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Kleve: Akrobaten am Opschlag

Kleve : Akrobaten am Opschlag

Der umgestaltete Platz am Spoyufer in Kleve wird seit einiger Zeit auf ungewöhnliche Art genutzt. Eine Gruppe Jugendlicher hat den Ort als ideales Trainingsgelände für ihren Sport entdeckt.

Andre Schemaitat nimmt Anlauf, stemmt seine Arme auf die Mauer, drückt sich mit ganzer Kraft ab, dreht seinen Körper kunstvoll in der Luft und landet sicher auf beiden Beinen. Parallel dazu balancieren einige auf dem Geländer über dem Spoykanal, andere überwinden mit erstaunlichen Sprüngen mehrere Hürden gleichzeitig. Auf der als "Klinkerwüste" bekannten Fläche vor der Klever Innenstadt wird eine Sportart betrieben.

Parkour heißt die Sportart, bei der es darum geht, eine selbst gewählte Route durch geschickte Überwindung der Hindernisse so schnell und effizient wie möglich zu absolvieren. Eine wachsende Gruppe von fünf bis zehn Personen trainiert regelmäßig am Opschlag in Kleve. Andre Schemaitat fing vor anderthalb Jahren damit an.

Eine wesentliche Komponente beim Parkour sei die Beachtung der Körpersignale. "Parkour funktioniert Schritt für Schritt, man muss sich an die steigenden Belastungen gewöhnen. Da hat jeder sein eigenes Tempo", sagt der 21-jährige Student. Die notwendige Selbstkontrolle und Geduld helfe auch im Alltag, "wenn es darum geht, vernünftige Lösungen für Probleme zu finden", so Robin Trinkl, der mit seiner Erfahrung den Anfängern nützliche Tipps gibt. Zum Beispiel, dass die Überwindung einer größeren Herausforderung nur gelingt, wenn die "Barrieren im Kopf verschwinden". Erst dann sollte die Umsetzung des Ziels in Angriff genommen werden, um leichtsinnige Verletzungen zu vermeiden.

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Der Opschlag bietet den Sportlern enorme Vorteile, da alle wesentlichen Disziplinen trainiert werden können. Balance- und Kraftübungen, Sprünge und Koordination lassen sich an den Mauern, Geländern und Treppen gut üben. "Es ist, als ob der Platz für uns gebaut wurde", sagt Robin Trinkl. Die Gruppe belebt sichtbar den sonst recht verlassen wirkenden Platz an der Spoy. Immer wieder kommen Passanten vorbei, bleiben eine Weile stehen und erkundigen sich, was dort betrieben wird.

Mehr als gemütliche Kleidung und Joggingschuhe benötigt man nicht, um die ersten Schritte als "Traceur", so nennen sich die Parkour-Sportler, zu machen. Einsteiger bekommen vor Ort Ratschläge und individuelle Hilfestellungen von den versierten Traceuren. Es handelt sich bei der Gruppe nicht um einen eingetragenen Verein. Die Sportler organisieren sich komplett selbstständig. Mindesten ein Mal pro Woche treffen sich die Parkour-Begeisterten am Opschlag.

Wer allerdings denkt, die spektakulären Bewegungen seien eine Männerdomäne, der irrt: Knapp die Hälfte der Gruppe besteht aus Frauen.

(RP/rl)