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Adoptionsvermittlung im Kreis Kleve: „Wir haben eine besondere Arbeit“

Adoptionsvermittlung im Kreis Kleve : „Wir haben eine besondere Arbeit“

Lea Kaus und Eva Nursai arbeiten als Adoptivvermittlerinnen. Sie helfen Paaren, ein Kind zu adoptieren, beraten leibliche Mütter bei der Freigabe – und suchen nach den Wurzeln von Adoptivkindern.

Adoptieren ist für viele oft der letzte Ausweg. Gibt es keine andere Möglichkeit mehr, ein Kind zu bekommen, entscheiden sich viele Paare für eine Adoption. Und wenn sie das machen, kommen im Kreis Kleve eventuell Lea Kaus und Eva Nursai ins Spiel. Die beiden Frauen arbeiten als Adoptionsvermittlerinnen beim Sozialdienst katholischer Frauen in Kleve. Seit 1977 ist das SkF eine anerkannte Adoptionsvermittlungsstelle. Neben dem SkF gibt es noch die Vermittlungsstelle des Kreises.

Kauss und Nursai beraten also Paare, die sich mit einem Kinderwunsch an sie wenden, geben Tipps, veranstalten Infoabende, betreuen die möglichen Eltern – und begleiten sie bei ihrer Suche nach dem Kind. Dafür machen sie Hausbesuche, und erstellen ein Elternprofil. Das könne einige Zeit dauern, sagt Eva Nursai. „Es gibt auch Paare, die in vielen Jahren kein Kind adoptieren“, so die 34-Jährige. Nicht, weil sie prinzipiell keine Voraussetzungen dafür erfüllten, sondern weil alle Kinder und alle Paare besondere Bedürfnisse und Erwartungen hätten – und die nicht immer zueinander passen würden. „Wir suchen Eltern für ein Kind und nicht ein Kind für Eltern“, sagt Nursai.

Dabei ist die Adoptionsvermittlung nicht die Hauptarbeit von Nursai und Kaus. Nur ein bis drei Kinder vermitteln sie im Jahr. „Eigentlich ist die reine Vermittlungsarbeit die geringste Arbeit“, sagt Lea Kaus. Aber da hänge viel mit dran. Die Gespräche, die Vorbereitung, auch die Betreuung. „Wir haben eine besondere Arbeit“, sagt Kaus.

Lea Kaus und Eva Nursai vor den Räumen des Sozialdienstes katholischer Frauen in Kleve. Foto: Eirik Sedlmair

Aber, auf den ersten Blick, eine Arbeit, die immer weniger gefragt ist. Während es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2000 über 6300 Adoptionen gab, waren es 2019 knapp 3700. Auch das SkF merkt das.

Eva Nursai arbeitet dort seit acht Jahren, gefühlt seien die Adoptionen zurückgegangen. Warum das so ist, könne sie nicht gesichert sagen, aber es könnte mit den medizinischen Möglichkeiten, der Reproduktionsmedizin zusammenhängen. Damit, dass es inzwischen mehrere Möglichkeiten für Paare gibt, sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Doch obwohl das so ist, suchen immer noch mehr Paare nach einem Adoptivkind, als Kinder zur Adoption freigegeben werden. Für viele Eltern heißt es also warten, oft sogar für immer.

Doch Kaus und Nursai betreuen nicht nur Paare mit Kinderwunsch. Auch Mütter, die ihr Kind zur Adoption freigeben wollen, können sich an das SkF wenden. Und werden von den beiden Frauen beraten, bis zum Zeitpunkt der Adoption und darüber hinaus. Was für Kaus und Nursai wichtig ist: Oft würden Mütter, die ihr Kind abgeben, als „Rabenmütter“ abgestempelt. Für Kaus und Nursai ist das nicht der Fall – im Gegenteil. „Für mich sind das ganz starke Frauen“, sagt Lea Kaus. „Frauen, die eine eigenständige, nicht einfache Entscheidung getroffen haben. Und uns vertrauen. Ich habe eine sehr positive Einstellung zu den leiblichen Müttern“, so die 27-Jährige weiter. Und natürlich sind die leiblichen Eltern immer mit dabei, haben Mitspracherecht bei der Auswahl der Adoptiveltern.

Ist das Kind dann bei seinen Adoptiveltern, ist die Arbeit noch nicht vorbei, auch nicht für Kaus und Nursai. Sie bleiben weiter involviert, und beraten Eltern und Kind. Vor allem für die Adoptiveltern sei es wichtig, dem Kind so früh wie möglich beizubringen, dass es adoptiert ist. „Die Aufklärung beginnt am Wickeltisch“, sagt Nursai. Dass Kinder nichts von ihrer Adoption erfahren, dürfe nicht passieren.

Die Vermittlung ist nicht die einzige Arbeit, die Kaus und Nursai in Zusammenhang mit Adoptionen machen. Sie betreiben auch die „Wurzelsuche“. Helfen Adoptivkindern, ihre leiblichen Eltern zu finden oder andersherum. „Das ist viel Recherchearbeit“, sagt Nursai. Die sich lohnt. Es sei immer schön, wenn man dazu beitragen könne, dass sich die leiblichen Eltern und das Kind zum ersten Mal sehen. Und auch bei der Wurzelsuche ist, neben der Recherche, Vorbereitung alles. Die Eltern und die Kinder müssen vorbeireitet werden,  Erwartungen abgeklopft werden. Dabei könne man sich die Zusammenkunft selten so vorstellen, wie man es aus dem Fernsehen kennt, sagt Nursai. „Das geschieht nicht so unkontrolliert. Trotzdem ist es etwas ganz Besonderes.“