Kevelaer: Zum Jubiläum wird auf Mücken geschossen

Kevelaer : Zum Jubiläum wird auf Mücken geschossen

Die St.-Petrus-Bruderschaft Wetten besteht seit 375 Jahren. Am Samstag starten die Feierlichkeiten - auch mit Preisschießen für alle.

Es soll eine riesige schwarze Wolke gewesen sein, die seinerzeit in Wetten gesichtet wurde. Die Wolke hüllte den ganzen Kirchturm ein. "Es brennt", dachten die Einwohner und riefen die Feuerwehr. Die konnte schließlich aber wieder abrücken. Bei der schwarzen Wolke handelte es sich nicht um Qualm, sondern um einen riesigen Mückenschwarm.

Auch Willi Selders und Bruno Stenkamp von der St.-Petrus-Bruderschaft müssen schmunzeln, wenn sie diese Wettener Anekdote aus dem 18. oder 19. Jahrhundert erzählen. Eine Geschichte, die dazu führte, dass die Knoase, die Mücke eben, zu einer Art Wappentier des Dorfes wurde. Daher wird es zum Jubiläum der St.-Petrus-Bruderschaft auch ein ganz besonders Schießen geben: Am Samstag, 28. April, findet ab 19 Uhr das Knoase-Schießen statt. Der Name sagt es: Geschossen wird auf eine Mücke. Teilnehmen darf jeder und soll damit Lust auf die Jubiläumsfeierlichkeiten bekommen.

Begangen werden 375 Jahre, obwohl das genaue Alter der Bruderschaft nicht feststeht. An der verloren gegangenen Königskette befand sich eine Plakette, die die Jahreszahl 1610 getragen haben soll. Diese Zahl war jedoch nicht genau zu lesen. Daher gilt als Gründungsjahr 1643, da die Schützen im Jahr 1893 das 250-jährige Bestehen feierten.

Foto: Evers Gottfried

Interessant ist es, in den alten Aufzeichnungen zu blättern. Dort ist zu lesen, dass die Bruderschaft schon immer in ganz enger Verbindung zum kirchlichen Leben stand. So mussten die Mitglieder neben dem Beitrag an die Bruderschaft auch ein Pfund Wachs für die Kirche geben. Auch als Strafe war ein Wachsopfer an die Kirche fällig.

Diese Strafe ist auch ganz genau aufgeführt im Gildenbrief, den Wilhelm Adrian Marquis von und zu Hoensbroech am 27. Juni 1722 an die Bruderschaft aushändigte. Unter Artikel 8 ist in dem Gildenbrief beispielsweise zu lesen, dass jeder, der bei einer Versammlung "Krakael macht", Schlägereien anzettelt, flucht oder schwört an die Gilde eine Vierteltonne Stüverbier zahlen muss - und an die Kirche ein Pfund Wachs.

1732 erhielt die Bruderschaft ein Brustschild mit Königsvogel. Das Königssilber ging allerdings im Zweiten Weltkrieg verloren. Mit Hilfe von alten Aufzeichnungen konnte 1949 eine neue Königskette angefertigt werden.

Heute hat die Bruderschaft 128 Mitglieder, zu denen ab 2014 auch Frauen gehören. 2016 regierte mit Dagmar Schrievers erstmals eine Königin in Wetten. "Offenheit ist uns sehr wichtig", sagt Präsident Willi Selders, jeder sei bei den Schützen willkommen, die auch außerhalb der Schützenfestsaison einiges im Ort auf die Beine stellen. Tradition hat beispielsweise das Schmücken des Tannenbaumes durch die Wettener Kinder am ersten Adventssonntag, jeden Freitag im Monat ist zudem Spiele- und Klönabend, und seit zwei Jahren betreut die Bruderschaft auch den Fronleichnams-Altar auf dem Markt.

Fest zum Brauchtum gehört eine laut der St.-Petrus-Schützen einmalige Tradition. Jeder neue Regent bekommt eine Gesteckpfeife, die er sich nach dem Festumzug genüsslich anstecken darf. Jede Majestät bewahrt diese Pfeife anschließend sorgsam auf. Auch Willi Selders hat so ein gutes Stücke noch, denn auch er hat einmal in Wetten regiert.

Und Pfeife passt ja auch irgendwie wieder ins Bild des Knoase-Dorfes. Schließlich soll der Qualm von Pfeifen ja Mücken vertreiben können.

(zel)
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