Zwei Flüchtlinge aus Kevelaer erzählen, wie schwierig es mit dem Familienachzug ist

Schicksale in Kevelaer : Mohamad und Maeof bangen um ihre Familien in Syrien

Zwei Geflüchtete berichten wie schwer es ist, dass die Familie nach Deutschland nachkommt. Schlimm sei auch die Ungewissheit.

Angekommen, aber nicht vollständig, so könnte man die Situation von Mohamad und Maeof zusammenfassen. Beide flohen vor dem Krieg in Syrien. Maeof arbeitet nun als Koch im Restaurant „Zum Einhorn“, Mohamad ist Schweißer in Wachtendonk. Beide betonen wie dankbar sie für ihr jetziges Leben in Deutschland sind. Aber dieses Leben würden sie gerne mit den Menschen teilen, die sie lieben. „Unsere Situation braucht man gar nicht zu beschreiben. Es reicht schon, wenn man sagt, dass wir unsere Familien vier Jahre lang nicht gesehen haben“, schildert Mohamad eindrucksvoll. Er und Maeof sind 2015 aus Syrien geflohen und leben seitdem in Kevelaer. Mohamed ist 40 Jahre alt und kommt aus Damaskus, Maeof stammt aus Al-Rakka und ist 46 Jahre. Beide sind Familienväter, und haben Angehörige die noch in Syrien leben. Im Falle Maeofs ist das seine Frau, sein 13-jähriger Sohn und seine sieben Jahre alte Tochter. Auch Mohamed lebt getrennt von seiner Frau, seinem elf Jahre alten Sohn und zwei Töchtern im Alter von fünf und neun Jahren. „Meine jüngste Tochter kennt mich gar nicht. Wenn man ihr ein Bild von meinem Bruder und mir zeigt, fragt sie: ,Wer ist Papa?’“, erzählt Mohamed. Auch sein Bruder ist nach Deutschland geflohen und lebt nun im Saarland. Im Gegensatz zu Mohamed und Maeof durfte er schon sehr schnell seine Familie nach Deutschland holen. „Das System ist für uns nicht durchschaubar oder nachvollziehbar“, sagt Gudrun Blumenkemper vom Caritasverband Geldern-Kevelaer. Die Beraterin der Flüchtlingshilfe versucht seit langem, die beiden in ihrem Bemühen, ihre Familien nachzuholen, zu unterstützen. Durch verschiedene Instanzen mussten sie gehen. Erfolg hatten die beiden bisher nicht. Dabei sollte das bei dem subsidiären Schutz, den die beiden erhalten haben, eigentlich möglich sein. „Nach deutschem Recht dürfen Maeof und Mohamed ihre Familie nachholen“, bekräftigt auch Caritas-Sprecher Tobias Kleinebrahm. Ein Kontingent von 1000 Personen pro Monat gilt für Familiennachzug bei Flüchtlingen mit subsidiärem Schutz. Die Kriterien für die Entscheidung, wer seine Familien nachholen darf, werden aus Sicht von Maeof und Mohamad nicht verständlich angewendet. „Wir haben alles gemacht. Wir haben die Sprache gelernt, wir arbeiten, wir haben keine Straftat begangen“, berichtet Maeof. Da ist auch viel Dankbarkeit inmitten der Traurigkeit. „Wir werden nie vergessen was Deutschland für uns getan hat“, sagt Mohamad. Dennoch schmerzt die Trennung von der Familie. Hinzu kommt die Sorge. Teilweise hören sie Wochen oder Monaten nichts von den Angehörigen. „In jedem Moment hat man Sorge oder sogar Angst.“ Mohamad weiß nicht, wann er seine Familie wiedersieht: „Vielleicht noch zwei oder drei Jahre, aber niemand weiß es genau.“

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