Kleve: 106 Meter hoch feiern: Aussichtsturm gerettet

Kleve: 106 Meter hoch feiern: Aussichtsturm gerettet

Eine Gruppe um Kulturmanager Bruno Schmitz hat das Lokal am Aussichtsturm übernommen. Nach Umbau Eröffnung Sommer 2013.

1896 lud die Restauration am historischen Aussichtsturm auf den höchsten Punkt des unteren Niederrheins auf 106 Meter über Null ein: "Lecker Essen. Feine Weine. Frische Biere". Davon ist nichts geblieben: Zwei Jahre lang verfiel die in den 1950er Jahren rund um den alten Backsteinturm errichtete Gaststätte, einst Treffpunkt nicht nur für die Bewohner der nahen Königsallee, sondern vor allem im Sommer beliebtes Ausflugsziel mit richtigem Biergarten: unter Linden hinter schmiedeeisernem Geländer mit Blick in den Wald und auf die Stadt.

Jetzt soll die gammelnde Tristesse auf Kleves höchstem Berg zu Ende sein, soll das Ausflugsziel wieder belebt werden. In nichtöffentlicher Sitzung stimmten der Klever Rat dem Verkauf an eine Gruppe um den Klever Kulturmanager Bruno Schmitz zu. Zusammen mit Mechtild Janßen, Barbara Jacobs sowie Jürgen Rother will Schmitz die Restauration "Zum Aussichtturm" genau unter diesem Namen aufpolieren und mit Leben erfüllen.

Am 1\. Dezember soll es eine Rohbau-Fete geben: zum 120\. Geburtstag des Turms. "Die Feier steht ganz der Jahreszeit entsprechend unter dem Motto: Zieht Euch warm an!", sagt Schmitz. "Wir werden Anfang Dezember den Bau entkernt haben und jeder kann sehen, wie sich der Ort entwickeln wird. Zur Feier werden wir schon den Rohbauzustand erreicht haben", sagt Jürgen Rother. Der dunkle, wenig einladende Wirtsraum soll sich radikal verändern. Man soll ebenso 'raus wie 'rein schauen können. Die Sonne soll quer durch den Raum scheinen.

"Wir werden die Fenster in Richtung Königsallee bis auf den Boden herausbrechen, so dass wir dem Sonnenverlauf folgen", erklärt der Planer. Die Küche und die Nebenräume werden in den Nord-Teil verlegt. Der Innenraum soll gemütlich eingerichtet werden. Den Verlauf der Arbeiten wollen Schmitz und die anderen im Internet dokumentieren. Zügig sollen die mit der Stadt und dem Denkmalschutz abgesprochenen Pläne als Bauantrag eingereicht werden.

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Der denkmalgeschützte Turm bleibt im Eigentum der Stadt und wird von der Stadt saniert. Die Außenanlagen sollen verbessert werden. Schmitz hofft, auch die Außengastronomie beleben zu können. Wirtschaftlich seien die Investoren nicht vom Betrieb der Gaststätte abhängig, betonen sie.

"Wir haben als Bürger gesagt: Da muss etwas passieren, was Sinn macht. Nach guten Verhandlungen mit der Stadt haben wir jetzt den Zuschlag bekommen", sagt Schmitz. Sorgfältig und ohne Hast wollen sie die Inhalte für den Betrieb planen. Eines steht fest: Man wird den Aussichtsturm für geschlossene Gesellschaften mieten, hier auch selbst kochen können. "Es könnten auch Tanz oder Gesangsabende stattfinden. Von Tango bis Doppelkopf", sagt Mechtild Janßen. "Wir haben viele Ideen und die Klever bestimmt auch. Ob man gesellig zusammensitzt oder an diesen Aktionen teilnimmt — alles ist möglich."

Wie lange und an welchen Tagen geöffnet wird, steht aber noch nicht fest. "Ein Restaurant im klassischen Sinn planen wir nicht", sagt Schmitz. Es soll ein gemütlicher, ausgefallener Ort werden. "Kleve hat Wasser und Berge — das ist das Besondere. Auf Augenhöhe mit der Schwanenburg setzen wir einen Kontrapunkt oben auf dem Klever Berg zu den vielen zu erwartenden Aktionen unten am Wasser", sagt Schmitz.

Man wolle zum Bier oder zum Wein aber auch köstliche Kleinigkeiten bieten, betont Barbara Jacobs. Die Ökotrophologin vom Klever Bioladen steht hier für entsprechende Qualität. Schließlich soll es im Frühsommer 2013 oben auf dem Klever Berg wieder heißen: "Lecker Essen. Feine Weine. Frische Biere"...

(RP/rl)
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