Silvester 2013 Menschen Des Jahres: 55 Jahre Küster und keinen Tag bereut

Silvester 2013 Menschen Des Jahres : 55 Jahre Küster und keinen Tag bereut

Der 82-jährige Hermann Lamers steht immer noch in der Pfarrkirche St. Martinus Mehr für den Dienst zur Verfügung. Er hat viele Geistliche kommen und gehen sehen. Schon weit über 100 Jahre ist die Aufgabe an den Namen Lamers gebunden.

"Ich habe keinen Tag in meinem Dienst als Küster bereut", sagt Hermann Lamers aus Mehr, der vor 55 Jahren seinen Dienst antrat und bis heute als Vertretung der Küsterin Maria van Lier immer noch zur Verfügung steht. In seinen Küsterjahren hat der 82-Jährige viele Geistliche kommen und gehen sehen.

Heute trifft er bei seinen Vertretungen in der Sakristei meist den Pfarrer für die drei Kirchen in Nütterden, Frasselt und Mehr, den aus Indien stammenden Pastor Dr. Joseph Kallunkamakal. Wenn Hermann Lamers einen liturgischen Dienst versieht, trägt er Rock und Rochett. Schon weit über 100 Jahre ist der Küsterdienst in Mehr an den Namen Lamers gebunden. Von Augustin Wibbelt weiß man, dass mit ihm als neuen Pastor 1906 auch ein neuer Küster, nämlich Lambert Lamers, kam. Er war der älteste Sohn von Johann Lamers, der bis dahin Küster war und in dem Haus an der Kirche wohnte, in dem zuletzt Familie Rabe gewohnt hat.

Pastor Wibbelt baute für seinen jungen Küster bald die Küsterei, das Haus, in dem heute Familie Pfaffenbach wohnt. Als Lambert Lamers krank und gebrechlich wurde, folgte Hermann Lamers als Küster. Zuvor hatte Hermann schon einige Monate den alten Küster beim Heizen der Kirche unterstützt. Dann folgten weitere Aufgaben, wie den Altar herrichten und das Läuten. Am 1. Oktober 1958 übernahm Hermann Lamers den Küsterdienst ganz für St. Martinus Mehr.

Hermann und Sefi heirateten am 7. Oktober 1958 und wohnten bis 1966 in der Küsterei. Von dem wenigen Geld, das man damals hatte, kaufte er als erstes ein Radio für den eigenen Hausstand, um genaue Uhrzeiten für die Kirchturmuhr und das Läuten zu haben. Täglich wurde von Hand morgens, mittags und abends geläutet. Diese Tätigkeiten standen fest im Tagesablauf des Küsters, neben seiner Arbeit bei Bauer Bienen-Scholt. Am Samstagabend läutete man in Mehr mit zwei Glocken den Sonntag ein, dann half Sefi mit. Pastor Trappe sorgte dafür, dass 1966 ein elektrisches Geläut eingebaut wurde, nachdem Hermann und Sefi den Hof am Zelmer Weg übernommen hatten. Schwer waren früher die Wintermonate. Obwohl der Küster die Koksheizung immer wieder "stochte", blieb die Kirche kalt. Der Priester stand oft mit Handschuhen ohne Fingerkuppen am Altar. Warmes Wasser für die Messe brachte Hermann von zu Hause mit, in der Frühe auf dem Kohlenherd erhitzt.

Sonntags ging es um sechs Uhr zur Kirche, um halb sieben war die Kommunionausteilung für die, die zum Hochamt kamen, in dem wegen des strengen Nüchternheitsgebots keine Kommunion mehr ausgeteilt wurde. Anschließend war Beichtgelegenheit bis etwa viertel nach sieben. Dann saß der Pastor mit einer dicken Decke über den Knien im kalten Beichtstuhl. Um halb acht folgte die Frühmesse und um halb zehn das Hochamt, nachmittags um halb drei die sonntägliche Andacht. Ostern hielt man in Mehr das 40-stündige Gebet, beginnend nach dem Osterhochamt am ersten Ostertag mit Gebetszeiten für die verschiedenen Gruppen an allen Tagen bis zur feierlichen Komplet am Osterdienstag um 18 Uhr. Zu den ehrenamtlichen Aufgaben von Hermann Lamers gehören bis heute das weihnachtliche Ausschmücken der Mehrer Kirche und das Aufstellen der Krippe.

(RP)