Kleve Arbeitgeber zögern mit Einstellung

Kleve · Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich eine deutliche Frühjahrsbelebung. Dennoch herrscht in der Agentur für Arbeit ein "gedämpftes Vergnügen". Unternehmen schauen sich Bewerber auf Vorrat an.

 Auf dem Ausbildungsmarkt – hier eine Szene aus der Unterweisung eines angehenden Anlagenmechanikers – macht sich bereits der doppelte Abiturjahrgang bemerkbar. Die Lehrstellenangebote reichen noch nicht aus.

Auf dem Ausbildungsmarkt – hier eine Szene aus der Unterweisung eines angehenden Anlagenmechanikers – macht sich bereits der doppelte Abiturjahrgang bemerkbar. Die Lehrstellenangebote reichen noch nicht aus.

Foto: andreas endermann

Trotz passender Personalvorschläge halten sich Arbeitgeber mit dem Abschluss von Arbeitsverträgen zurück. Das hat Dr. Peter Glück, "so noch nicht erlebt". Der Chef der Agentur für Arbeit Wesel, die für die Kreise Wesel und Kleve zuständig ist, sagte es noch einmal mit Nachdruck: "Die Arbeitgeber zögern. Sie schauen sich die Leute auf Vorrat an." Über Gründe kann er nur spekulieren. "Vielleicht geht es um Zeitarbeit, wobei die Aufträge jetzt noch nicht so ganz fix sind." Und er sprach nicht von Einzelfällen. Die Tendenz sei verstärkt spürbar.

Kleve: Arbeitgeber zögern mit Einstellung
Foto: Koster, Karin (kost)

Spürbar ist aber auch noch etwas Anderes: Trotz Kälte gab es im März eine Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Agenturbezirk gegenüber dem Vormonat um 552 auf 27 932, was einer Quote von 7,2 Prozent (minus 0,1 Punkte) entspricht. Allein im Kreis Kleve waren 243 Frauen und Männer weniger arbeitslos. Hier sank die Quote um 0,1 Punkte auf 6,7 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen lag mit 10 288 zwar um 1273 über dem Wert des Vorjahres, doch erwartet Dr. Glück — trotz aller Unwägbarkeiten — weitere Rückgänge. Dass im Kreis Wesel allein aus dem Bezug des Arbeitslosengeldes I nun 27 Fälle gestrichen werden konnten, nahm Glück als Beleg dafür, dass es sich um "eine normale saisonale Erholung" handelt. Mit "gedämpftem Vergnügen" indes werde die Konstanz bei eingehenden Stellenangeboten betrachtet.

Mit Bereichsleiter Markus Brandenbusch stellte der Agenturchef erstmals auch die Entwicklungen auf dem Lehrstellenmarkt vor, der diesmal unter anderem vom Ansturm der Gymnasiasten geprägt sein wird. "Der doppelte Abiturjahrgang ist auf dem Ausbildungsmarkt angekommen", sagte Glück. "Wir verzeichnen einen erkennbaren Anstieg von Bewerbern mit Abitur. Wir können ihnen adäquate Ausbildungsberufe anbieten, im kaufmännischen Bereich, in der Verwaltung oder der Informatik." Interessant seien die Möglichkeiten des dualen Studiums, das sich auch für Unternehmen rechne.

Betrieben empfahl Glück, jetzt zu prüfen, welche Möglichkeiten es für sie gibt, jungen und begabten Leuten weitere Ausbildungsplätze zu bieten. Die Chance sei jetzt da, "denn nächstes Jahr werden es weniger". Glück: "658 Abiturienten, 20 Prozent mehr als im Vorjahr, haben sich bei uns gemeldet und wollen nicht studieren, 348 von ihnen suchen noch einen Ausbildungsplatz in einem Betrieb." 1,5 Prozent mehr Lehrstellen als im Vorjahr fangen das Bewerberplus noch nicht auf.

(RP)
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