40.000 Erstwähler bei EU-Wahl im Kreis Kleve

Europawahl : Weil Europa den Klevern wichtig ist

Wenn die Wahllokale am Sonntag um acht Uhr öffnen, haben 227.216 Bürger im Kreis Kleve die Chance, die Zusammensetzung des künftigen Europäischen Parlaments mitzubestimmen. Hoffnung auf gute Wahlbeteiligung.

Zumindest bis zur nächsten Kommunalwahl sind die etablierten Parteien im Klever Stadtrat noch unter sich. Deshalb fiel es ihnen nicht schwer, kurz vor der Europawahl eine gemeinsame Pressemitteilung los zu schicken, in der sie dazu aufrufen, doch bitte an der Wahl zum Europäischen Parlament teilzunehmen. Sie sei die wichtigste seit Gründung der Europäischen Union, meinen sie und verweisen auf Themen wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Frieden. Und auf das „Grundklima“, das das Miteinander innerhalb der Gesellschaft betreffe.

Nicht nur die 40.000 Neuwähler ab 18 Jahren in Kleve, sondern kreisweit 227.216 Männer und Frauen (sowie Diverse...) sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Laut Klever Kreisverwaltung hat sich damit seit der letzten Abfrage im Jahr 2014 die Anzahl der Wahlberechtigten leicht erhöht, genau gesagt um 132. Zum ersten Mal dürfen 6,4 Prozent dieser Bürger an die Urnen gehen, das sind 14.613 junge Leute. Prozentual die meisten Jungwähler leben übrigens in Kranenburg (7,22 Prozent), die wenigsten in Rheurdt (5,1 Prozent). Alle Parteien haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten und in Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Engagement im Vorfeld für Europa geworben. Auch im Kreis Kleve war Prominenz unterwegs, zuletzt noch Martin Schulz, der frühere Präsident des EU-Parlaments, der einer Einladung seiner SPD nach Geldern folgte. Der Spitzenkandidat der Grünen, Sven Giegold, war in Kleve, CDU-Anhänger mussten bis Düsseldorf fahren, wenn sie Manfred Weber erleben wollten. Der Spitzenkandidat der CDU, selbst CSU-Mann, ist ja sogar die Nummer 1 der europäischen Volkspartei. Seine deutsche Gegenspielerin von der SPD, Katarina Barley, war immerhin in Wesel zu sehen.

Aber der Niederrhein hat ja auch eigene Kandidaten. Nicht von allen Parteien, aber von denen, die sich als die „großen Volkparteien“ sehen, auch wenn weder CDU noch SPD in jüngerer Vergangenheit so abschnitten, wie sie das aus früheren Jahrzehnten kannten. Der niederrheinische Bewerber der CDU, Stefan Berger (49) aus Schwalmtal im Kreis Viersen, hat sich in seiner Heimat ordentlich ins Zeug gelegt und mit Unternehmern, Landwirten und Verbänden gesprochen, bis ziemlich viele Bürger einen Eindruck von ihm bekommen hatten. Europa stärker machen, um nicht den Anschluss an die USA oder China zu verlieren – das ist ihm besonders wichtig. Berger hat auf der NRW-Liste seiner Partei die Position 6, das könnte am Sonntag reichen.

Aus Kleve kommt der SPD-Kandidat Hasan Alkas, Professor an der Klever Hochschule. Der 50-jährige Ökonom mit türkischen Wurzeln hält Europa noch immer für ein Zukunftsprojekt, möchte dabei mitwirken, den Kontinent zu einem Zuhause mit vielen Chancen vor allem für junge Menschen zu machen. Technologie, Digitalisierung, Wohlstandssicherung sind Schlagworte, die er gerne im Munde führt. Sein Listenplatz 44 dürfte dafür sorgen, dass Hasan Alkas seinen Studenten treu bleibt. Wobei er Reservekandidat für einen Bewerber eines vorderen Platzes ist, sollte der mal ausführen, wäre Nachrücken möglich.

Wie werden sie wählen, die Menschen zwischen Emmerich im Norden und Wachtendonk im Süden? Jeder Wahlberechtigte hat nur eine Stimme, die er hinter die Liste seiner bevorzugten Partei setzt. Den Namen von Stefan Berger wird er dort sehen, den von Hasan Alkas wegen seines deutlich schlechteren Listenplatzes nicht. Die nächsten auf dem Stimmzettel sind Grüne (Spitzenpositionen Ska Keller und Sven Giegold), AfD (Jörg Meuthen) und Linke (Schirdewan / Demirel), erst darunter finden FDP-Anhänger ihre Rubrik, um Nicola Beer zu unterstützen. Bei der vergangenen Europawahl 2014 gaben die Wähler im Kreis Kleve die meisten der CDU ihre Stimme. 45,7 Prozent unterstützten die Christdemokraten, 27,8 Prozent die SPD, 8,7 Prozent erzielten die Grünen, 4,7 Prozent die FDP, 4,6 Prozent die AfD, die damals erstmals zur Wahl stand. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,5 Prozent.

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