Werke des Malers Heinz Henschel in Wetten auf Haus Te Gesselen zu sehen

Kunstausstellung : In der Bilderwelt von Heinz Henschel

130 Bilder des 2016 gestorbenen Malers sind in einer Ausstellung auf Haus Te Gesselen in Wetten zu sehen. Damit werden rund zehn Prozent aus dem umfangreichen Werk des Autodidakten präsentiert. Die Vernissage ist am Freitag.

Für Nina Schulze ist es ein „riesiger Schatz“, der Matthias David in ungeordneter Form zugefallen sei. Die Kunsthistorikerin meint die Bilder von Heinz Henschel. Die vermachte der Maler, der 2016 in Kevelaer starb, testamentarisch Matthias David vom Kunstverlag David in Achterhoek.

„Es war eine Flut“, erinnert sich David an seinen Versuch einer ersten Sondierung und Einordnung. Insgesamt 1250 Werke hat Henschel geschaffen. 130 davon sind ab Freitag auf Haus Te Gesselen in Wetten zu sehen.

„Oh wie schön, dass niemand weiß“ lautet der Titel der Ausstellung. Er verweist auf die Art und Weise, wie der gebürtige Schlesier wirkte. Autodidaktisch, und im Verborgenen. „Henschel hat für sich gearbeitet“, berichtet Nina Schulze. Dass er sich alles selbst beibrachte, gilt nicht nur für seine Kunst. David erzählt, wie Henschel im Schützenverein das Schießen lernte, als Bogenschütze, Fechter und Taekwondo-Kämpfer aktiv war. „Er hat sich als Wächter gesehen.“

So stellte er sich in Selbstporträts dar. Ebenso als Schmied und als Rumpelstilzchen. Dieses Bild ziert die Einladungskarten zur Ausstellung. Nur dass die übliche Vollbartversion der Märchenfigur durch den für Henschel kennzeichnenden Schnauzbart ersetzt wurde.

Das Werk „Der Wächter Nr. 16“ aus der Ausstellung von Heinz Henschel. Foto: Norbert Prümen (nop)

Ob in seiner Kunst oder bei seinen anderen Tätigkeiten: Immer strebte Henschel nach Perfektion. Und der Autodidakt experimentierte. Nina Schulze weist zum Beispiel auf eine Radierung, die der Künstler auf einem Küchenbrett aus Resopal fertigte. Um dann festzustellen, dass diese Unterlage alles andere als ideal ist, wie er durch seine Randnotizen auf dem Bild deutlich machte.

Die Ausstellung ist auf sechs Räume im zweiten Obergeschoss von Haus Te Gesselen verteilt. Eine Gliederung nach Gruppen wurde versucht, wobei es laut David immer wieder zu Überschneidungen der einzelnen Bereiche kommt. So ist Henschels „Herzensthematik“, die Schiffsdarstellung, in unterschiedlichen Techniken und Motiven vertreten. Bei dem Rundgang werden alle relevanten Techniken und Motive umfasst.

Die erste Abteilung gibt laut David erstmals einen Einblick in Henschels Skizzenwerk. Der Künstler hat seine Ideen in Schriftform festgehalten, aber auch in Konstruktionszeichnungen und Ideenschmieden. Abteilung zwei enthält Janusköpfe und Wächter. Eine Thematik, die es nach Davids Meinung noch zu erforschen gilt. Als „motivbezogener Komplex“ in Abteilung drei sind Tiere und Schiffe versammelt.

In der vierten Abteilung haben die Ausstellungsmacher Ungegenständliches und Monochromes platziert. Abteilung fünf bietet Erzählwelten und Radierungen.

„Hier arbeitet Henschel vermutlich sein Leben auf“, charakterisiert David das in diesem Raum zu Sehende.Sehnsucht, Liebe und Heimatromantik sind die Themen. Henschel ist immer wieder als Figur mit Schnäuzer präsent. Die kleine biografische Ecke – Abteilung sechs – zeigt Henschels Sicht auf sich selbst.

Das einzige Bild in der Ausstellung, das nicht von Henschel ist, hilft bei der biografischen Orientierung. David hat eine Zeittafel gemacht von Henschels Geburt am 28. Dezember 1938 im schlesischen Brockau über die Vertreibung nach Coswig (Sachsen), das „Rübermachen“ in die Bundesrepublik und seine Berufsjahre als Dreher im Kreis Viersen bis zu seinem Tod am 29. Juni 2016 als Rentner in Kevelaer.

Die meisten Bilder Henschels sind von sehr kleinem Format. Es lohnt sich, eine Lupe mitzubringen. Leihlupen stehen nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung. Und: Auch das Burghaus Te Gesselen ist eine Entdeckung wert.

Und wer sich Henschel mit nach Hause nehmen möchte: Zur Ausstellung gibt es einen Katalog in deutscher und englischer Sprache, in dem auf 208 Seiten 188 Bilder zu sehen sind. Die Einführung hat Gerd Baum geschrieben, die übrigen Texte steuerte Nina Schulze bei. Er kostet 38 Euro.

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