 38 Anfragen, viele Ideen waren aber schon genehmigungstechnisch nicht umsetzbar“, berichtete er. Kalkars Stadtbaurat Frank Sundermann hatte mit einigen Behörden zu tun, bis klar war, was am Standort geht und was nicht. Der Friesland-Campina-Konzern wurde sich mit Gilles offenbar handelseinig, und der Emmericher hat nun zusätzlich zu einem riesigen Grundstück eine Reihe Hallen, von denen er einige selbst nutzen will. „Wir brauchen die Hallen als Lager und auch als Werkstätten“, so Gilles. Und natürlich werde er in erheblichem Maße investieren müssen.

Bereits jetzt sieht das Gelände recht anders, nämlich sauber gemacht aus. Wildwuchs wurde entfernt, jeder vorüber Fahrende sieht, dass dort etwas passiert. „Es wirkt ja nicht gerade einladend, wenn die Zufahrt zu einem Gewerbegebiet ein toter Klotz ist. Wie sollen da Interessenten einen guten Eindruck von dem Gebiet bekommen“, sagt Bürgermeisterin Britta Schulz abschließend.