Weezes Bürgermeister Francken zieht Halbzeitbilanz.

INTERVIEW ULRICH FRANCKEN: „Die Maut ist ein großer Fehler“

Der Weezer Bürgermeister zieht Halbzeitbilanz. Ob er noch einmal antritt, will er 2019 entscheiden.

Welche wichtigen Themen stehen in der zweiten Halbzeit an?

ULRICH FRANCKEN Für die Stärkung des Einzelhandels im Ortskern gibt es noch ein paar wichtige Dinge zu tun. Wichtig ist für mich, den zentralen Ort zu stärken.

Was haben Sie da genau im Blick?

FRANCKEN Einmal geht es um den Alten Markt. Helfen und vermitteln, um Leerstand zu beseitigen und Immobilien zukunftsträchtig zu entwickeln. Ein anderer Ort sind Flächen am Cyriakusplatz um die Sparkasse. Auch an der Gewerbebrache auf dem früheren Rewe-Gelände würden wir gerne etwas tun. Unser Ziel ist es, Lösungen zu vermitteln und das städtebauliche Bild in Weeze fortlaufend zu verbessern. Orte, die die Weezer als Schandfleck sehen, sollen verschwinden.

Wie sieht es mit dem Bahnhof aus?

FRANCKEN Da ist eine ähnliche Zielsetzung. Hier würden wir gerne handeln, das Gebäude kaufen und das Umfeld entwickeln. Hier sind wir aktiv im Kontakt mit dem derzeitigen Besitzer, um unser Vorkaufsrecht durchzusetzen. Aber da muss man abwarten, wie sich das weiter entwickelt. Im Auge haben wir auch die Erweiterung des Tierparks und die attraktive Anbindung des Freizeitbereiches östlich der Niers über eine Brücke an das Ortszentrum.

Für wann ist das geplant?

FRANCKEN Wir hoffen, dass das Ende 2019 begonnen werden kann, dann soll auch das Niersauenkonzept umgesetzt werden. Der Niersverband möchte alte Flussstrukturen wieder herstellen. Und die Gemeinde Weeze möchte von der neuen Brücke bis zur Straße Fährsteg auch die Gestaltung der Uferpromenade verwirklichen.

Überregional macht Weeze mit Parookaville auf sich aufmerksam.

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FRANCKEN Früher haben die Leute gesagt: Weeze? Da wurde ich aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Heute verbinden Leute sofort den Flughafen und Parookaville damit. Parookaville ist eine absolute Topveranstaltung. Ein Event, von dem Handwerk, Handel und Tourismus in der Region profitieren. Der Erfolg hängt auch damit zusammen, dass die Veranstalter Weezer Jungs sind. Da steckt viel Power und Dynamik dahinter. Daher ist die Akzeptanz auch so gut. Natürlich gibt es auch mal Probleme wie 2017 beim Verkehr. Aber da lernen wir alle dazu, diesmal hat ja alles geklappt. Die Trockenheit war eine Herausforderung. Auch hier werden wir besser.

Wäre es denn denkbar, auf 100.000 Besucher zu erhöhen?

FRANCKEN Das ist eine Entscheidung, die in erster Linie die Veranstalter treffen müssen. Wir haben 2017 gesagt, bei 80.000 Besuchern erst einmal eine Atempause einzulegen, daraus zu lernen und Dinge zu optimieren. Das hat gut geklappt. Ohnehin wollen wir nicht, dass die Anwohner jedes Wochenende Halligalli am Flughafen haben. Deshalb sind die großen Veranstaltungen auch auf die drei Events Parookville, Mudmasters und Q-Base beschränkt.

Sie haben öfter gesagt, dass Sie die Maut für einen Fehler halten.

FRANCKEN Das ist richtig. Ein großer Fehler. Gerade für uns im Grenzgebiet ist das keine positive Entwicklung. Für mich hat der europäische Gedanke immer eine besondere Bedeutung. Europa steht für Frieden und Sicherheit. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bergen läuft gut und mein Ziel ist auch, das weiter zu intensivieren. Europa wird an den Grenzen gelebt und praktiziert. Gerade in heutiger Zeit ist es wichtig, Flagge für Europa zu zeigen.

Treten Sie 2020 noch einmal an?

FRANCKEN Das habe ich für mich noch nicht entschieden. Ende 2019 werde ich bekannt geben, ob ich noch einmal antrete. 2020 werde ich 62 Jahre sein. Den Job mache ich gerne, er macht mir Spaß, auch wenn es oft stressig ist. Und sicher gibt es auch noch einiges zu bewegen. Alle Ziele sind noch nicht erreicht. Eines wohl. Die Gemeinschaft ist zusammen gewachsen. Die Zusammenarbeit gut. Alle sind am Erfolg beteiligt. Rat, Verwaltung und Bürgerschaft arbeiten Hand in Hand, dafür danke ich.

Was ist noch nicht erreicht?

FRANCKEN Etwa die nachhaltige Sicherung der Gesamtschuldependance in Weeze. Dafür ist der Umbau wichtig. Hier haben wir schnell deutlich gemacht, dass wir viel Geld in die Hand nehmen wollen. Das Konzept ist top. Deshalb hat mich die Kritik überrascht. Die Probleme waren in der Tiefe nicht so präsent. Darauf haben wir reagiert, auch wenn klar war, dass dem Gebäudekonzept ein pädagogisches folgen muss. Das ist auf dem Wege. Wichtig war, dass die Eltern verstanden und entschieden haben, dass es gut ist, am Standort Weeze festzuhalten.

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