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Weeze hat neue Verordnung zum Brauchtumsfeuer

Maßnahme für den Klimaschutz : Weeze geht gegen private Osterfeuer vor

Die Gemeinde verschärft die Regelungen. Privatpersonen und Nachbarschaften dürfen keine Osterfeuer mehr anzünden. Es geht um den Klimaschutz. Auch soll verhindert werden, dass Abfall verbrannt wird.

Es klingt etwas sperrig: „Brauchtumsfeuer sind Feuer, deren Zweck nicht darauf gerichtet ist, pflanzliche Abfälle durch schlichtes Verbrennen zu beseitigen“, heißt es wörtlich in § 16 der „Ordnungsbehördlichen Verordnung der Gemeinde Weeze“. Trotz des bürokratischen Textes ist die Botschaft klar: Die Feuer, die vor allem zu Ostern und St. Martin angezündet werden, sollen Zeichen von Brauchtumspflege sein und eben keine Chance, sich schnell und günstig von Grünabfällen zu befreien. Doch in der Vergangenheit haben immer öfter Bürger die Osterfeuer missbraucht, um eben einfach Abfall zu verbrennen.

 In den vergangenen Jahren wurde diese Vorschrift von der Gemeinde Weeze recht großzügig ausgelegt. Dadurch wurden auch viele Feuer, die der Verbrennung von Grünschnitt im Frühjahr dienten, geduldet und genehmigt. Dem schiebt die Kommune jetzt einen Riegel vor. Bürgermeister, Verwaltung und Rat haben sich dafür ausgesprochen, dass die Vorschriften nun eng am Gesetz orientiert ausgelegt werden: Daher sind nur noch solche Feuer gestattet, die von einer in der Ortsgemeinschaft verankerten Glaubensgemeinschaft, einer Organisation oder einem Verein zur Brauchtumspflege veranstaltet werden. Wichtig ist auch, dass das Feuer öffentlich ist und jeder es besuchen kann.

Im Klartext bedeutet das aber auch: Nachbarschaften und Privatpersonen dürfen in Weeze keine Osterfeuer mehr abbrennen. Der Gemeinde ist klar, dass das eine rigorose Festlegung ist. Aber Bürgermeister Ulrich Francken hat sich klar hinter die neue Regelung gestellt. „Ich will dringend empfehlen, dass sich alle daran halten. Denn hier geht es auch um einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz“, sagte er im Rat. Wichtig sei, dass Politik und Verwaltung sich hier einig seien, die Osterfeuer auf das nötige Maß zurückzudrängen. In den vergangenen Jahren habe die Unsitte, Abfall zu verbrennen, einfach überhand genommen. Er appellierte an alle, das nicht durch Ausnahmen zu konterkarieren.

Das betont auch noch mal Georg Koenen vom Ordnungsamt. „Ganz klar: Nachbarschaften dürfen kein Feuer mehr machen, auch wenn viele das bedauern werden.“ Aber man müsse einfach die Regelung konsequent umsetzen. Wenn die Gemeinde anfange, das ein oder andere Privatfeuer doch zu genehmigen, unterlaufe man damit die eigene Linie. Man habe auch andere Kommunen gehört, die auch überlegen, Privatfeuer zu verbieten. „Wir haben gesagt: Wir tun es wirklich.“ Das Ordnungsamt werde auch ein Auge drauf haben und auch hier und da kontrollieren, ob die Regelung eingehalten wird. „Ich denke aber doch, dass sich die Leute daran halten werden“, meint Koenen. Man werde da mit Augenmaß vorgehen. Zwar könnte im Extremfall ein Bußgeld drohen, aber soweit will es die Gemeinde erst gar nicht kommen lassen und setzt auf die Einsicht der Bürger. Schon jetzt weist die Gemeinde Weeze darauf hin, dass die aus jahreszeitlichem Baum- oder Strauchschnitt anfallenden kompostierbaren Materialien auf dem eigenen Grundstück verbleiben und genutzt werden oder entsprechenden Kompostanlagen zugeführt werden.

Bei Rückfragen können sich Bürger an das Ordnungsamt der Gemeinde Weeze wenden.

In der Region war Wachtendonk beim Thema Osterfeier eine Art Vorreiter. Hier hatten die Politiker bereits im vergangenen Jahr beschlossen, die Regeln zu verschärfen. Privatpersonen dürfen Osterfeuer nicht mehr ausrichten. Die Verwaltung geht davon aus, dass in der Vergangenheit bei derartigen Veranstaltungen das Feuer als Gelegenheit genutzt wurde, pflanzliche Abfälle zu verbrennen. Die restriktive Änderung zeige bereits Erfolg. Bislang sei erst ein Osterfeuer angemeldet, sonst würden sich erste Bürger bereits im November melden, berichtet Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt.

In Kevelaer wird die Regelung nicht so streng ausgelegt. Hier dürfen durchaus auch Privatpersonen oder Nachbarschaften Osterfeuer anmelden. Für das Brauchtum hätten diese Feuer eine wichtige Funktion, heißt es. Die Stadt kontrolliere, dass niemand die Chance nutzt, einfach nur Abfall zu verbrennen. Hier habe es schon echte Auswüchse gegeben. Die Stadt habe schon ganze Kleiderschränke rausholen müssen. In der Marienstadt werden regelmäßig Feuer in dreistelliger Zahl angemeldet.

Die Stadt Geldern erlaubt nur echte Brauchtumsfeuer. Wenn jemand nur pflanzliche Abfälle verbrennen will, erfülle das die Anforderungen sicher nicht, so Herbert van Stephoudt von der Stadt Geldern. Brauchtumsfeuer werden in aller Regel von Glaubensgemeinschaften, Organisationen oder Vereinen angezündet. Nachbarschaften dürfen auch weiterhin Osterfeuer anzünden. Allerdings werde man künftig genau prüfen, ob es sich wirklich um ein Brauchtumsfeuer handelt oder nur Dinge verbrannt werden sollen. Ziel sei, die Zahl der Feuer eingrenzen, auch aus Gründen des Klimaschutzes.

In Goch dürfen auch Privatpersonen und Nachbarschaften neben den eingetragenen Gruppen und Vereinen Brauchtumsfeuer anzünden. Man sei aber durchaus dabei zu überlegen, ob die Zahl nicht beschränkt werden soll. Hier gehe es auch um den Klimaschutz. In Goch waren fast 280 Feuer angemeldet worden.