Kleve: 100 Jahre knabbern mit XOX

Kleve: 100 Jahre knabbern mit XOX

Im Jahr 1908 wurde die Klever Keksfabrik XOX gegründet. Nach einer Irrfahrt mit Ideen, für die die Zeit nicht reif war – XOX verkaufte Nachos, bevor es dafür einen Markt gab – ist die Firma heute von Hameln aus auf Erfolgskurs.

Der Name „XOX“ entstand aus dem Firmenlogo der ehemaligen Keksfabrik: zwei Windmühlenflügel mit einem Getreidekorn in der Mitte. 1908, vor inzwischen 100 Jahren, wurde XOX in Kleve gegründet. Vor dem Zweiten Weltkrieg soll das Unternehmen am größten gewesen sein. Wenn der Wind richtig gestanden habe, sei die ganze Stadt vom Duft frischer Backwaren erfüllt gewesen, erzählen sich ältere Klever noch heute.

Im Jubiläumsjahr 2008 steht XOX mit 75 Mitarbeitern und einem erwarteten Umsatz von 25 Millionen Euro so gut da wie lange nicht mehr. Das Unternehmen ist dabei, die Supermärkte Deutschlands und Europas mit Keksen und Salzgebäck zu erobern – inzwischen aber vom Standort in Hameln aus, denn XOX ist schon lange nicht mehr in Kleve ansässig.

Mit der Firmengeschichte und ihren Irrungen, Wirrungen und Ideen, für die die Zeit noch nicht Reif war, befasst sich der Artikel von Helmuth Klausing in der Hannoverschen-Allgemeinen-Zeitung: „100 Jahre alt – immer noch knusprig“. 1977 wurde XOX an den US-Konzern Nabisco verkauft. Der schloss das Werk in Kleve, und XOX wurde nach Celle zum Kekshersteller Trüller verlegt, der ebenfalls von Nabisco gekauft worden war. Wenige Jahre später kam es zum Weiterverkauf an Intersnack (Funny-frisch). Dort brachte XOX Tacos und Nachos auf den Markt, die damals allerdings kaum jemand wollte.

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Die Firma wurde 1989 an Vogeley verkauft, einen Hamelner Hersteller von Fertiggerichten für Großküchen. Die Produktion kam zum Stillstand. 1997 wollte Edmund Besecke, der damals für Vogeley tätig war, XOX an Hans Imhoff (Stollwerck, Sprengel, Sarotti) verkaufen. Der hielt die Firma jedoch für wertlos. Imhoff habe diese Einschätzung später als seinen größten Fehler bezeichnet, sagt Besecke. Denn kurzentschlossen griff der Hamelner selbst zu. Seit dem 1. Februar 1998 ist Besecke XOX-Besitzer. „Das war eine Firma ohne Geschäft – keine Mitarbeiter, kein Umsatz, keine Produktion, gar nichts“, sagt er. Aber es gab einen Markennamen, der vor jetzt 100 Jahren von Kleve aus seinen Anfang nahm, und viele geschützte Produktnamen. Daraus ließ sich was machen.

Heute laufen die Geschäfte gut. Etwa 35 Prozent der XOX-Waren kommen unter fremdem Namen bei Aldi, Lidl und anderen Geschäften in die Regale. Beseke rechnet mit einem jährlichen Umsatzwachstum im „hohen zweistelligen Prozentbereich“. 25 Arbeitsplätze könnten noch dazu kommen, meint er.

(RP)
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