Wolf am Niederrhein: Abschuss kann trotz Genehmigung dauern

Wolf am Niederrhein : Bis zum Abschuss kann es lange dauern

Mancher fordert die Tötung des Niederrhein-Wolfs. Selbst mit einer Abschussgenehmigung wäre das aber nicht so einfach.

Das Landes-Umweltamt (Lanuv) hat am Freitag den jüngsten „Wolfsnachweis“ im Wolfsgebiet Schermbeck bestätigt. Genetische Untersuchungen haben gezeigt: Zwei Schafe, die am 21. September getötet beziehungsweise verletzt wurden, gehen auf das Konto eines Wolfs. Welches Tier es war – im Verdacht steht stets Niederrhein-Wölfin „Gloria“ – ist noch nicht geklärt.

Zuletzt hatte die Entscheidung Umweltministeriums für Gesprächsstoff gesorgt, die Wölfin vom Niederrhein nicht zum Abschuss freizugeben. Ein Gutachten war zu dem Schluss gekommen, dass das Tier nicht als „Problemwolf“ eingestuft werden könne. Die Experten hatten die Umstände der Schafrisse durch die Wölfin überprüft und festgestellt, dass die erforderlichen Schutzmaßnahmen durch die Schafhalter nicht optimal umgesetzt worden seien.

Während der Wolf in Nordrhein-Westfalen also noch Schonfrist hat, ist es in Niedersachsen schon zu einer Abschuss-Freigabe gekommen. In dem Bundesland ist die Sache ein noch größeres Thema. Dort leben 24 Rudel mit rund 130 Tieren.

Für eines davon hat Niedersachsen eine Abschussgenehmigung erteilt. Das passierte bereits Ende Januar, die Genehmigung galt für einen Monat. Damals dachte man, dass das reichen würde und sich das Thema damit auch schnell erledigt haben könnte. Doch jetzt, gut neun Monate später, zeigt sich, dass eine Abschussgenehmigung alleine noch recht wenig bewirkt. Noch immer läuft der Rüde frei herum, die Tötung ist nicht gelungen, die Genehmigung wird Monat für Monat vom Umweltministerium verlängert.

Ein Abschuss sei nicht so einfach, heißt es von der Pressestelle des Umweltministeriums in Niedersachsen. Viele Jäger würden den Wolf erst gar nicht ins Visier nehmen. „Sie müssen schließlich fürchten, den falschen abzuschießen und dann eventuell belangt zu werden“, so der Sprecher. Daher ist Niedersachsen jetzt in enger Abstimmung mit der EU-Kommission dabei, an einer Vereinbarung zu arbeiten, die die Jagd einfacher machen soll. Ziel soll sein, dass auf den Wolf auch dann geschossen werden kann, wenn er sich in seinem Rudel befindet. Im Klartext würde das heißen, dass ein Jäger das Tier ins Visier nehmen darf, sobald es eindeutig innerhalb eines Rudels identifiziert ist. Geht der Schuss dann vorbei und trifft einen anderen Wolf, soll der Jäger straffrei bleiben.

Die Gespräche zwischen EU und Niedersachsen seien hier weit vorangeschritten, heißt es. Im Grunde habe Brüssel das Okay gegeben. „Es geht nicht darum, den Wolf jetzt zur Bejagung freizugeben, sondern die Entnahme für bestimmte Wölfe zu vereinfachen“, so der Sprecher der Behörde. In Niedersachsen gelte die klare Regel: Wenn Wölfe die Scheu verlieren und sich dauerhaft Siedlungen nähern, dann müsse auch ein Abschuss möglich sein. Aber auch in Niedersachsen seien von den 130 Tieren vielleicht drei als Problemwölfe einzustufen.

Die Regelung würde auch den Abschuss der Wölfe in Nordrhein-Westfalen vereinfachen. Bislang sei ein Abschuss aber kein Thema, da dieser Fall absolut rechtssicher sein und einer Klage standhalten müsste, heißt es.

Und selbst wenn eine Tötung durch eine neue Regelung vereinfacht würde, bliebe die Frage, ob sich jemanden fände, der das Tier ins Visier nimmt. Auch in Niedersachsen wird über die Wölfe und insbesondere über ihre Tötung hochemotional diskutiert. Das Thema bewege manche so sehr, dass aus Sicht des Umweltministeriums Angriffe auf Beteiligte zu befürchten sind. Jäger würden sich sozusagen selber in die Schusslinie begeben.

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