Kleve: Anspruch und Wirklichkeit in der Pflege

Kleve: Anspruch und Wirklichkeit in der Pflege

Rund 70 Vertreter der Pflegeunternehmen und Fachseminare trafen sich im Klever Technologiezentrum. Diskutiert wurden der absehbare Fachkräftemängel und Möglichkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte auszubilden.

Es lag eine gewisse Spannung in der Luft, als der Moderator Sascha Devigne vom Duisburger Studio 47 die Zahl von heute schon zwei Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland nannte, die bis 2020 um eine weitere Million ansteigen wird. Wer wird diese Menschen pflegen? Unter welchen Bedingungen arbeitet "Pflege" heute bereits?

Personalverantwortliche aus Pflegeunternehmen, Vertreter der Fachseminare und Fachhochschulen waren der Einladung des Kompetenzzentrums Frau und Beruf Niederrhein und des Gesundheitsnetzwerkes Niederrhein in das Technologiezentrum in Kleve gefolgt, um über den Fachkräftebedarf in der Pflege zu diskutieren.

Und dass hier viele Fragen zur Personalfindung und -bindung auf Antworten warten, war für den Vorstandsvorsitzenden des Gesundheitsnetzwerkes Niederrhein, Michael Rüscher, klar: "Auch wenn es am Niederrhein heute noch nicht ganz so schlecht aussieht, was die Fachkräftesituation anbetrifft, müssen wir jetzt die notwendigen Schritte für die Fachkräftesicherung einleiten."

Angeregte Diskussion unter Fachleuten im Technologie-Zentrum. Foto: Privat

Was Pflegeunternehmen heute schon tun, um eine gute Pflege zu gewährleisten, zeigt die Befragung von Unternehmen in der Pflegebranche des Rhein-Ruhr-Institutes für Sozialforschung und Politikberatung der Uni Duisburg-Essen, aus der Dr. Ute Pascher-Kirsch die Ergebnisse vorstellte: "Der Druck auf die Pflegeunternehmen nimmt spürbar zu, der Fachkräftemangel in der Pflege älterer Menschen wird noch deutlich steigen, aber die Pflegeunternehmen in der Region machen ganz unterschiedliche Anstrengungen, um Fachpersonal zu rekrutieren und zu halten. Das geht von A wie Autowerkstatt-Bonus bis Z für Zusatzversorgung." Dagegen zeige die Befragung an anderen Stellen aber auch, dass durchaus mehr in puncto Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. "Wenn wir am Bett stehen und pflegen, geht es uns gut. Was wir kaum noch aushalten, sind die Rahmenbedingungen, in denen wir pflegen", brachte Alexia Meyer vom Caritasverbandes Kleve die Arbeitssituation auf den Punkt. "Letztendlich geht es immer nur um das Geld. Gute Pflege kostet, aber will niemand bezahlen", sagte Pascher-Kirsch

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"Ich sehe, dass es viele Migrantinnen gibt, die diesen Beruf gerne erlernen würden und die eine fantastische Pflege leisten könnten. Wir müssen alle viel mehr in die Lobbyarbeit investieren. Es hilft nicht, dass wir ständig jammern, wie mies unser Ruf ist. Wir müssen endlich anfangen, uns selber wertzuschätzen", sagte Zeynep Babadagi-Hardt, Geschäftsführerin des Pflegeunternehmens "die pflegezentrale".

Den Ruf der Pflege aufwerten, vor allem den der Altenpflege, die hohe Qualität der Ausbildung bekannt machen und für Rahmenbedingungen sorgen, die es möglich machen, eine Ausbildung in Teilzeit oder in Modulen zu absolvieren, in den Fachseminaren und Ausbildungsbetrieben gemeinsam für familiengerechte Bedingungen sorgen. Das waren auch für die Leiterin des Xantener Fachseminars für Altenpflege, Korinna Nieleck, ganz wichtige Anliegen.

Andreas Kohlschreiber, Pflegedirektor des St. Clemens-Hospital in Geldern wies darauf hin, dass der Kreis Kleve zur Zeit noch eine Art 'Insel der Glückseligkeit' sei, was die Personalsituation angeht. Aber auch er weiß, dass es jetzt bereits dringenden Handlungsbedarf in Sachen Aus- und Weiterbildung gibt, um für die kommenden Jahre gerüstet zu sein.

(RP)
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