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Kleve/Goch: Abi 2013: Das machen die Ehemaligen

Kleve/Goch : Abi 2013: Das machen die Ehemaligen

Für die einstigen Abiturienten beginnt der "Ernst des Lebens". Der doppelte Jahrgang macht es für sie nicht einfacher. Manche haben einen Studienplatz, andere eine Ausbildung und wieder andere erkunden die Welt. Vier Geschichten.

Janina van Straelen wollte weg, "einfach mal abhauen", das große Abenteuer suchen — und hoffentlich finden. Die ehemalige Schülerin aus Kevelaer erzählt von Arbeiten auf Plantagen, Farmen, in Restaurants, aber auch vom Schnorcheln im Great Barrier Reef. Antworten auf die Fragen, was später aus einem werden soll, für welche Lebensaufgaben man eigentlich bestimmt ist oder ob das, was man tut, das Richtige ist, gibt einem niemand. Lebenserfahrung kommt nur durch Leben.

 Hannah Gertsen (19) hat die NC-Hürde der Universität überwunden und studiert Umweltingenieurwissenschaften.
Hannah Gertsen (19) hat die NC-Hürde der Universität überwunden und studiert Umweltingenieurwissenschaften. Foto: Stade, Klaus-Dieter (kds)

Janina sieht das ähnlich: Im Juli hat sie ihr Abitur am Gymnasium Goch gemacht. Ende August reist sie nun für neun Monate für work & travel nach Australien — die Welt kennenlernen. Vielleicht auch, weil sie nicht genau wusste, was sie machen möchte? "Nein", sagt die 20-Jährige, "eine konkrete Richtung gibt es schon." Ein duales Studium in Düsseldorf, am liebsten auch mit dem Schwerpunkt auf Reisen und Tourismus. Aber erst einmal Pause. Es sei auch ein Stück weit Selbstfindung, sagt sie. Den Horizont erweitern, "und mal raus". Wie sie sich ein erfülltes Leben vorstellt? "Eine glückliche Familie und Glück im Job. Ich muss jetzt nicht in Reichtum baden", sagt sie.

Für Fabian Franzen (19) aus Bedburg-Hau ist die Flexibilität wichtig. Zu wissen, wo die eigenen Wurzeln sind, bedeutet ihm dennoch viel. "Ich möchte schon im Hinterkopf behalten, dass ich aus Kleve komme", sagt er. Deshalb bleibt er nach seinem Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium auch zu Hause wohnen. Im September beginnt Fabian sein duales Studium bei der Landespolizei. Er schätzt den "sicheren Job", den Beamtenstatus und die Aufstiegschancen. Doch auch die Möglichkeiten, mal hier und mal dort eingesetzt zu werden. Er wird nach Duisburg oder Gelsenkirchen kommen. Die gut eine Stunde Fahrt macht ihm nichts. "Wenn ich zu Hause bleibe, freut sich sicher auch mein kleiner Bruder", sagt Fabian. Er möchte Werte vertreten. Dafür zu sorgen, dass das Leben in geordneten Strängen verläuft, hat ihn zur Polizei geführt. 6000 Bewerber hatten sich bei der Polizei beworben, 1400 wurden genommen. In vielen Studiengängen gab es zum Einstieg ins Studium einen Numerus clausus (NC). Jeder zweite Studiengang an NRW-Hochschulen ist zum beginnenden Wintersemester 2013/14 mit einem NC belegt. Mittlerweile haben sogar Exotenfächer wie Altamerikanistik oder Tibetologie einen NC. Viele Universitäten wissen sich nicht anders zu helfen, als mit teilweise realitätsfernen Notenbeschränkungen eine Auswahl über ihre Bewerber zu treffen. NC-Vergaben sind billiger und einfacher als eigene Auswahlprüfungen und -gespräche. Zum Vergleich: Der Universität Duisburg-Essen liegen für 7300 Studienplätze 140 000 Bewerbungen vor.

Hannah Gertsen (19) aus Kellen hat die NC-Hürde überwunden. Nach ihrem Abitur am Konrad-Adenauer-Gymnasium Kleve studiert sie ab Oktober in Aachen Umweltingenieurswissenschaften. Der Grund liegt auf der Hand: "Ich möchte etwas für die Umwelt tun." Kurze Pause. "Und gleichzeitig viel Geld verdienen", sagt Hannah und lacht. Aber im Ernst, etwas Gutes zu tun, sei für sie von Bedeutung. Vom doppelten Abiturjahrgang habe sie allerdings nicht so viel mitbekommen. "Bei meinen Freunden war es viel schlimmer", sagt sie. Viele hätten nicht ihr Wunschstudium oder ihren Wunschort bekommen.

Studieren wollte Maren Beem (18) aus Materborn eigentlich auch. Grundschullehramt sollte es sein. Doch der Ansturm war so groß, dass der NC ungefähr bei 1,3 bis 1,4 lag. Werte, die vor wenigen Jahren noch mit einem Medizinstudium verbunden wurden. Maren bewarb sich nach ihrem Abitur am "Stein" deshalb in Uedem als Industriekauffrau und wurde genommen. Seit dem 1. August arbeitet sie bei ihrer neuen Stelle. Eine Art zweite Wahl sei die Arbeit für sie allerdings nicht. "Ich mag die verschiedenen Stationen, und Spaß habe ich dabei auch", sagt Maren. Ohnehin sei es schön, Spaß bei der Arbeit zu haben. "Ich könnte nicht morgens aufstehen, um zu einer Arbeit zu gehen, die ich nicht mag." Doch auch sie gibt zu: "Ein bisschen verdienen sollte man schon." Vielleicht möchte sie nach ihrer Ausbildung auch wieder studieren.

(RP)