22. Poetry Slam im Radhaus: Alex Paul gewinnt

Poetry Slam im Radhaus: Sechs Minuten jedes Wort wert

Zum 22. Mal fand der Radhaus-Slam statt. Alex Paul aus Paderborn entschied den Dichterwettstreit am Ende knapp für sich.

Die Lampen gehen aus, die Scheinwerfer auf der Bühne an. Das Publikum wird still, während das Moderatorenduett die Bühne betritt. Die Vorfreude ist spürbar, mit der nun alle sieben Poeten auf die Bühne gerufen werden. Und schon bald erfüllt der Klang von wohlgeformten Wortwitz den Saal im Radhaus. Zum 22. Mal hat am Sonntagabend der Radhaus-Slam in Kleve stattgefunden. Eigentlich war ein Open-Air-Veranstaltung geplant, doch wegen des kühlen Wetters fand der moderne Dichterwettstreit doch drinnen im Radhaussaal statt. Sieben Poeten aus Nordrhein-Westfalen, die man auch Slammer nennt, haben ihre Texte dem Klever Publikum aus knapp 140 Besuchern präsentiert.

Dabei galten gemäß des Konzepts Poetry Slam ein paar grundlegende Regeln: Der Text muss natürlich selbstgeschrieben sein. Die Slammer haben jeweils sechs Minuten Zeit, um das Publikum von ihrem Text zu überzeugen. Sie dürfen keine Utensilien oder Requisiten verwenden, lediglich ihren Text in analoger oder digitaler Form. Es ist erlaubt, wenige gesungene Liedzeilen in den Text einzubauen, allerdings sollte der Gesang nicht übermäßig im Vordergrund stehen. Die wichtigste Regel „Respect the poet“ gilt dem Publikum. Sie weist daraufhin, dass jeder Text und sein Literat seine Würdigung verdient hat und sich das Publikum dementsprechend respektvoll zu verhalten hat.

Die Bewertung der Auftritte liegt beim Publikum. Am Anfang wurden fünf Punktetafeln mit der Wertung von eins bis zehn an Freiwillige verteilt.

Eine der Jury-Tafeln ging an Katharina Rouenhoff und Richard Schweinfordt aus Kleve. Die beiden waren das dritte Mal beim Klever Radhaus-Slam dabei. „Poetry Slams sind sehr unterhaltsam, deshalb gehen wir gerne an einem Sonntagabend hierhin“, sagt der 29-Jährige. „Vor allem die lustigen Texte sind natürlich toll“, meint Katharina Rouenhoff (25), „aber auch die ernsteren gefallen mir wirklich, wenn ich mich vom Thema angesprochen fühle. Der Wortwitz macht es aus, der Tonfall muss passen.“

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In der ersten Runde traten alle sieben Slammer hintereinander auf. Nach einer 15-minütigen Pause durften die besten vier Poeten der Vorrunde ihren zweiten Text präsentieren. Dieses Mal waren es sogar fünf, da Punktegleichstand herrschte. Aus der zweiten Runde kristallisierten sich wiederum die beiden besten Slammer heraus, die im Finale ihren dritten Text vortragen durften. Diesmal entschied allerdings nicht die Punktevergabe der Jury, sondern beide Slammer präsentierten unmittelbar hintereinander ihre Texte. Schließlich entschied der kräftigere Applaus für den Gewinner, Alex Paul aus Paderborn, der sich gegen Michel Pauwels durchsetzte. Er überzeugte das Publikum im Finale mit einem humoristischen Text über die Angst vor der Zukunft, die wir nicht zu haben brauchen. In seinem Abschlusswort, das stets beim Gewinner liegt, dankte er den Moderatoren, Luigi Aiello und Sven Hensel, denen der größte Applaus gebührte.

Seit fünfeinhalb Jahren findet der Klever Radhaus-Slam statt. In den Jahren 2009 bis 2013 veranstaltete die Volkshochschule einmal im Jahr eigene Slams und Workshops.

Luigi Aiello nahm 2012 an einem solchen Workshop teil, der von den in der Szene bekannten Slammern Sebastian23 und Wolf Hogekamp geleitet wurde. Er war begeistert, erkannte in sich selbst allerdings nicht den wahren Slammer. Daraufhin organisierte er den ersten Radhaus-Slam am 13. Januar 2013 und übernahm die Moderation. Er ist das Gesicht des Radhaus-Slams, viele Poeten nehmen den weiten Weg bis Kleve aufgrund ihrer freundschaftlichen Beziehung zu Aiello auf sich. Auch der Co-Moderator Sven Hensel aus Bochum steht gerne an Aiellos Seite. „Das Publikum in Kleve ist einfach unvergleichlich, deshalb treten die Poeten hier besonders gerne auf“, sagt Sven Hensel, der selbst leidenschaftlicher Slammer ist. Die beiden verspüren kein Lampenfieber mehr vor dem Auftritt, dafür sind sie ebenso wie die Profislammer schon viel zu sehr an die Aufregung gewöhnt. „Das Lampenfieber geht ganz schnell weg, die Vorfreude spüre ich aber vor jedem Auftritt“, sagt Luigi Aiello und freut sich schon auf den kommenden Radhaus-Slam am 14. Oktober.

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