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Ärzteaktion: Dr. Müller vom Leisner-Klinikum informiert zum Thema Reflux

Medizin : Sodbrennen – und jetzt?

Sodbrennen oder saures Aufstoßen kann die Lebensqualität empfindlich stören. Über den Reflux informierte in der RP-Sprechstunde Frank P. Müller, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums.

Der Umgang mit dem Thema ist sehr unterschiedlich; mancher schluckt klaglos jahrelang Magensäureblocker, andere sehen ihre Lebensqualität so sehr eingeschränkt, dass sie unbedingt etwas ändern wollen an dem Syndrom, das der Mediziner „Reflux“ nennt. Es handelt sich um den Rückfluss von Speisebrei aus dem Magen in die Speiseröhre, weil der Schließmechanismus der Speiseröhre, die den Rachen mit dem Magen verbindet,  gestört ist. Die Patienten haben häufig Husten, ohne erkältet zu sein, ein Fremdkörpergefühl im Hals und das berüchtigte „saure Aufstoßen“, das in der Nacht als „stilles Erbrechen“ daherkommt.  Einer, der sich mit den Diagnoseverfahren und der Behandlung bestens auskennt, ist Dr. Frank P. Müller, Chefarzt für Allgemein und Viszeralchirurgie am Karl-Leisner-Klinikum. Insbesondere ist Dr. Müller, der seit 2019 vorwiegend in Goch und Kevelaer operiert, anerkannter Spezialist für Hernienchirurgie, was auch den Reflux einbezieht.

Was der Mediziner in der Telefonsprechstunde der Rheinischen Post mehrfach hörte: Viele Menschen sind überrascht, in der Nachbarschaft Ärzte zu haben, die genau das bieten, was sie brauchen: die Differentialdiagnose mit entsprechenden Verfahren, Geräten und die operative Kompetenz. Denn, wie es ein älterer Herr formulierte: „Es ist mir lieber, wenn ich nicht weit weg muss für die OP.“ So geht’s den meisten Menschen.

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Mancher erduldet die Quälerei jahrelang, belastet womöglich noch die Partnerschaft – denn es ist nicht schön, bei Tisch Aufstoßen zu haben, nachts zu würgen und zu spucken. Deshalb rät der Experte, das Problem nicht auf sich beruhen zu lassen. „Eine Weile kann man sich vielleicht helfen mit frei verkäuflichen Säurehemmern, doch wenn die Symptome häufiger auftreten und anhalten, muss eine qualifizierte Behandlung her.“ Nicht selten nutzen auch die vom Arzt verschriebenen Mittel nach einer Weile nicht mehr gut, und dann wird es meist eine Operation sein, die die Ursache beheben kann.

 Chefarzt Frank P. Müller war am Redaktionstelefon für die Fragen der RP-Leser da.
Chefarzt Frank P. Müller war am Redaktionstelefon für die Fragen der RP-Leser da. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Ein 62-jähriger Mann aus Kleve beschrieb, es fühle sich an wie ein Krümel im Hals, der ihn jeden Morgen zum Husten bringt. Viele Fachärzte habe er schon aufgesucht, eine Magenspiegelung hinter sich und einiges zum Thema gelesen. Die Frage, ob er schon auf dem Kopf stehend geröntgt worden sei, verblüfft ihn, aber genau diese Untersuchung kann Aufschluss geben, erzählt Dr. Müller. Wenn der Speisebrei dann zurückfließt, kann der Arzt wichtige Erkenntnisse gewinnen. Der Zustand der Speiseröhrenmuskulatur wird etwa bei der Manometrie mittels Katheter gemessen, üblich ist auch eine Spiegelung mittels CT. Wenn festgestellt wird, dass nur eine OP Besserung verspricht, wird es häufig ein minimalinvasiver Eingriff sein, bei dem der Patienten nur wenige Tage im Krankenhaus bleiben muss. „99 Prozent der Betroffenen geht es schon am Folgetag der OP viel besser“, weiß der erfahrene Operateur.

Die Frauen, die anriefen, taten dies überwiegend für ihre Männer, denn der Reflux betrifft Männer deutlich häufiger. „Ungesunde Ernährung, Übergewicht und Alkohol spielen bei der Entstehung eine große Rolle“, weiß Müller. Und eine Abneigung, zum Arzt zu gehen oder sich gar invasiv behandeln zu lassen, komme häufig hinzu. Bei einem 65-Jährigen aus Bedburg-Hau war das Leiden hörbar; „ziemlich gebeutelt“ sei er, berichtete er, und esse  gar nicht mehr gerne mit der Familie zusammen, weil er sich selbst unappetitlich fühle. „Spätestens, wenn die Lebensqualität stark eingeschränkt ist, gibt es keine Alternative zur Behandlung mehr“, sagt der Chefarzt, zumal jahrelange Säureeinwirkung auf die Schleimhaut im Rachen auch chronische Entzündungen bis hin zur Tumorentstehung begünstigen kann. Es ist beim Reflux wie bei vielen anderen Funktionsstörungen des Körpers. „Wenn ein Symptom neu auftritt und nicht mehr verschwindet, ist das ein Alarmzeichen und man sollte zum Arzt, in diesem Fall zum Gastroenterologen gehen“, rät Dr. Müller. Rund 65 Mal im Jahr operiert er einen Reflux; Hernien, Gallenblasen- oder Dickdarmresektionen sind viel häufiger. Es werde ja nur operiert, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft seien.