Ausstellung zum Kriegsende

Kalkar : Ausstellung zum Kriegsende

Der Verein der Freunde Kalkar will an das Kriegsende vor 70 Jahren erinnern. Im Mittelpunkt stehen 50 Propaganda-Flugblätter, die von den alliierten Flugzeugen abgeworfen wurden. Gesucht werden noch Erinnerungsstücke an die Zeit.

2015 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 70. Mal. Aus diesem Grund plant der Verein der Freunde Kalkars im Städtischen Museum eine Ausstellung von Kalkarern für Kalkarer und interessierte Niederrheiner über die letzten Kriegsjahre und die frühe Nachkriegszeit in Kalkar.

Im Mittelpunkt des Projektes stehen 50 Propaganda-Flugblätter, die in den Kriegsjahren von den alliierten Flugzeugen abgeworfen wurden, um den Niederrheinern einen anderen Blick auf das Kriegsgeschehens zu ermöglichen und einen Gegenpol zur gesteuerten Nazipropaganda zu schaffen. Diese Flugblätter wurden von dem damals jugendlichen Willi Wolters aus Kalkar gesammelt, obwohl das Aufheben und Verwahren von Feindpropaganda mit Todesstrafe bedroht war. Diese einmaligen Zeitdokumente thematisieren die Lebensumstände der Zivilbevölkerung, den tatsächlichen Kriegsverlauf, die Bombardierung der Städte und das sich abzeichnende Kriegsende, während die Nazipropaganda immer noch den Endsieg verkündete.

Die Flugblätter sind heute Zeugen davon, wie auch mit Propaganda versucht wurde, Einfluss auf das Kriegsgeschehen zu nehmen. Das hatte im März 1945 endgültig auch den Niederrhein erreicht. Am 23. März 1945 trafen sich Churchill und General Montgomery in Walbeck zur Lagebesprechung. Es ging um den unmittelbaren Beginn des Rheinübergangs der Alliierten. Ab 17 Uhr setzte linksrheinisch das Trommelfeuer aus 1600 Kanonen auf die Städte und Dörfer rechts des Rheins ein. Am 23. März gegen 21 Uhr überquerten die Alliierten von Hönnepel aus in Schwimmpanzern (Buffalos) und ab 21.30 Uhr von Niedermörmter aus über frisch gebaute Pontonbrücken den Rhein.

Gegen 9 Uhr begann die Luftlandung von über 10 000 Fallschirmjägern im Raum Bislich-Hamminkeln. Churchill fuhr von Walbeck zum Fürstenberg bei Xanten und beobachtete hier mit Montgomery die Landung. Am späten Vormittag des 24. März 1945 fuhr Churchill mit den Generälen durch Kehrum zum Monreberg. In Kehrum winkten ihm die Menschen als Befreier des Nazi-Deutschlands zu. Auf dem Monreberg erfuhr Churchill als erste Nachricht vom Tod des Generalmajors Sir Tom Gordon Rennie auf dem Pottdeckelhof in Rees.

Mit der Ausstellung möchte der Verein der Freunde Kalkars, der vom Arbeitskreis Niederrheinische Zeitgeschichte des Pfälzerbundes am Niederrhein e.V. unterstützt wird, vor allem auch für die jüngere Generation ein wichtiges Kapitel der Geschichte Kalkars nachvollziehbar und nachempfindbar machen. Deshalb sollen Kontakte zu den weiterführenden Schulen geknüpft und die Thematisierung im Geschichtsunterricht angeregt werden.

Wichtig für diese Zielsetzung sind die Erlebnisberichte von Zeitzeugen, Lebensschicksale von Soldaten, die man mit Hilfe von Feldpostbriefen, Totenzetteln, Fotos und Orden nachvollziehen kann sowie Fotos vom zerstörten Kalkar und Wiederaufbau am Kriegsende. Gesucht werden auch Gebrauchsgegenstände, die aus Munitionsresten oder Uniformen hergestellt wurden. Kartenmaterial vom Kriegsverlauf am Niederrhein sowie Fotos und Zeitungsartikel, auch von der Vertreibung und Rückkehr der Bevölkerung in die zerstörte Heimat, sollen den Eindruck vertiefen.

Der Verein der Freunde Kalkars bittet darum, Erinnerungsstücke an die Kriegszeit in Kalkar als Leihgabe für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Weitere Auskünfte unter 02824/2257 (Hubert Umbach) oder 02824/999400 (Boris Gulan).

(RP)
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