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Kevelaer: Weezer gesteht Tat während des Plädoyers

Kevelaer : Weezer gesteht Tat während des Plädoyers

Der 32-Jährige hatte bisher behauptet, seine Ex-Freundin während eines Sturzes mit einem Messer verletzt zu haben. Verteidigung räumt ein, dass das so nicht gewesen sein kann. Das Urteil lautet: Zwei Jahre und neun Monate.

Späte Einsicht zeigte ein 32-Jähriger Weezer gestern vor dem Klever Landgericht. Unter der erdrückenden Beweislast, welche die seit Ende Dezember laufende Verhandlung ergab, räumte sein Rechtsanwalt Karl Scholten in seinem Plädoyer ein, dass die Schilderungen seines Mandanten vom ersten Prozesstag so nicht den tatsächlichen Geschehnissen entsprechen konnten. "Die Verteidigung hat erkannt, dass seine subjektive Wahrheit von den objektiven Gegebenheiten abweicht. Dafür hat es mindestens eine Verletzung zu viel gegeben", sagte Scholten, der mit seiner Forderung nach einer Bewährungsstrafe allerdings nicht durchkam. Die Hilfsstrafkammer des Klever Landgerichts verurteilte den 32-Jährigen wegen einer gefährlichen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Damit blieb das Gericht jedoch noch unter dem, was die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Sie sah eine dreijährige Haftstrafe als Tat und Schuld angemessen an, obwohl Oberstaatsanwalt Guido Schulz bereits einen wesentlichen Punkt der ursprünglichen Anklageschrift zugunsten des Weezers ausräumte. Denn ursprünglich war der Vater einer kleinen Tochter, die er zusammen mit dem Opfer hat, wegen eines versuchten Totschlags angeklagt. Schulz gab aber zu, dass die gerichtliche Beweisaufnahme diesen nicht zweifelsfrei beweisen konnte. So habe der Beschuldigte das Messer nach seinem körperlichen Angriff auf seine 19-jährige Ex-Freundin in ihrer Kevelaerer Wohnung wohl fallen gelassen. Er sei damit von einer möglichen Tötungsabsicht zurückgetreten. Der Gesetzgeber sehe in einem solchem Fall vor, dass, wenn ein tödliches Vorhaben aus eigener Motivation heraus nicht vollendet werde, sich dieses strafbefreiend für einen Angeklagten auswirken müsse. Demnach handele es sich nicht mehr um ein versuchtes Tötungsdelikt, sondern nur noch um eine gefährliche Körperverletzung, bei der alle Beteiligten jedoch erhebliches Glück gehabt hätten, dass das Opfer nicht tödlich getroffen worden sei.

Die gefährliche Körperverletzung gab der 32-Jährige, der sich gestern noch einmal mit 1000 Euro im Rahmen eines angestrebten Täter-Opfer-Ausgleichs bei der Geschädigten entschuldigen wollte, allerdings auch erst im Rahmen des Plädoyers seines Rechtsanwaltes zu. Bis zum vorletzten Prozesstag hatte der Weezer immer angegeben, seine Ex-Freundin bei einem Sturz unabsichtlich mit einem Messer unter anderem im Brustbereich verletzt zu haben. Diese Theorie hatte besonders das Gutachten einer Rechtsmedizinerin am vergangenen Montag aber widerlegt. Nur durch einen Sturz hätten die vier aus dem Geschehen resultierenden Verletzungen nicht entstehen können, erklärte die Ärztin.

Der Weezer konnte das Gericht gestern trotzdem als zunächst freier Mann verlassen. Das Klever Landgericht hob den Haftbefehl aufgrund der eher geringen Freiheitsstrafe und unter Berücksichtigung der bereits siebenmonatigen erlittenen Untersuchungshaft auf. Der 32-Jährige hat nun eine Woche lang Zeit, gegen das Urteil Revision einzulegen. Erst wenn das Urteil rechtskräftig ist, wird er aufgefordert werden, seine restliche Haftstrafe von maximal zwei Jahren und zwei Monaten anzutreten. Außerdem sprach das Gericht der 19-Jährigen ein Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro zu, die der Angeklagte neben den Prozess- und Anwaltskosten zu tragen hat.

(pets)