Kevelaer: Wüstenrallye für die gute Sache

Kevelaer : Wüstenrallye für die gute Sache

Michael und Claudia Ingendae haben einen alten Mercedes für einen guten Zweck versteigern lassen. Sie brachten das Auto selbst zum Zielort und fuhren 5500 Kilometer bis Mauretanien. Sie durchlebten 30 Tage Abenteuer.

Ungewöhnlich still sei es gewesen, als sie mit ihrem Auto zum Einkaufen in den nächsten Ort fuhren, sagt Claudia Ingendae. Kein lautes Rappeln oder Scheppern. Das waren ihr Mann so gewöhnt seit ihrem letzten Urlaub. Wenn man von Urlaub sprechen kann. Claudia und Michael Ingendae legten 5500 Kilometer mit dem Auto zurück, ein Teil durch recht unwegsames Gelände durch die Wüste. Kein Wunder also, dass es ordentlich rappelte im Wageninneren. Die Reise endete in Mauretanien. Dort ließen sie den Mercedes, mit dem sie unterwegs waren, für den guten Zweck versteigern. "Das Gesamtziel war, dass das Kinderheim einen Haufen Geld bekommt", nennt der Achterhoeker den Grund für ihre ungewöhnlich lange Autofahrt. Dust and Diesel heißt das Hilfsprojekt, das von der Rallye Paris-Dakar inspiriert wurde. Das Auto erzielte 900 Euro in der Versteigerung. "In Deutschland hätten wir für das Auto mehr gekriegt", sagt Michael Ingendae. Aber gut, das Achterhoeker Auto war 20 Jahre alt und hat über eine halbe Millionen Kilometer runter. Die 900 Euro bekommen Claudia und Michael Ingendae von Judith und Mario Schelbergen zurück und die wiederum eine Spendenquittung.

Aber bevor das Hilfsprojekt erfolgreich abgewickelt werden konnte, musste erst einmal der Start klappen. Die Abfahrt von Achterhoek war zunächst eine Zitterpartie gewesen. Der 29 Jahre alte Mercedes machte schlapp, fuhr nur bis in den Nachbarort Kapellen. "Der Dieselfilter war verstopft", erklärt Michael Ingendae. Das Problem wurde gelöst, die Fahrt angetreten und danach lief es rund. "Ich habe vollstes Vertrauen in meinen Mann, der ist Automechaniker. Wenn der startet, kommen wir auch an", sagt seine Frau. "Keine Panne, kein Knöllchen und wir haben uns nicht im Wüstensand festgefahren", ergänzt die Achterhoekerin. Nicht alle Mitfahrer hatten so viel Glück. "Wenn sich einer im Sand festgefahren hatte, haben alle geholfen, das war Ehrensache", sagt Claudia Ingendae. 30 Fahrzeuge samt Fahrer waren auf Tour. "Die Leute, die so etwas machen, sind Individualisten", sagt Claudia Ingendae. Zwei Ärzte wagten sich auf den Weg, ein Mann, der mit Immobilien handelt und auch der Besitzer eines Mercedes-Autohauses war dabei, unter anderem. "Viele junge Burschen", ergänzt Claudia Ingendae. "Und auf was für Ideen, die kommen", sagt ihr Mann und erzählt von dem jungen Fahrer, der in der Wüste sein Surfbrett auspackte und Golf spielte.

Aber ein Spaß war es nicht immer, es sei auch sehr anstrengend gewesen. Von den 30 Tagen, die sie unterwegs waren, verbrachte das Ehepaar die Hälfte im Zelt. "Das bedeutet: im Dunkeln Zelt aufbauen, den Campingkocher rausholen, essen machen und in den Schlafsack kriechen", zählt Claudia Ingendae auf. Im Dunkeln wurde die Zelte wieder abgebrochen. Oft ging es nur langsam voran, einmal aufgrund des unwegsamen Geländes, andererseits wegen der vielen Polizeikontrollen. Immer wieder mussten sie ihre Dokumente vorzeigen, auf denen genau stand, woher sie kommen und was das Ende ihrer Reise ist. Ab der Grenze Westsahara nach Mauretanien wurden sie vom Militär begleitet. Am Tag der Abreise bekamen sie hautnah den Konflikt zwischen Senegal und Gambia zu spüren. Bevor sie ausreisen konnten, mussten sie sich noch eine erneute Kontrolle durchlaufen. "Die fanden unsere Taschenlampe so toll, die haben sie gleich einkassiert", sagt Claudia Ingendae. Zurück ging es mit leichtem Gepäck. Mit dem alten Mercedes ließen sie auch die Campingausrüstung zurück. Geblieben sind die Erinnerungen an kalte Nächte in der Wüste ("Wir haben morgens Scheiben freigekratzt"), tolle Landschaften und Kinder, die im Straßengraben spielen, während die Lkw vorbeidonnern und die Mütter Erdnüsse verkaufen.

Es war nicht nur eine abenteuerliche Fahrt, sondern auch ein Eintauchen in eine völlig fremde Kultur. Ob es eine Wiederholung gibt? "Auf dem Rückweg waren wir uns sicher, das war ein tolles Erlebnis, aber wir machen das nicht mehr", sagt Claudia Ingendae und fügt lachend hinzu: "Wir möchten nie mehr in unserem Leben zelten."

Sehr authentische Eindrücke liefert der kleine Film auf Youtube "Hakubatoafrica dust an diesel 2016".

(RP)
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