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Kreis Kleve: Airport auf Dauer-Suche nach Partnern

Kreis Kleve : Airport auf Dauer-Suche nach Partnern

Sich neben Ryanair zu behaupten, trauen sich nur wenige Fluggesellschaften zu. Außerdem fehlt den Reiseveranstaltern seit Einführung der Ticketsteuer die niederländische Kundschaft. Alltours schließt Rückkehr nach Weeze nicht aus.

Während die Freunde des Flughafens Weeze nervös auf die Nachricht warten, ob Ryanair den Flugplan am Niederrhein weiter zusammenstreicht, geht die Suche von Marketing-Chef Holger Terhorst nach neuen Partnern weiter. Den immer wieder geäußerten Vorwurf, der Airport setze komplett auf Ryanair und mache sich erpressbar, wollen er und Flughafenchef Ludger van Bebber nicht gelten lassen: Sie bemühen sich stetig um weitere Veranstalter oder Airlines. In diesen Tagen knüpfte und vertiefte Terhorst zu diesem Zweck Kontakte auf der Utrechter "Vakantiebeurs", einer wichtigen Reisemesse.

Wie die Weezer Airport-Verantwortlichen schon früher erklärten, ist das starke Ryanair-Engagement in Weeze sowohl Grund für die schnelle Entwicklung des Flughafens, als auch eine Belastung. Denn innerhalb Europas decken die Iren so viele Verbindungen ab, dass für andere Gesellschaften nicht viele weiße Flecken auf der Landkarte bleiben. Und Ryanair preislich zu attackieren, trauen sich offenbar nur wenige zu. Die Fluggesellschaft Wizzair etwa hatte sich nach wenigen Jahren am Niederrhein wieder verabschiedet.

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Warum ist es so schwierig, Airlines oder Veranstalter für Weeze zu interessieren? Mathias Brandes, Pressesprecher im Hause Thomas Cook, bestätigt, dass Weeze für das Unternehmen kein Thema ist. "Unser Engagement muss grundsätzlich profitabel sein, wir müssen damit Geld verdienen. Und dazu sehen wir uns sehr genau die Einzugsgebiete und das jeweilige Umfeld an, betrachten die Zielgruppen, die Einkommenssituation der Bevölkerung und das Reiseverhalten der Menschen. Über all das gibt die Marktforschung zuverlässig Auskunft. Kleinere Flughäfen wie etwa Weeze erfüllen unsere Erwartungen in diesen Punkten nicht."

Brandes spricht nicht nur für Thomas Cook, unter dem Dach des Unternehmens sind auch bekannte Veranstalter wie Neckermann, Bucher oder Öger-Tours angesiedelt. Und alle beleuchten ihre potenziellen Partner nach ähnlichen Gesichtspunkten. "Wir haben ja auch Erfahrungswerte, aus welchen Regionen unsere Kunden kommen. Und da ist Düsseldorf für uns eben viel ergiebiger als Weeze."

Diesen Schluss hat nach einer Testphase am Niederrhein offenbar auch Mitbewerber alltours gezogen. Das Unternehmen, das vor 40 Jahren in Kleve gegründet wurde und in Duisburg zu einem der größten deutschen Reiseveranstalter avancierte, zieht demnächst nach Düsseldorf um — nicht etwa nach Kleve, in die Heimat von Firmenchef Willi Verhuven. Pressesprecher Stefan Suska im Gespräch mit der RP: "Mit uns sind bis 2012 sehr viele Niederländer ab Weeze geflogen. Durch die Ticketsteuer ist der deutsche Grenzflughafen für sie unattraktiver geworden. Rund um Düsseldorf ist das Potenzial auch ohne die Niederländer groß genug, und wir können dank Vollcharter günstigere Preise bieten." Suska lobt den Airport Weeze als tollen Flughafen mit professionell arbeitendem Team. "Wir haben erfolgreiche Jahre in Weeze erlebt. Ich schließe deshalb auch nicht aus, dass wir mittel- oder sogar kurzfristig zurückkehren. Wenn die Nachfrage sehr stark ist, kann es jederzeit passieren, dass wir auch noch mitten in der Saison Abflüge ab Weeze anbieten." Über das Thema Luftverkehrsabgabe wird sicherlich auch gesprochen, wenn am kommenden Dienstag Klaus-Peter Siegloch, Ex- Frontmann des Heute-Journals und Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, den Airport Weeze besucht.

(RP)