Kleve: Alle Realschüler werden aufgenommen

Kleve: Alle Realschüler werden aufgenommen

Hubert Wanders, Rektor der Karl-Kisters-Realschule in Kleve, wird nun Klassen mit bis zu 34 Schülern bilden. Begeistert ist er davon nicht. Doch SPD, Grüne und Offene Klever wollen die Dreizügigkeit. Online-Petition hat 542 Unterstützer.

Gute Nachrichten für die Eltern, die ihre Kinder an der Karl-Kisters-Realschule in Kleve angemeldet haben: Alle Jungen und Mädchen wurden auf der beliebten Klever Schule angenommen. Das bestätigte gestern der Schulpoltische Sprecher der Klever CDU-Fraktion, Jörg Cosar, auf Anfrage. "Damit wird es aber auch eng an der Schule", sagt der Christdemokrat. Die Konsequenz: Seine Fraktion wird auch für das kommenden Schuljahr an dieser Schulform eine vierte Eingangsklasse beantragen. "Dieses Thema ist für uns noch lange nicht beendet", sagt der CDU-Politiker.

Dass nicht die Bezirksregierung (BR) für die Zügigkeit der Schulen zuständig ist, wie die Realschul-Gegner einst ins Feld führten, bestätigte Cosar ebenfalls. Die Eltern hätten eine Beschwerde wegen zu voller Klassen an die BR eingereicht, die diese mit dem Hinweis zurückgewiesen habe, die Räte in den Kommunen seien dafür zuständig, so Cosar.

Deswegen sei die Vorfeld kolportierte Aussage, die Bezirksregierung werde einen vierten Realschulzug ablehnen, nicht richtig gewesen. Damit liegt der schwarze Peter, dass die Kinder in zu große Klassen müssen, bei den Fraktionen von SPD, Grüne und Offene Klever, die vehement gegen eine vierte Klasse argumentiert hatten. Eva-Maria Dellbeck (OK) nahm schließlich in den Medien mit einem Achselzucken die großen Klassen hin, "weil 101 angemeldete Schüler an der Karl Kisters Realschule in drei Klassen à 34, 34, 33 Schülern unterrichtet werden können und laut Ratsbeschluss zur Dreizügigkeit auch sollen", wird sie zitiert.

Auch binde eine Vierzügigkeit Lehrkräfte, die in Zeiten des Lehrermangels an anderen Schulen dringend gebraucht werden, wird die OK-Schulpolitikerin weiter zitiert. Dem hält Cosar wiederum entgegen, dass die Zahl der Lehrer nicht nach der Zügigkeit der Schule, sondern nach der Anzahl der Schüler festgelegt werde.

Auch Hubert Wanders, Rektor der Karl-Kisters-Realschule, bestätigt, dass der Unterricht im fünften Jahrgang nun in sehr großen Klassen von bis zu 34 Schülern stattfindet. Begeistert ist er davon nicht. "Das kann man nicht gut finden, nicht als Schüler, nicht als Eltern und nicht als Lehrer", sagt er. "Aber die Politik hat die Dreizügigkeit beschlossen, jetzt müssen wir damit klarkommen", betont Wanders.

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Einen Anbau für seine Schule hält er nicht für notwendig. "Wir sind die letzten beiden Jahre schon vierzügig gefahren. Das würde auch weiterhin so gehen, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern. Etwas andere wäre es, wenn wir Ganztagsschule werden würden", sagt der Schulleiter. Andere Klever Schulen hätten ein dringenderes Raumproblem.

Derweil läuft im Internet die Petition der Eltern. "Vierzügige Realschule in Kleve" weiter. Allein mit den aus Kleve stammenden 355 Unterschriften wurden bereits 46 Prozent der Stimmen für ein nötiges Quorum, das der Petition noch mehr Nachdruck verleihen würde, erreicht. Insgesamt beteiligten sich bislang 543 Menschen.

"Es geht um nicht weniger als die Zukunft unserer Kinder. Wir möchten, dass der Elternwille berücksichtigt wird bei der Schulwahl. Wir wollen uns nicht zwingen lassen, unsere Kinder zur Gesamtschule schicken zu müssen, obwohl uns diese Schulform nicht zusagt. Die Vierzügigkeit ist bei der Realschule möglich und notwendig. Beim Gymnasium klappt es schließlich auch. Bitte helft uns unsere Kinder auf die Schule schicken zu dürfen, auf der wir sie anmelden", lautet der Appell der Eltern.

Rechnet man die Kinder aus Bedburg-Hau und Kranenburg, die ebenfalls vom fehlenden vierten Realschulzug betroffen sind, hat die Petition schon fast zwei Drittel des nötigen Quorums erreicht. "Was hier mit drei Zügen gemacht werden soll, ist eine bewusste Erschwerung pädagogischer Arbeit an der Kisters-Realschule", heißt es in der Petition.

Schulleiter Wanders hat die Online-Unterschriftenliste zur Kenntnis genommen. "Das ist ein Zeichen dafür, was die Eltern wollen. Ob das Quorum erreicht wird, halte ich für zweitrangig", sagt er. Jetzt gelte es erstmal, die großen Klassen zu bewältigen.

(RP)
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