Weeze: Widerstand gegen tieferes Baggerloch

Weeze: Widerstand gegen tieferes Baggerloch

Bisher baggert die Firma Siemes in Wemb im Trockenverfahren aus. Nun hat sie beantragt, Sand und Kies aus tieferen Schichten fördern zu dürfen. Ein See würde entstehen und Vögel anlocken. Gefahr für den nahen Flugbetrieb.

Nicht selten wird der Gemeinde Weeze eine zu große Nähe zur Kiesindustrie nachgesagt. In einem Fall, der jetzt zur Entscheidung ansteht, zeigen sich Politik und Verwaltung jedoch ausgesprochen zurückhaltend. Die Firma Siemes will ihre Trockenabgrabung in der Hees ausbauen, und zwar in die Tiefe. Damit würde aus der Trocken- eine Nassabgrabung. Erhebliche Probleme wären zu erwarten.

Wo große Wasserflächen sind, siedeln sich Vögel an. Wasservögel sowieso, aber auch andere, die an den Uferkanten nisten. Die Kiesbaggerei befindet sich sehr nahe des Airport Weeze, und darin liegt die Gefahr: Jeder Flughafen fürchtet sich vor Vogelschlag. Dieser Begriff benennt den Zusammenprall von Vögeln mit Objekten. Im Falle von Flugzeugen kann durch das Eindringen des Tierkörpers in die Triebwerke die Sicherheit der Passagiere gefährdet sein — die Wasserlandung eines Airbus auf dem Hudson-River im Jahr 2009 etwa ging auf Vogelschlag zurück.

Bauamtsleiter Wilhelm Moll-Tönnesen stellte im Fachausschuss den Antrag der Firma Siemes vor: "Zehn Meter tiefer als bisher soll gegraben werden, vier Jahre länger als bisher geplant." Dabei sollte ab 2017 mit der Rekultivierung begonnen werden — nach dem Vorbild der benachbarten Fläche. Das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve hat vor Jahren mit der Kiesfirma und der Gemeinde Weeze dafür gesorgt, dass die ausgebeutete Landschaft ihren ökologischen Wert zurückerhält. "Deshalb bin ich natürlich überhaupt nicht glücklich mit dem Antrag. Wir haben diese Projekte, von denen eines mit EU-Mitteln gefördert wurde, doch nicht umgesetzt, um sie fünf Jahre später wieder aufzugeben", sagt Ulrich Werneke, Leiter des Zentrums. Die mageren Böden dort bedingen ein spezielles Mikroklima, in dem sich selten gewordene Pflanzen ansiedeln. Junger Mischwald ist entstanden, Rinder beweiden das Gelände. "Ganz klar", sagt der Biologe, "auf einer Wasserfläche würden sich Enten und Gänse niederlassen und den Flugbetrieb gefährden."

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Das fürchtet auch Ludger van Bebber. Der Flughafen-Geschäftsführer geht davon aus, dass die Standortgemeinde alles tun wird, um den Flughafen vor negativen Einwirkungen zu schützen. "Biotopmanagement", das Vögel auf Abstand hält und "Vergrämung" im Akutfall sind auf seinem wie jedem anderen Flughafen Dauerthemen. "Da wäre es widersinnig, andererseits die Vögel geradezu anzulocken." Bürgermeister Ulrich Francken hatte sich im Ausschuss ganz ähnlich geäußert.

Das einzige Problem: Die Landschaftsplanung zieht es vor, bestehende Abgrabungen stärker auszunutzen, statt weitere Flächen aufzureißen. Kies und Sand werden benötigt — dafür soll jedoch so wenig Fläche wie möglich verbraucht werden. Ein Dilemma, um das es in der Abwägung gehen wird.

(RP)