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Als Tierfutter und für Biogasanlagen wird viel Mais angebaut

Kreis Kleve : Mais sichert das Einkommen für 20 Jahre

Für Bernd Croonenbroek hat sich die Entscheidung, die Milchviehhaltung aufzugeben, gelohnt. Er baut Mais für Biogasanlagen an.

Bernd Croonenbroek ist ein Bauer ohne Vieh. Vor zehn Jahren nahm er seine erste Biogasanlage in Betrieb, dafür verabschiedete er sich von seinen Kühen. Ebenso wie sein Vater hatte Croonenbroek bis dahin Milchvieh gehalten, doch die Chance, mit Hilfe des Erneuerbare Energien Gesetzes ein sicheres Auskommen zu haben, lockte. Im Prinzip hat der Uedemer seine Entscheidung bis heute nicht bereut. Allerdings gilt diese Einschätzung nur für ihn persönlich und seine Lebenssituation. Denn was vor zehn oder 13 Jahren eine gute Idee war, rechnet sich heute vermutlich nicht mehr.

„Biogas“ – das ist ein schwieriges Thema. Nicht wenige Bürger regen sich auf, dass die Anlagen mit wertvollem Futtermais beschickt werden, den auch Tiere fressen könnten. Oder auf den Feldern könnte etwas anderes wachsen, damit nicht der Eindruck weiträumiger Monokulturen entsteht. Aber Bernd Croonenbroek und seine Berufskollegen können solche Argumente leicht kontern, denn Energie aus nachwachsenden Rohstoffen zu erzeugen ist politisch absolut erwünscht. Schließlich wird der Umweltschutz immer dringlicher, und irgendwoher muss der Strom ja kommen, meint Croonenbroek. „Atom wollen die Leute nicht, Kohlekraftwerke auch nicht, dabei soll Strom aber möglichst billig sein. So ganz klappt das aber nicht, Ökostrom ist für die Verbraucher auf Sicht teurer.“

 Der Nachwuchs teilt die Leidenschaft für den Mais: Carolin Croonenbroek fährt mit zur Ernte.
Der Nachwuchs teilt die Leidenschaft für den Mais: Carolin Croonenbroek fährt mit zur Ernte. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Als der Uedemer, der seinen Betrieb Am Hochwald hat, 2006 beschloss, die Milchviehwirtschaft aufzugeben, bedeutete das auf der einen Seite eine Millioneninvestition, andererseits aber war das Entgelt, das ihm für die Kilowattstunde Strom vertraglich zugesagt wurde, eine feste Größe. „Laut Erneuerbare Energien Gesetz bekommen wir eine Vergütung von 22 Cent für die Kilowattstunde und das fest für 20 Jahre.“ Nach dieser Phase gibt es nur noch 16 Cent, die man sich für noch einmal zehn Jahre sichern kann. „Aber das lohnt sich dann schon nicht mehr“, findet Cronnenbroek. Deshalb hat er sein Unternehmen so aufgestellt, dass er, wenn die Bindung ausläuft, in etwa an der Altersgrenze ist und sich zurückziehen kann. „Die Frage ist, ob mein Sohn unter den künftigen Bedingungen weitermachen will. Eigentlich interessiert sich der Kleine für die Landwirtschaft, aber mit Ackerbau alleine kann man kein Geld verdienen.“ Familie Croonenbroek hat vier Kinder, der Zwilling Maik zeigt zumindest derzeit eine große Leidenschaft fürs Treckerfahren.

 Landwirt Bernd Croonenbroek vor den Gas-Silos. Vor zehn Jahren nahm er seine erste Biogasanlage in Betrieb.
Landwirt Bernd Croonenbroek vor den Gas-Silos. Vor zehn Jahren nahm er seine erste Biogasanlage in Betrieb. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Damals, im Jahr 2006, passte es gerade gut, dass ein Nachbar einen Stall für sein Jungvieh suchte und Croonenboek seinen, den er (samt Melkroboter) erst wenige Jahre zuvor gebaut hatte, anbieten konnte. „Im Gegenzug ermöglichte mir der Kollege, auf seinem Grund eine zweite Biogasanlage zu installieren.“ Eine dritte folgte wenige Jahre später in Kalkar. Bis die ihre 20 Jahre hinter sich hat, ist der heute noch junge Familienvater in Rente. Übrigens speist er auch über großflächig montierte Solarmodule Strom ins Netz ein.

 Blick in das Herzstück der Biogasanlage.
Blick in das Herzstück der Biogasanlage. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Der Uedemer weiß, dass viele Zeitgenossen sich über die Verwertung von Mais in Biogasanlagen ärgern. „Aber das ist ja alles genau geregelt: Ich darf auf 75 Prozent meiner Ackerfläche eine Frucht anbauen, bei mir ist das auf 70 Prozent der Fläche Mais, auf den restlichen 30 Prozent wachsen Weizen und Kartoffeln.“ Die diesjährige Mais-Ernte hat Croonenbroeok gerade eingefahren und in ein Fahrsilo gekippt, von dort aus wird mittels eines Teleskopladers die Anlage gefüttert. Seine Arbeit besteht vorrangig darin, die Anlage einmal am Tag zu befüllen, den voll automatisierten Betrieb zu überprüfen, außerdem sind ja noch die übrigen Kulturen zu versorgen. „Mir kommt sehr zugute, dass ich zwei Ausbildungen habe, außer dem staatlich geprüften Landwirt bin auch noch Landmaschinenmechaniker – das passt gut zu den Biogasanlagen.“

Der Unternehmer Croonenbroek weiß zu schätzen, dass sein Biogasanlagen ihm ein festes Einkommen bescheren. „Bei Milchviehbetrieben ist das genau umgekehrt: Da stehen die Ausgaben fest, und was reinkommt, weiß man erstmal nicht.“

Nach Angaben des Fachverbands Biogas erwirtschaftete die Branche im Jahr 2017 rund 9,3 Milliarden Euro; 9300 Biogasanlagen in Deutschland produzierten demnach eine Leistung von 4,55 Gigawatt, Strom für mehr als neun Millionen Haushalte. In den ersten Jahren wurden die Anlagen vorrangig mit Gülle und Festmist beschickt, inzwischen wird vor allem Mais genutzt, aber auch Getreide oder Futterrüben. Das verbraucht viel landwirtschaftliche Fläche. Seit der Reform des Erneuerbare Energien Gesetz gibt es nur noch für kleinere Anlagen, die Gülle und Mist verarbeiten, die hohe Förderung.

Selbst Josef Peters als Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve gehört zu den Kritikern. „Der nötige Input an Energie ist schon sehr hoch. Die Anlagen wurden damals von der Politik gepusht, jetzt muss der Verbraucher den Bio-Strom teuer bezahlen.“ Auch sei der Mais pro Hektar mehr als doppelt so teuer wie noch vor etwa zehn Jahren. Wer dazu kaufen müsse, bekomme dann Probleme. Nach seinem Wissen schreibe etwa jede dritte Biogasanlage im Kreis Kleve rote Zahlen, nur ein Drittel sei effektiv.

Von „Monokultur“ will Peters zwar nicht sprechen, aber fraglos werde in der Region sehr viel Mais angebaut. „Im Kreis Kleve ist etwa ein Drittel der Ackerfläche mit Mais bestellt, davon gehen etwa 25 Prozent in die Biogasanlagen“, sagt der Uedemer Landwirt.