Wolfsgebiet wird nicht ausgeweitet

Niederrhein : Kein Wolfsgebiet links vom Rhein

In Niedersachsen soll zum ersten Mal ein Wolf einen Menschen angegriffen haben. Für NRW ist das kein Anlass, etwas zu ändern. Einer Vergrößerung des Gebiets erteilt das Land eine Absage.

Die Nachricht hatte auch am Niederrhein schnell die Runde gemacht. Erstmals soll in Niedersachsen ein Wolf einen Menschen angegriffen haben. Ein Gemeindemitarbeiter war auf dem Friedhof in die Hand gebissen worden. Drei weitere Wölfe sollen sich außerdem im Hintergrund gehalten haben. Noch ist nicht bestätigt, dass es tatsächlich ein Wolfsrudel war, wie Sabine Schlemmer-Kaune, Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover auf Anfrage unserer Redaktion erläuterte.

Der Hammer, mit dem der Mann die Tiere in die Flucht schlug, ist ebenso wie gefundene Haarproben und der Pullover des Mannes per Kurier am Donnerstag an das Senckenberg-Institut geschickt worden. Dort sollen die Experten prüfen, ob das DNA-Material verwertbar ist und es sich tatsächlich bei dem Tier um einen Wolf gehandelt hat. „Wenn der Mann von einem Wolf angegriffen worden ist, ist das eine neue Qualität, so etwas hat es in Deutschland noch nicht gegeben“, so die Sprecherin.

In Niedersachsen gibt es eine besonders hohe Wolfsdichte mit 20 Rudeln. Die Proben sollen vorrangig untersucht werden und die Ergebnisse Mitte der nächsten Woche vorliegen. „Wenn es ein Wolf war, dann war es ein Angriff eines Wolfes auf einen Menschen. Dann ist es im Rahmen der Gefahrenabwehr notwendig, zu handeln. Das kann dann dazu führen, dass der Wolf getötet werden muss“, sagt Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies.

Die Wölfin am Niederrhein stammt aus einem Rudel in Niedersachsen. Für Nordrhein-Westfalen ist der Vorfall jedoch kein Anlass, etwas an der momentanen Strategie zu ändern. „Alle Dinge, die woanders passieren, werden natürlich aufmerksam verfolgt. Aber konkret ist das eine Sache in Niedersachsen“, sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) in NRW. Wenn ein Wolf sich nicht richtig verhalte, etwa einen Menschen angreife, dann müsse er vergrämt (vertrieben) oder entnommen (getötet) werden. Der aktuelle Vorfall wird sicher auch eine Rolle spielen, wenn sich der Landtag am Freitag mit dem Thema Wolf beschäftigt.

Wie berichtet, haben CDU und FDP in einem gemeinsamen Antrag eine Strategie zum Umgang mit dem Wolf gefordert. Klar ist bereits, dass es eine Ausweitung des Wolfsgebietes auf den gesamten Kreis Kleve nicht geben wird. Bislang liegt nur ein Teil von Rees in dem Bezirk.

Das kritisieren die Schafhalter, die den Landrat um Unterstützung gebeten hatten. Der hatte daraufhin einen Brief ans Ministerium geschrieben und sich für eine Ausweitung eingesetzt. Vom Land gab es eine Absage. Es gebe keine Hinweise, dass die Wölfin aus Schermbeck den Rhein überquert habe. Linksrheinisch seien in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr zwei Schafe von einem Wolf in Kerken gerissen worden (22. Februar). Zudem sei ein Schaf in Büderich angegriffen worden (7. September), dort sei aber nachweislich ein Hund verantwortlich gewesen.  Die Beobachtung eines Wolfes vom 19. Februar am Deich in Haffen sei bei der Abgrenzung des Wolfsgebietes berücksichtigt worden. Die Schafhalter hatten in ihrer Begründung für die Ausweitung des Gebiets vor allem darauf verwiesen, dass es auf der linken Rheinseite eine „Zangenlage“ gebe. Man liege quasi zwischen der Wölfin in Schermbeck und Artgenossen in den Niederlanden.

Doch auch der Verweis auf das Nachbarland ist aus der Sicht des Umweltministeriums kein Argument, um das Gebiet auszuweiten. „Vor diesem Hintergrund hält das Lanuv eine Ausweitung des Wolfsgebietes Schermbeck im Bereich des Kreises Kleve derzeit fachlich nicht für erforderlich“, heißt es.

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