Kevelaer: "Zweitzeugen" halten Erinnerung wach

Kevelaer: "Zweitzeugen" halten Erinnerung wach

Aus dem Erlös der Frauenfilmnacht des Unternehmerinnen Forum Niederrhein fließt Geld in das Holocaust-Projekt an der Gesamtschule Kevelaer-Weeze. Auch die Aktion Pro Humanität erhält eine Spende.

Was haben eine Frauenfilmnacht und der gute Zweck gemeinsam? Barbara Baratie, Geschäftsführerin vom Unternehmerinnen Forum Niederrhein, fällt die Erklärung leicht. Bei der Frauenfilmnacht waren 400 Frauen dabei, die nicht nur Spaß hatten und inspirierende Filme geschaut haben, sondern auch an andere gedacht haben und Geld spendeten. 4700 Euro sind so zusammengekommen. Mit je 1000 Euro werden zwei Schulprojekte gefördert. "Im Kreis Kleve sind wir schnell fündig geworden", sagt Baratie. Das Geld geht an die Gesamtschule Kevelaer-Weeze und soll das Projekt "Zweitzeugen" an die Schule bringen. Der Verein Heimatsucher hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kontakt zu Holocaust-Überlebenden aufzunehmen und deren Lebensgeschichte stellvertretend für diese Personen an Schulen weiterzutragen. Daher der Name "Zweitzeugen". "Es ist gegen das Vergessen und ein deutliches Zeichen gegen Rassismus", erklärt Baratie. Tatsache sei nun einmal, dass die Holocaust-Überlebenden aus Altersgründen irgendwann nicht mehr von ihren Erlebnissen erzählen können. Das Projekt des Vereins Heimatsucher ist übrigens mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Sonderpreis der Bundeskanzlerin. "Gerade heute, in einer Zeit, in der es Parteien gibt, die solche Taten verharmlosen, müssen wir als Schule dagegenhalten", sagt Michael Cuypers, Schulleiter der Gesamtschule Kevelaer-Weeze. An seiner Schule hat sich ein Team aus Lehrern zusammengefunden, das sich Gedanken macht, wie man den Schülern das Projekt "Zweitzeugen" am besten nahe bringen kann. "Denn wir haben es mit 15-jährigen Schülern zu tun, da ist das Thema Holocaust zunächst weit weg", sagt Cuypers. "Schüler können sich Zahlen wie Millionen Tote nur schwer vorstellen", sagt Tristan Tiedtke von der Fachschaft Gesellschaftslehre. Umso wichtiger seien persönliche Berichte, in denen die Schüler in das Erleben mit hinein genommen werden. "Die Schüler sollen für ihr zukünftiges Leben lernen, gegen Unrecht aufzustehen. Da helfen persönliche Schicksale, die durch Personen vorgestellt werden sollen", lautet seine Überzeugung. Wie die Umsetzung aussehen kann, da stehen den Lehrern alle Türen offen. Ob man gleich eine ganze Jahrgangsstufe mitnimmt, in Kleingruppen arbeitet, eine Ausstellung dazu organisiert oder eine literarische Lesung, alles ist möglich. "Sie haben viel Spielraum. Wir sind gespannt, was sie daraus machen", sagt Baratie. In Wesel wird ebenfalls eine Schule unterstützt, um das Projekt "Zweitzeugen" durchzuführen.

Die restlichen 2700 Euro gehen an Dr. Elke Kleuren-Schryvers und die Stiftung Aktion Pro Humanität. Mit dem Geld sollen Frauen in ländlichen Regionen des Niger Mikrokredite erhalten. Davon können die Frauen Saatgut oder Tiere kaufen. Dr. Kleuren-Schryvers erzählt sehr eindrücklich von ihrem letzten Besuch des vom Hunger gezeichneten Landes. "Stundenlang fahren sie durch Staub und Sand, plötzlich taucht ein Hektar quietschgrüne Fläche auf", beschreibt sie ihr Erleben. Angebaut wird auf den Flächen zum Beispiel Mais oder Hirse, alles was für die Ernährung essenziell ist. Dr. Kleuren-Schryvers erzählt, welche Last es zunächst für die Frauen ist, wenn sie mit dem Wenigen, was sie haben, noch ein Tier füttern, das sie aber später mit Gewinn verkaufen können. Es sei ein Projekt mit Perspektive, betont sie. "Schön ist, das Frauen von Frauen profitieren können", sagt sie in Richtung Unternehmerinnen Forum. Bereits in den vergangenen Jahre wurde die Stiftung Aktion Pro Humanität unterstützt, mehr als 10.000 Euro flossen insgesamt von der Filmnacht in die Projekte von Dr. Kleuren-Schryvers. "Wir aktivieren die Selbsthilfe der Frauen. Hilfe zur Selbsthilfe, das passt zum Unternehmerinnenforum", sagt Geschäftsführerin Baratie. Und dafür lohnt es sich, einen guten Film zu gucken.

(RP)