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Kalkar: 15-Jährige wüten in Kalkar

Kalkar : 15-Jährige wüten in Kalkar

Mehr als 100 zerkratzte Fahrzeuge, eingeschlagene Fensterscheiben, empörte Bürger – dies ist die Bilanz eines Streifzugs von drei Jugendlichen durch Kalkar. Die Spur der Zerstörung zieht sich quer durch die Innenstadt.

Mehr als 100 zerkratzte Fahrzeuge, eingeschlagene Fensterscheiben, empörte Bürger — dies ist die Bilanz eines Streifzugs von drei Jugendlichen durch Kalkar. Die Spur der Zerstörung zieht sich quer durch die Innenstadt.

Der Samstagabend war eigentlich noch jung, als er für drei 15-Jährige aus Kalkar und Goch völlig aus dem Ruder lief. Betäubt von einer Mischung aus Wut, Marihuana und Alkohol zogen die Jugendlichen von einer privaten Party los, um Stress abzubauen.

Das Ergebnis: 103 Fahrzeuge brauchen eine neue Lackierung. In der gleichen Tatnacht wurden zudem an einer Hauptschule, einem Kindergarten und zwei Wohnhäusern Fensterscheiben beschädigt.

Ein ungleich kleinerer Vorfall vor einer Woche hatte die Ermittler auf die Spur der Täter gebracht. Ihnen droht nun ein Verfahren wegen Sachbeschädigung sowie eine erhebliche finanzielle Belastung für ihre Familien.

Mehr als 100 000 Euro Schaden

Erste Schätzungen der Polizei beziffern den Schaden auf mehr als 100 000 Euro. Das gesamte Ausmaß wird erst die Begutachtung aller Fahrzeuge durch Sachverständige zeigen.

Dass es sich um mehrere, möglicherweise jugendliche Täter handeln könnte, war bereits gestern Morgen der Ermittlungsansatz. Zwar lässt sich die auf Motorhauben, Heckklappen und Kotflügeln hinterlassene Botschaft "ACAB" auch einem politischen Motiv zuordnen.

"Doch wir wissen aus Erfahrung, das dies in den seltensten Fällen zutrifft", sagte Polizeisprecher Manfred Jacobi bei der Tatortbegehung. Der Schriftzug "ACAB" stammt aus Großbritannien, meint "all cops are bastards" und stempelt übersetzt Polizisten unisono zu Bastarden. Eine Verbindung zum Hintergrund der jugendlichen Täter gibt es jedoch nicht. "Sie haben uns gegenüber Frust als Motiv angegeben", sagte Jacobi.

Offenbar gab es bei der Party Streit. Ein 15-jähriges Mädchen aus Kalkar verließ mit einem gleichaltrigen Jungen aus Kalkar die Gruppe und ließ ihrer Wut freien Lauf. "Beide haben in einer Art ersten Welle rund 70 Fahrzeuge demoliert", berichtete Jacobi.

Danach kehrte das Duo auf die Party zurück, um später in anderer Besetzung weiter zu wüten. "Dieses Mal hatte das 15-jährige Mädchen eine Gleichaltrige aus Goch dabei — sie zerkratzten gemeinsam die restlichen 33 Fahrzeuge", sagte Jacobi. Bereits eine Woche zuvor waren die 15-Jährige und der Junge aus Kalkar der Polizei aufgefallen — damals ging es um eine zerstörte Mülltonne.

Für die Betroffenen bleibt trotz des schnellen Erfolgs der Ermittler erst einmal nur Frust. "Den Schaden kann ich nicht beziffern — billig wird das bestimmt nicht", sagte Susanne Remy gestern beim Blick auf ihre Motorhaube.

Dirk Euwens ist gleich doppelt betroffen — sein Privat- und der Firmenwagen zeigen tiefe Spuren der nächtlichen Zerstörung. Ob das Trio auch für die Fensterschäden an zwei Wohnhäusern und dem Kindergarten Eulenspiegel verantwortlich ist, werden die weiteren Vernehmungen zeigen. Die Zerstörung des Fensters an der Hauptschule Am Bollwerk gestanden die Jugendlichen gestern

Hier geht es zur Bilderstrecke: Zerstörungswut in Kalkar: Bilder vom Tatort

(RP/jul)