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Aktion des Künstlers Max Knippert zeigt Arbeiter von Pannier in Kleve

Aktion um alte Schuhfabrik : Hinter der Fabrikmauer

Eine Aktion des Künstlers Max Knippert zeigt Arbeiter von Pannier in Kleve: Rund um die alten Industriebauten hat er die Bilder in den Straßenraum installiert. Knippert hofft, dass die Geschichte mit den Fotos wieder wachgerüttelt wird.

Ein massiver Betonkranz krönt die schwere Backsteinmauer. Oben auf dem Beton sitzen spitze Zacken. Eng aneinander sind die Eisernen Dorne gesetzt. Heute ist der Beton bröckelig, die eisernen Spitzen sind dunkel verrostet. Und die Mauer ist auch nur noch ein Stück ihrer selbst, ein Rest. Ein Rest Fabrikmauer. Hinter diese Mauer hat der Klever Künstler Max Knippert geguckt. Unter dem Kranz auf der dunklen Mauer hängen zwei große Fototafeln, knapp ein Meter mal 70 Zentimeter groß: Sie zeigen Frauen und Männer bei der Arbeit. Ernsthaft wirken sie in ihren grauen Kitteln.

Knippert erinnert so in einer wunderbar ins Quartier inszenierten Aktionen an die Menschen, die hinter der Mauer mit dem Betonkranz und den Zacken arbeiten mussten, die Arbeiter von Pannier, die dort bis 1971 Kinderschuhe produzierten. Fritz Pannier gehört zu den Pionieren, die Schuhe für Kinder erfanden. Zusammen mit seinem Schwager Gustav Hoffmann baute er ab 1896 die spätere Elefanten-Schuh auf. Doch die beiden Pioniere trennten sich gut zehn Jahre später. Panniers Schuhe hießen dann Storch. Hoffmann startete schließlich mit Elefanten-Schuh durch, obwohl auch Pannier zeitweise bis 150 Arbeiter beschäftigte.

Wahrscheinlich zum 50. Firmenjubiläum mitten im Krieg lichtete der Klever Fotograf Lachenwitz die Arbeiter der Fabrik für ein Album ab, so Knippert. Irgendwann bekam der Künstler, der ein Atelier in den alten Fabrikhallen hat, das Album in seinen Besitz und entwickelte seine Aktion. Die widmete er hauptsächlich nur den Schüsterkes, den Arbeitern von Pannier. Im „Pannier-Viertel“, wie Knippert die Blocks rund um die ehemalige Fabrik nennt, setzte er ihnen ein Denkmal.

Ausgangspunkt ist das alte Pförtnerhaus der Fabrik an der Ecke Ackerstraße/ Brahmstraße. Hinter den großen Fenstern der Pförtnerloge präsentiert Knippert eine der alten Maschinen der Schuhfabrik und Fotos. Von hier führt ein Parcours rund durch das Viertel, über die Beethoven-, Brahms, Hadyn- und Mozartsraße und über den Mittelweg. Vorbei an alten Arbeiterhäusern, an der Aula der Beuys-Gesamtschule.

Und überall auf diesem Weg wird man von den Bildern der Arbeiter aus der Fabrik konfrontiert, manchmal überraschend wie auf der Giebelwand der Aula oder zurückliegend an der alten Fabrikmauer, manchmal logisch wie beim Durchgang der ehemaligen, vorbildlich sanierten Arbeitersiedlung zwischen Mozart- und Brahmsstraße.

20 Fotos aus dem Album hat Knippert zusammen mit dem Klever Fotografen Markus van Offern reproduziert und auf Dibond-Platten wetterfest aufziehen lassen. Er sprach mit den Hauseigentümern der Stadt, überall dort, wo er die Bilder andübeln musste. Die Bilder zeigen den Ablauf der Produktion eines Schuhs vom Zuschnitt bis zur Verladung in den Transporter, der sie in die Geschäfte brachte, vom Nähen der Sohle bis zu den Ziernähten. „ich habe mich vor allem auf die Arbeiter konzentriert“, sagt der Künstler

Die Fotos, die Norbert Leenders Knippert zur Verfügung gestellt hat, stammen aus dem Jubiläumsjahr noch vor der Bombardierung Kleves, so Knippert. Man begegnet ihnen zufällig oder sucht sie bewusst anhand eines von Esther Mols gestalteten Fylers, auf den die Strecke aufgezeichnet ist und der Geschichte der Fabrik skizziert. Die gibt’s in den Hallen der alten Pannier-Fabrik, in die neben Knippert und van Offern auch das Theater im Fluss seine Räume hat.

Gefördert wird die Ausstellung durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW.

Knippert hofft, dass die Geschichte zunächst einmal mit den Fotos wieder wachgerüttelt wird, dass es Erinnerungen der noch lebenden Zeitzeugen gibt, dass er vielleicht mehr aufschreiben kann, als bis jetzt bekannt ist, sagt er.