Kleve: Athene auf dem Dach

Kleve : Athene auf dem Dach

Jetzt kam die Drei-Meter-Göttin per Tieflader aus Zeist bei Utrecht nach Kleve. Sie krönt seit gestern Abend Koekkoeks Atelierturm und überragt weit sichtbar die Dächer der Stadt. Sonntag um 11 Uhr wird die Statue enthüllt.

Pallas Athene, die Göttin der Weisheit, ist wieder in ihrer Stadt angekommen. Drei Meter hoch steht sie auf dem Dach des Atelierturms hinter Haus Koekkoek und überragt die Dächer der Unterstadt. Ohne ihren achtkantigen Sockel, der später das Dach abschließt, misst sie immerhin noch 2,75 Meter. 100 Kilo wiegt die gute Dame, die sich auf ihren Schild stützt, den Speer in der Hand. Denn Athene ist wehrhaft. Es war ein langer Weg, zum Koekkoek-Jubiläum die einstige Holzskulptur aus dem 19. Jahrhundert, die Anfang des vorigen Jahrhunderts verrottet vom Dach genommen werden musste, wieder zu ersetzen.

Werner van Ackeren, der den Turm bewohnt, setzt damit einen lange in der Familie gehegten Wunsch seines Vaters Dr. Heinrich van Ackeren, Ehrenbürger der Stadt Kleve, endlich um. Unterstützt wurde er dabei von Kleves ehemaligem Museumsdirektor drs. Guido de Werd, den Freunden des Museums, der Kunststiftung NRW, dem Landschaftsverband Rheinland und nicht zuletzt der Stadt Kleve. Denn die Figur gilt allen als Kulturgut der Stadt Kleve, die das Ensemble Koekkoek-Haus und Koekkoek-Atelierturm wieder komplettiert.

Doch die nach historischen Entwürfen rekonstruierte Figur konnte nicht einfach so auf das Dach gesetzt werden. Sie wurde bei Willem Noyons aus Zeist aus einem speziellen Kunststoff gegossen, der wetterfest und vor allem leicht ist. Denn eine Bronze- oder Steinfigur hätte der Turm nicht getragen, eine Holzfigur in der Witterung zu stark gelitten.

Dann musste das kleine Türmchen auf dem Turmdach, das eigentlich nur Sockel, Postament, für die Figur ist, vom Dach befreit und mit Stahlträgern verstärkt werden. Denn die Windlast, die die Figur abbekommt, ist enorm. "Hier weht's immer", sagte gestern Nachmittag Werner van Ackeren zur steifen Brise. Deshalb wurde ein Stahlanker rund um das Türmchen gelegt, fangen Stahlträger die Vibrationen der Figur im Wind ab. Wenn man das nicht gemacht hätte, wäre auf Dauer der Turm beschädigt worden, erklärt Architekt Werner van Ackeren.

Rund 116 000 Euro kostete das Unterfangen Athene auf dem Dach, rechnete Drs. Guido de Werd gestern vor. Den Großteil übernahmen besagte Sponsoren und Stiftungen, einen Teil die Freunde des Museums, so de Werd. Ein Vertrag regelt die Besitzverhältnisse und die juristischen Umstände der öffentlichen Figur auf dem privaten Dach.

Noch ist die Figur schneeweiß. Die Patina durch den Schmutz, der sich im Laufe eines Jahres in die Vertiefungen setzen wird, gibt der Athene später die nötige "Tiefe", zeichnet die reichen Details der Skulptur nach. Die Spitze des Speers wird vergoldet in der Sonne glänzen, verspricht de Werd.

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(RP/rl)