Niederrhein: „Auf unsere Stärken besinnen“

Niederrhein : „Auf unsere Stärken besinnen“

Interview Der Niederrhein sollte der Finanzkrise nicht zu pessimistisch begegnen, sagt IHK-Präsident Thomas Hüttemann. Die Region sei stark – auch wegen der Rheinlage und des Airports Weeze.

Beim Neujahrsempfang der IHK Duisburg-Wesel-Kleve hat IHK-Präsident Thomas Hüttemann gestern Abend auch über die Finanzkrise gesprochen. Sein Wunsch an alle Gewerbetreibende am Niederrhein: „Bewahren wir einen kühlen Kopf.“

Wie sollen Politik und Unternehmen mit dem deutlichen Abschwung, der zurzeit spürbar ist, umgehen?

Thomas Hüttemann Zuallererst: Nerven behalten. Pessimismus ist ein schlechter Ratgeber. Wir haben bewährte Prinzipien und Werte – halten wir daran fest. Unsere Orientierungspunkte heißen nach wie vor: internationale Wettbewerbsfähigkeit, Verantwortung und soziale Marktwirtschaft. Wir Unternehmer müssen nun das Steuerrad in unseren Betrieben fest in der Hand halten.

Und wohin lenken die Unternehmer?

Hüttemann Wir richten uns auf die Veränderungen ein: Die Produktion wird angepasst. Wir sprechen mit unseren Mitarbeitern über die Zukunft ihrer Arbeit. Das sind schwere Entscheidungen. Aber einzelne Betriebe nutzen die Krise auch als Chance. Sie investieren gerade jetzt. Für diese Krise brauchen wir Kraft, Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Und ich meine: Über Kraft verfügen wir, Mut besitzen wir, und Vertrauen dürfen wir haben. Denn wir haben uns in den vergangenen Jahren ein solides Fundament gebaut.

Sie meinen, niemand sollte vorschnell aufgeben?

Hüttemann Richtig. Die Unternehmen haben investiert, sie sind technisch auf dem neuesten Stand, und sie sind absolut konkurrenzfähig. Wir haben eine gute Beschäftigungssituation. Wir haben Top-Ergebnisse bei der Ausbildung erzielt. Und – das ist sicherlich ganz wichtig: Der Ölpreis ist deutlich gesunken. Wir haben also alle Voraussetzungen, um eine Durststrecke durchzustehen.

Gilt das allgemein oder besonders für den Niederrhein?

Hüttemann Auch die Unternehmen in unserer Region haben in den letzten Jahren deutlich zulegen können und sind gut gerüstet. Der Niederrhein ist ein starker Standort. Ich bin mir sicher: Wir können und wir werden auch diese Krise meistern. Es gilt jedoch: Finanzkrise und Rezession machen auch vor dem Niederrhein nicht halt. Wir haben uns im neuen Jahr auf massive Einbußen einzustellen.

Das bedeutet konkret?

Hüttemann Unsere Industrie verdient jeden dritten Euro im Ausland. Und gerade die Auslandsnachfrage ist eingeknickt. Umso mehr kommt es darauf an, dass wir uns fit halten für den Weltmarkt, die Kosten beobachten und die Erfolge der letzten Jahre sichern. Generell verschieben sich Beschäftigung und Wertschöpfung in Richtung Dienstleistung. Aber gerade hier in der Region gilt eins: Basis für Wachstum und Wohlstand bleiben die Industrie und das Produzierende Gewerbe. Sie bilden die Voraussetzung für Verkehr und Logistik, für Handel und Service.

Wie sollen diese Punkte genutzt werden?

Hüttemann Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen: Der Niederrhein ist eine Logistikdrehscheibe von internationaler Bedeutung. Der größte Binnenhafen der Welt in Duisburg wächst und stößt an seine Grenzen: Es gibt kaum noch Gewerbeflächen. Hinzu kommen kräftige Investitionen im Logistikzentrum Emmerich. Dies spricht dafür, alle Möglichkeiten zur Kooperation der Häfen am Niederrhein auszuloten. Das würde dem Logistikstandort Niederrhein gut tun. Viele weitere Unternehmen könnten sich dann bei uns ansiedeln.

Wie passt der Airport Weeze in die Zusammenarbeit?

Hüttemann Der Flughafen empfing kürzlich den einmillionsten Passagier innerhalb eines Jahres. Unser Airport ist der wachstumsstärkste Airport in Deutschland. Er ist ein Jobmotor für den Kreis Kleve: Eintausend Arbeitsplätze sind rund um den Flughafen entstanden. Sichern wir seine Zukunft dauerhaft, und zwar so rasch wie möglich.

Corinna Kuhs führte das Gespräch

(RP)
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