Kreis Kleve: Wer kennt die schönsten Worte op Platt?

Kreis Kleve : Wer kennt die schönsten Worte op Platt?

Der kreisweit aktive Mundartförderkreis "För Land en Lüj" lädt zu einem Wettbewerb ein. Gesucht werden die urigsten Wörter und Redensarten auf Platt. Drei Vortragsnachmittage im Kreisgebiet noch in diesem Jahr.

Seine Eltern konnten sich auf Platt nicht gut verständigen. Wenn Mutter aus Nieukerk kommt und Vater aus Weeze, dann liegen Welten zwischen dem Platt der einen und dem des anderen. Das führt zu Missverständnissen, vielleicht sogar zu Streit. Deshalb wurde bei Ulrich Francken zuhause "Deutsch" gesprochen, Hochdeutsch also. Aber auf der Straße und auf dem Schulhof war eine andere Sprache angesagt, diejenige, die Weezes Bürgermeister heute pflegt und die er sogar als Vorsitzender eines einschlägigen Vereins fördert: Francken steht dem Kreis Klever Mundartförderkreis "För Land en Lüj", den der damalige Landrat Hans Pickers Mitte der 90-er Jahre gegründet hatte, vor. Der hat sich jetzt eine nette Aktion ausgedacht, um mal wieder auf sich aufmerksam zu machen - einen Wettbewerb.

Wer am Niederrhein lebt und mit den Menschen zwischen Kranenburg und Wachtendonk umgeht, kommt nicht umhin, ab und zu Platt zu hören. Mit der Zeit wird er eine Menge davon verstehen, auch wenn er es nicht selbst spricht. Deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass sich auch solche nur "deutsch" sprechenden Gocher, Weezer, Klever oder Walbecker von dem Aufruf angesprochen fühlen, ihre schönsten Platt-Begriffe oder Redewendungen einzureichen. Beim Wettbewerb zu gewinnen sind verschiedene Mundart-Führer, mit deren Hilfe das Platt-Vokabular in jedem Fall noch auszubauen ist. Der Vorstand des Vereins wird bei der Auswahl der "Sieger-Wörter" übrigens von Dr. Georg Cornelissen vom Landschaftsverband Rheinland unterstützt.

"Um ,knackige' Wendungen zu beurteilen ist er fraglos der richtige Mann", findet Hans Gerd Kersten aus Zyfflich. Kersten, selbst seit Jahrzehnten mit Mundart befasst, hat den aus Winnekendonk stammenden Wissenschaftler "gegoogelt" und fasst zusammen, was der alles kann: rheinische Ortsdialekte, regionale Umgangssprache, Geheimsprachen, Sprachinseln, Fachsprachen. Wenn er auch heute in Köln lebt - das niederrheinische Platt bleibt doch Cornelissens "Modersprak". Alle Beiträge, die bis zum 29. Juni eingehen - zu Händen von Ulrich Francken im Weezer Rathaus oder per E-Mail an janeuwer@t-online.de oder hubertina.croonenbroek@web.de - werden gesichtet. Die zehn am häufigsten genannten Wörter und Redewendungen werden das Thema einer Mundartveranstaltung sein, die am Sonntag, 23. September, ab 15 Uhr stattfinden wird. Der Ort wird noch bekanntgegeben.

Hubertina Croonenbroek, stellvertretende Landrätin aus Kerken, hat ebenso wie Weezes Bürgermeister nicht zuhause Platt gelernt. Aber auch nicht auf der Straße, sondern erst als Erwachsene. "Als ich stellvertretende Bürgermeisterin wurde, war mir klar, dass ich bei Goldhochzeiten und 90. Geburtstagen Platt sprechen muss. Deshalb hab' ich Mundart wie früher Englisch gelernt. Und als ich genügend Vokabeln beherrschte, hab' ich damit meinen Bruder, der gut Platt spricht, überrascht."

Der Land-en-Lüj-Vorstand weiß, was das Schöne an der "Modersprak" ist: "Man ist damit sehr nahe an den Menschen, spricht mit seinem Gegenüber auf Augenhöhe. Selbst Kritik oder ein Tadel sind kaum mal verletzend - das schafft Gemeinschaft", sagt Francken. Hans Gerd Kersten war früher beim Kreis beschäftigt, musste oft bäuerliche Betriebe anfahren und dort durchaus mal unbequeme Themen ansprechen. "Aber wenn ich von hinten über de Dääl gleich in de Koek kam und die Leute auf Platt ansprach, dann war gleich eine Barriere abgebaut. Wenn ich dann sogar mal morgens um sechs aufs Feld kam, dann stieg die Bereitschaft, mit dem Mann vom Amt zu sprechen, sehr", erinnert sich Kersten schmunzelnd. Ulrich Francken wiederum, seit vielen Jahren im Vorstand der Euregio Rhein-Waal, profitiert auch beim Niederländischen von seinen Platt-Kenntnissen. "Was in Weeze gesprochen wird, unterscheidet sich kaum von der Sprache der Menschen in Well", weiß er. Der Nord-Süd-Kontrast sei größer als der zwischen West und Ost.

Die diesjährigen Mundartnachmittage "For Land en Lüj" finden am 7. Oktober im Bühnenhaus Kevelaer und am 28. Oktober im Bürgerhaus Rees statt, Beginn ist jeweils um 15 Uhr. Auch Jüngere sind willkommen.

(RP)
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