Ausstellung im Museum Goch: Porträts von Migranten

Museum Goch : Lersch zeichnet Gesichter von Migranten

Den Porträts feiner Herrschaften, die sich von (Auftrags-)Künstlern malen ließen, stellt Martin Lersch seine Zeichnungen von in Goch lebenden Migranten gegenüber. Eröffnung der Ausstellung am Dienstag.

Es gibt kaum etwas Spannenderes, als Menschen in ihre Gesichter zu blicken. „Ich schau Dich an“ hat Martin Lersch seine Ausstellung genannt, die am Dienstag, 17. Juli, im Museum Goch eröffnet wird. Zu sehen sind Porträts von Männern und Frauen, die noch mehr oder weniger fremd in Goch sind, weil sie aus dem Ausland kommen. Viele als Flüchtlinge, einige als Migranten aus Osteuropa. Das Museums-Team hat dazu in den zweiten Raum im Dachgeschoss Bilder gehängt, die ebenfalls Gesichter zeigen: repräsentative Gemälde aus der Jahrhundertwende oder aus noch früherer Zeit, Fotos der Familie Langenberg, Werke, die die zeitgenössischen Künstler Thitz oder Steve Keene der Stadt und ihrem Museum überlassen haben.

31 Abbildungen von Männern und Frauen, die Lersch 2017 im temporären Museumscafé und zum Teil auch im Arnold-Janssen-Haus, wohin die Migranten zu Sprachkursen kommen, gezeichnet hat, hängen neutral gerahmt an den Wänden des zweiten Obergeschosses. Es sind Buntstiftzeichnungen auf Recyclingpapier. „Das ist eine ganz besondere Pappe, die ich mal bei einem Trödler in Frankreich erstanden habe“, erzählt der Künstler. Auf ockerfarbenem Hintergrund sind Porträts mit zum Teil sichtlich raschem Strich entstanden. „Es ist für Laien nicht einfach, dem Künstler Modell zu sitzen. Damit die Perspektive sich nicht ständig ändert, sage ich den Leuten, sie sollen einen Punkt fixieren und den Mund möglichst geschlossen halten.“ Deshalb blicken manche der Gezeichneten den Betrachter recht ernst an.

„Ich habe mir ein Jahr Zeit genommen, um den Kontakt zu den Migranten herzustellen, ihr Vertrauen zu gewinnen und die Zeichnungen zu fertigen“, erzählt Lersch. Er begreift seine Arbeit nicht zuletzt als Beitrag zur Integration und kulturellen Bildung, denn es braucht (offenbar nicht nur für Zugewanderte) einigen Mut, um ein Museum zu betreten. „Fremde mit unserer Kultur vertraut zu machen ist aber wichtig“, findet Lersch, der gerade bei den Menschen aus dem arabischen Raum mit einem zusätzlichen Problem zu kämpfen hatte: Bekanntlich erlaubt der Islam Bilder von Menschen und Tieren nur bedingt; Verzierungen an Gebäuden oder in Büchern bestehen meist nur aus geometrischen oder floralen Mustern.

„Entsprechend dauerte es bei einigen eine Weile, bis sie sich trauten, mir Modell zu sitzen. Die Frauen kamen meist mit Töchtern oder einer Freundin.“ Etwas liberaler als vor Jahrzehnten, als Lersch mehrfach Marokko bereiste, sei der Umgang mit dem „Bilderverbot“ heute aber durchaus. „Das liegt an der Fotografie, dem Fernsehen, dem Internet“, meint der Gocher.

Jeden Mittwoch des vergangenen Jahres hatte Lersch im Museum gesessen und auf Männer und Frauen gewartet, die sich porträtieren lassen würden. „Junge Afrikaner kamen gerne, arabische eher nicht“, musste er erfahren. Nicht einfach sei gewesen, den Leuten das Projekt zu erklären - warum sie jemand malen und das Ergebnis auch noch ausstellen wollte. Mit manchen war die Unterhaltung schwierig, mit einigen umso ergiebiger. „Ich habe ein tschetschenisches Journalisten-Paar kennengelernt, das vermutlich im Gefängnis säße, wenn es nicht hier wäre. Oder Azadeh aus Afghanistan - eine ganz selbstbewusste Frau, die überall hingeht und deren Porträt wir für die Einladungskarte ausgesucht haben.“

Jasmin Schöne vom Museum hat aus dem Archiv des Hauses zum Teil in goldenen Rahmen steckende herrschaftliche Porträts geholt, auch einen Schwontkowsi, einen Thitz, Arnold Janssen, gemalt von Steve Keene. Es gibt auch ein Porträt einer unbekannter Dame oder solche, bei denen der Künstler unbekannt ist. So originell, das Schöne nicht mal einen Begriff dafür hat: Bilder auf Silberfolie aus der Frühzeit der Fotografie, deren Motive nur aus einem bestimmten Blickwinkel überhaupt zu erkennen sind. Sie werden liegend in einer Vitrine präsentiert.

Porträt eines Jungen, das im Gocher Museum zu sehen ist. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Die Ausstellung wird am Dienstag, 17. Juli, um 19 Uhr eröffnet. Zum Porträtzeichen-Workshop mit einem lebenden Modell (Dienstag und Mittwoch, 17./18. Juli von 15-17 Uhr) können sich Interessenten noch im Museum anmelden.