Wesel beteiligt sich an Dunkelfeldstudie des Landes

Kriminalitätsumfrage unter Bürgern : Land fragt: Wie sicher ist Wesel?

Wesel gehört zu den Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die an der Dunkelfeldstudie teilnehmen. Ausgewählte Bürger bekommen jetzt einen Fragebogen zu ihrem rein persönlichen Sicherheitsempfinden.

Es ist ein weit verbreitetes Phänomen. Werden Statistiken zur Kriminalität vorgelegt, heißt es: „Das kann doch nicht sein, bei uns ist es doch in Wahrheit viel schlimmer.“ Gefühlte Sicherheit ist das Stichwort. Die stimmt oft genug nicht mit den reinen Daten überein. Auch am Niederrhein ist das nichts anders. An dieser Stelle setzt eine neue Dunkelfeldstudie des Landes an, die erstmals eine repräsentative Befragung über Gewaltkriminalität – unabhängig vom Anzeigeverhalten der Opfer oder späteren Strafverfahren – durchführt und das Sicherheitsempfinden erfasst. Wesel ist eine der wenigen Kommunen in der Region, die dafür ausgewählt wurden. Laut Auskunft des Ministeriums wurde die Stadt nicht ausgesucht, weil es hier besonders viel Kriminalität gebe. Vielmehr sollen die Kommunen den  Querschnitt in NRW abbilden. „Nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgt ist, wissen wir nicht“, sagt Stadtsprecher Swen Colaric. Eine Bewertung der Umfrage wolle man noch nicht abgeben, dazu müsse man erst den genauen Fragebogen kennen. Die Befragung wird jetzt beginnen.

Was ist das Ziel der Dunkelfeldstudie? Die Studie beschäftigt sich mit den Themen Sicherheit und Gewalt in Nordrhein-Westfalen. Sie soll das Phänomen Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie Jungen und Männer erstmals in Nordrhein-Westfalen wissenschaftlich fundiert und umfassend abbilden. Neben strukturellen Erkenntnissen zu Gewaltstraftaten aus dem Hellfeld (Straftaten, die der Polizei bekannt sind) und Dunkelfeld (Straftaten, die der Polizei nicht bekannt sind), soll auch das Sicherheitsgefühl der Menschen in Nordrhein-Westfalen erfasst werden. Ziel dieser Untersuchung sei es, so die Initiatoren, mit Hilfe der Erkenntnisse präventive Maßnahmen und psychosoziale Unterstützungsangebote für gewaltbetroffene Frauen und Männer gezielt weiterzuentwickeln.

Wer führt die Befragung durch? Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen befragt im Auftrag des Ministeriums des Innern des Landes und des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen die Bürger.

Wer wird befragt? Befragt werden insgesamt 60.000 Personen im Alter über 16 Jahren mit Hauptwohnsitz in Nordrhein-Westfalen. Die Befragung erfolgt schriftlich per Post mit einem Fragebogen. 81 Kommunen in NRW wurden ausgewählt. Dabei wurde versucht, einen repräsentativen Querschnitt der Städte und Gemeinden abzubilden. Aus der Umgebung sind noch die Städte Straelen, Kamp-Lintfort oder Kevelaer dabei. Die Einwohnermeldeämter der ausgewählten Kommunen wurden um eine repräsentative Stichprobenauswahl aus den Melderegistern gebeten. Die Auswahl der Befragten erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Alle Angaben werden streng vertraulich behandelt und ausschließlich ohne Namen und Adresse ausgewertet. Den ausgewählten Bürgern wird die Möglichkeit gegeben, sich bei Rückfragen zum Fragebogen oder zur Studie telefonisch über eine kostenlose Rufnummer oder per E-Mail zu erkundigen.


Was verspricht sich das Land von der Befragung? Grundlage für die Bewertung der Kriminalitätslage ist die Polizeiliche Kriminalstatistik. Es ist jedoch anzunehmen, dass es Fälle von Gewalt gibt, von denen die Polizei keine Kenntnis erlangt (Dunkelfeld). Mit Hilfe der startenden Befragung werden Erkenntnisse aus dem Hellfeld um solche aus dem Dunkelfeld erweitert, sodass ein vollständigeres Bild der Kriminalitätslage im Land Nordrhein-Westfalen entstehen soll.


Um welche Fragen geht es?
Es geht unter anderem um folgende Fragen, die die Bürger beantworten sollen: Wie wohl fühlen Sie sich in Ihrem Wohngebiet? Wie gut fühlen Sie sich persönlich vor Kriminalität geschützt? Ist Ihnen schon einmal Gewalt widerfahren? Wie gut fühlen Sie sich über Hilfeangebote für Betroffene von Gewalt informiert?

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