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Wolf in Goch: Experten des Lanuv bestätigen Sichtung

Tier vermutlich aus den Alpen : Experten bestätigen Wolfssichtung in Goch

Nach einem Monat haben die Menschen in der Region Gewissheit: Das Tier, das Anfang November in Nierswalde gesichtet und fotografiert wurde, war tatsächlich ein Wolf. Der bisher unbekannte Rüde kommt wohl aus den Alpen.

Der Jäger, der die Fotos gemacht hatte, war sich von Anfang an sicher gewesen: Das Tier, das er da am 2. November in Nierswalde gesichtet hatte, ist ein Wolf, hat Richard Dittrich immer betont. Bilder des Tieres waren ebenso zum Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz geschickt worden wie genetische Proben von einem toten Reh. Jetzt hat das Lanuv offiziell bestätigt: In Nierswalde hat sich ein Wolf aufgehalten.

„Anhand der an dem toten Reh genommenen genetischen Proben konnte durch das Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen ein bisher unbekannter Wolfsrüde mit der Kennung GW2402m nachgewiesen werden“, teilte das Lanuv am Mittwoch mit. Der Wolf trage als genetisches Merkmal den Haplotyp HW22, der für die Alpenpopulation (Italien, Frankreich, Schweiz) kennzeichnend ist. Herkunftsrudel und Verbleib dieses Wolfes seien aktuell nicht bekannt.

Jetzt stehe aber fest, dass es sich bei dem Wolf in Nierswalde nicht um ein Tier aus dem Rudel von Niederrheinwölfin Gloria handelt, so Wilhelm Deitermann vom Lanuv. Die Auswertung des Bildmaterials sei nicht ganz einfach gewesen. Da man aber auch DNA-Material des toten Rehs gehabt habe, sei es gelungen, die Ergebnisse zusammenzuführen und so zu dem Schluss zu kommen, dass das Tier in Nierswalde definitiv ein Wolf war. Ob er das Reh selbst gerissen habe oder nur von dem Kadaver gefressen habe, sie nicht bekannt. Es spiele auch keine Rolle. Denn für Wildtiere gebe es keine Entschädigung.

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Gewissheit haben jetzt auch die Schafhalter der Region. „Es ist gut zu wissen, dass wir jetzt eine genaue Kennung des Tieres haben. Denn so kann bei späteren Tierrissen nachvollzogen werden, wo sich der Wolf aufhält“, sagt Hans-Josef Geurtz. Der Weezer ist Vorsitzender des Kreisvereins für Schafzüchter und -halter. Klar sei auch, dass die Halter jetzt noch aufmerksamer seien. „Wir werden genau darauf achten, dass unsere Zäune den Grundschutz von 90 Zentimetern haben und ausreichend Strom darauf ist.“ Positiv sei, dass noch kein Tier in einem abgezäunten Bereich von dem Wolf gerissen worden sei. Vielleicht begnüge sich das Tier ja mit der Nahrung, die er in der freien Natur finde. Man müsse jetzt ohnehin abwarten, ob der Wolf hier noch einmal nachgewiesen wird oder ob er nur auf der Durchreise war.

„Bislang gehen wir davon aus, dass es ein Tier ist, das durchzieht“, sagt Deitermann. Wölfe verlassen bis spätestens zum Ende des zweiten Lebensjahres das elterliche Rudel und wandern dann weit umher. Zum Teil mehrere hundert Kilometer. Dass Wölfe aus der Alpenpopulation Nordwest-Deutschland erreichen, sei nicht ungewöhnlich. Zuvor wurden bereits drei weitere Wolfsrüden aus den Alpen in NRW nachgewiesen: Ein Tier durchquerte 2020 den Rheinisch-Bergischen-Kreis und wurde später in Niedersachsen nachgewiesen. Ein anderes streifte Ende 2020 durch den Kreis Viersen und zog von dort in die niederländische Provinz Brabant. Auch der Wolf, der im Mai 2021 in Köln nachgewiesen konnte, ist der Alpenpopulation zuzuordnen. Wo er sich aufhält ist aktuell nicht bekannt.

Mit der Meldung des Lanuv gibt es damit jetzt die vierte offizielle Bestätigung für einen Wolf im Kreis Kleve. Vor einigen Jahren war ein Tier, das mit einem Sender ausgestattet war, über die Rheinbrücke in Emmerich nach Weeze und dann Richtung Niederlande gezogen. In Kerken war bei einem gerissen Schaf DNA von einem Wolf nachgewiesen worden. Außerdem hatte ein Bürger ein Video eines Tieres in Rees-Haffen gedreht.

Wo sich das Tier, das in Nierswalde fotografiert wurde, aktuell aufhält, ist nicht bekannt.

Das Auftauchen des Wolfes hat die Schäfer in der Region zusätzlich beunruhigt. Schließlich hat das Rudel von Niederrheinwölfin Gloria auf der anderen Rheinseite bei Hünxe bereits zahlreiche Schafe und auch Ponys gerissen.