Adler in Kleve: Stadt braucht zwei Jahre für Antrag

Obelisk im Amphitheater Kleve: Der lange Flug des Klever Adlers

Im Mai 2016 ließ Bürgermeisterin Northing den Adler auf dem Obelisken abnehmen. Erst jetzt, mehr als zwei Jahre später, liegt der Bezirksregierung der Antrag der Stadt Kleve vor. Die CDU findet den Zeitraum „sehr befremdlich“.

Der nach Ende des 30-jährigen Krieges von Moritz von Nassau-Siegen angelegte Barockpark in Kleve ist ein Aushängeschild der Stadt und hebt Kleve im Vergleich zu anderen Städten seiner Größe heraus. Man sollte meinen, die Stadt würde dieses Kleinod, das „nach einer Umgestaltung auf der Grundlage der Planungen von Maximilian Friedrich Weyhe (...) darüber hinaus ein wichtiges Beispiel für die Geschichte der Gartenkunst im Deutschland des 19. Jahrhunderts“ ist, so die Bezirksregierung in Düsseldorf als Denkmalbehörde, besonders im Auge haben. Vor allem, wenn die Politik die nötigen Mittel willig bereitstellt.

Doch gefehlt: Im Mai 2016 ließ Bürgermeisterin Sonja Northing den Adler, der den Obelisken in der 2014 unter Denkmalschutz gestellten Anlage „Neuer Tiergarten“ krönte, abnehmen. Im September 2016 wurde die Bezirksregierung (BR) als zuständige Denkmalbehörde informiert. Erst jetzt, seit Dienstag, liegt ein 33-seitiger Antrag von der Stadt Kleve für die denkmalrechtliche Erlaubnis zur Sanierung bei der Bezirksregierung vor.

„Es ist befremdlich, dass man über zwei Jahre für einen Antrag braucht, um ein so wichtiges Denkmal in Ordnung zu bringen“, sagt CDU-Fraktionschef Wolfgang Gebing. Eigentlich hätte im Fall des Adlers die Bürgermeisterin als zuständige Dezernentin für Kultur ein besonderes Auge auf den Vorgang haben müssen. „Die Politik ist ja erst eingestiegen, als es überhaupt nicht mehr voran ging“, sagt Gebing. Ihm sei es darum gegangen, das Erscheinungsbild der Parkanlage zu wahren. Dabei wird die Klever Politik vom Urteil der Bezirksregierung bestätigt: „Im Besonderen sind vor allem das Amphitheater und der auf der Anhöhe des Springenberges bekrönend wirkende Adler auf dem Obelisken bestimmend für das Erscheinungsbild des Neuen Tiergartens“, schreibt sie. Nur, dass seit mehr als zwei Jahren das bestimmende Schluss-Stück, der Adler, fehlt. Dabei war das Wappentier von Beginn an auf diesen vom Preußenkönig abgesegneten Obelisken, der den damals schon verrotteten und abmontierten „kupfernen Knopf“ oben über dem Amphitheater ersetzte. Von diesem aus dem Siebenjährigen Krieg stammenden Landschaftsmal blieb allein der Name.

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Der von der Stadt gestellte Antrag werde nun in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland geprüft, sagt Silke Schirmer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bezirksregierung. Schließlich handele es sich um eine Parkanlage des 17. Jahrhunderts, die durch ihre Konzeption für die Geschichte der europäischen Gartenkunst von überragender Bedeutung sei. „In der europäischen Geschichte finden sich nur selten Beispiele für eine derart umfassende Gestaltung einer Landschaft im Sinne einer arkadischen Ideallandschaft“, sagt Schirmer.

„Mit Datum vom 25. Juli wurde ein förmlicher Antrag auf denkmalrechtliche Erlaubnis bei der Bezirksregierung als zuständige Untere Denkmalbehörde gestellt“, bestätigt Stadtsprecherin Katrin Berns. Somit liege nun der Bezirksregierung die Restaurierung des Adlers zur Freigabe vor, so Berns. Des weiteren sei eine Abstimmung mit dem LVR-Amt für Denkmalpflege notwendig, die die Bezirksregierung koordiniere. Vorab habe das Gebäudemanagement der Stadt Kleve mit der Bezirksregierung zahlreiche Abstimmungsgespräche geführt. „Die Suche nach geeigneten Restauratoren, die den Adler nicht gänzlich erneuern, sondern restaurieren, gestaltete sich jedoch nicht einfach und hat daher länger gedauert, als erwartet“, sagt Berns. Sobald die Erlaubnis vorliege, könne die Vergabe der Arbeiten erfolgen. Eine Montage des restaurierten Adlers könnte vielleicht im November 2018 sein.

Der Adler sei nur ein Beispiel aus der langen Liste von Dingen, die in der Northing-Verwaltung nicht voran kommen, sagt Gebing. „Es ist symptomatisch, wie langsam alles in dieser Verwaltung geht“, bemängelt Gebing. Wie die beschlossene Vergrößerung des Parks Wallgrabenzone: „Das ist vergleichsweise einfach umzusetzen und es gibt einen entsprechenden Ratsbeschluss. Aber auch hier ist bis jetzt nichts passiert“. Anderes Beispiel: Bei den Schulen exerziere der Kreis der Stadt wieder vor, wie man zügig und zielgerichtet einen modernen Schulbau für das Berufskolleg schaffe. Dieser Neubau sei wohl eher fertig, als die schon so lange diskutierten Klever Schulen, so Jörg Cosar (CDU).

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