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Wem gehört der Kapellenplatz in Kevelaer

Die Geschichte der Kerzenkapelle : Der Hüter des Kapellenplatzes

Degenhard Bertram von Loë spielt die entscheidende Rolle, wenn es um die Kerzenkapelle geht. In der ältesten Kirche Kevelaers liegt sein Herz. Der katholischen Kirche gehört der Platz nur unter einer bestimmten Bedingung.

Wenn es um den Kevelaerer Kapellenplatz geht, hält sich das Gerücht hartnäckig, dass er eigentlich der Familie von Loë von Schloss Wissen in Weeze gehört. Aber was ist da dran?

Ein Besuch auf Schloss Wissen bei Raphaël Freiherr von Loë gibt Klarheit. Hauptrolle in dem historischen Stück, das sich um den blutigen Religionskrieg des 17. Jahrhunderts dreht, ist sein Vorfahre Degenhard Bertram von Loë. Nachgesagt werden ihm und seiner Angetrauten Anna Franziska Freifrau von Loë, geborene Nesselrode, sie seien schön gewesen. Wer sich davon selbst überzeugen möchte, kann das Porträt des Mannes noch heute im Billardraum von Schloss Wissen bewundern. Sie hatten 14 Kinder. Gespeist wurde damals von Zinntellern. „Das Porzellan wurde ja erst 1709 durch Johan Friedrich Böttger in Meissen wiederentdeckt“, heißt es in der Lebensgeschichte Degenhards, die sich im Archiv der Familie von Loë findet.

Geboren wurde Degenhard Bertram, der noch zum Helden des katholischen Glaubens im Laufe der Geschichte wird, am 5. April 1622. Damit wurde er in eine stürmische Zeit geworfen. „Die Jahre 1618 bis 1763 waren eine fast ununterbrochene Kette von Kämpfen auf Rheinischem Boden“, heißt es in den Archivunterlagen von Schloss Wissen. Von 1618 bis 1648 tobte der 30-jährige Krieg. „Wir schreiben das Jahr 1642“, beginnt Raphaël Freiherr von Loë die Geschichte, in der Degenhard Bertram dafür sorgt, dass der Kevelaerer Kapellenplatz fest mit der Familie von Loë verbunden wird. In Kevelaer hat Hendrik Busmann die Erscheinung und Eingebung Marias, der Mutter Gottes einen Ehrenplatz zu bauen. Auslöser war ein Heiligenbildchen. Als älteste Kapelle wurde die Kerzenkapelle in Kevelaer errichtet. „Mitten in der Heide, da war ja nichts“, sagt von Loë. Aber: es war Wissener Grund. „Damals war es nicht so, dass man von Schloss Wissen in sieben Minuten am Kapellenplatz war“, erklärt der Freiherr. Deswegen blieb der „illegale Bau“ zunächst unentdeckt. „Bis 1649, da gab es eine muntere Auseinandersetzung mit dem Bischof von Roermond“, sagt von Loë. Die Frage stand im Raum, wie mit dem Bau der Kerzenkapelle umzugehen sei. Der Kirchenplatz war dem Oratorianerorden bisher als Lehen von den Herren von Schloss Wissen gegeben worden. An Degenhard ging ein Entschuldigungsbrief. Vielleicht war es den Wirren des 30-jährigen Krieges geschuldet, heißt es in den Aufzeichnungen des Archivs. Auf jeden Fall beteuern die Oratorianerbrüder, unwissentlich gehandelt zu haben. Ein Abriss der Kirche stand niemals zur Debatte. „Degenhard Bertram war ein sehr frommer Mann, dazu gehörte auch eine große Marienfrömmigkeit“, erklärt von Loë. Zeitgleich kam der „Protestantismus bis vor die Haustür“, sagt von Loe. Sein Vorfahre, Degenhard Bertram, setzte ein Zeichen und lenkte ein. Er verzichtete sogar auf den Lehenszins, bekam dafür geistliche Güter. Dazu gehört, dass jährlich eine Messe für die Verstorbenen des Hauses Wissen gelesen wird. „Zugleich soll der Freiherr von Loë das Recht haben, in genannter Kapelle für sich und seine Nachkommen eine Begräbnisstätte auszuwählen“, heißt es in der Vereinbarung, die am 30. August 1649 geschlossen wurde. „Tatsächlich liegt in der Kerzenkapelle das Herz von Degenhard“, erklärt von Loë. Und danach fragen noch heute die Kinder und Enkel des Hauses von Loë. Im Altarraum unter einer großen Marmorplatte ist das Herz begraben.

Dieses Arrangement zwischen Kirche und dem Haus von Loë ist allerdings an einer Bedingung festgemacht. Der Kapellenplatz könnte unter gewissen Umständen wieder an Schloss Wissen zurückfallen. „Wenn je, was Gott abwenden möge, besagtes Grundstück und Kapelle in andere, das heißt nicht römisch-katholische Hände kommen sollte, und die alljährlich zu lesende heilige Messe, welche mir und meinen Nachfolgern am Schluss dieses Kontraktes versprochen wird, nicht mehr gefeiert würde, so tritt eo ipso das Lehnrecht auf besagtes Grundstück wieder in Kraft“, heißt es im Kontrakt, den Degenhard unterzeichnete. Er starb am 9. September 1692.

Rückblickend kam die Vereinbarung im Laufe der Geschichte tatsächlich einmal kurz ins Wanken. Während des Naziregimes wurde das Gnadenbild gesichert und durch ein Duplikat ersetzt. Allerdings bezweifelt von Loë, dass im totalitären System von damals überhaupt so etwas wie rechtliche Durchsetzbarkeit möglich gewesen wäre. Dank der Vereinbarung zwischen Schloss Wissen und der Kirche steht der katholische Glaube in Kevelaer immer im Mittelpunkt des Kapellenplatzes. Und das nun schon seit der Vereinbarung.