Weeze hat einen Jäger der Lüfte

Royal Air Force Museum am Flughafen: Weeze hat einen Jäger der Lüfte

Es gilt als eines der schönsten Kampfflugzeuge: Hawker Hunter T7. In monatelanger Arbeit haben die Ehrenamtler des Royal Air Force Museums ein Exemplar zusammengesetzt. Im Frühjahr soll es aussehen wie in den 70er Jahren.

Am Cockpit ist der rot-weiße Lack noch erhalten, doch hier und da ist das Material bis auf das graue Aluminium abgewetzt, die Flugzeugnase voller Kratzer. Trotzdem steht Heinz Willi Knechten vor dem Flugzeug und legt stolz seine Hand auf eine der Tragflächen. „Es gilt als eines der schönsten und elegantesten Kampfdüsenflugzeuge, die es jemals gab“, sagt er. Und eines dieser Exemplare ist Eigentum des Royal Air Force Museums in Weeze.

Heinz Willi Knechten ist Vorstandsmitglied des Vereins, der das Museum gegründet hat und seitdem führt. Über Facebook hatte er entdeckt, dass ein Engländer einen Hawker Hunter T7 in Einzelteile zerlegt in seinem Garten liegen hat und das Flugzeug verkaufen wollte. „Der Mann ist ein bekannter Luftfotograf und hatte gehofft, das Flugzeug selbst zusammensetzen zu können. Dafür fehlte ihm dann aber offenbar die Zeit“, sagt Knechten. Auch ein englisches Museum, dem der Besitzer den Flieger angeboten hatte, meldete sich nicht. Also schlugen Heinz Willi Knechten und die anderen Ehrenamtlichen des Vereins zu.

Heinz Willi Knechten vom Museumsverein arbeitet bei der Restaurierung mit. Foto: Royal Air Force Museum Laarbruch

Für 11.000 Pfund, umgerechnet etwa 12.500 Euro, wechselte es den Besitzer und wurde im Januar mit zwei Lastwagen in einer dreitägigen Reise nach Deutschland zum Weezer Airport transportiert. Eigens für den Jäger der Lüfte wurde in das alte Kino, das heute zum Museum gehört, ein großes Tor in eine der Wände gebaut. Auch ein Großteil der 370 Kinostühle musste für das neue Ausstellungsstück weichen. In Millimeterarbeit konnten die Ehrenamtlichen dann die Flugzeugteile in das Gebäude schaffen.

Seitdem haben die etwa 20 aktiven Mitglieder des Vereins an dem Hunter gebastelt. Sie haben die einzelnen Elemente – das Cockpit, die Flügel, das Mittelteil und das Heck – zusammengesetzt. Mithilfe von alten Büchern mit technischen Zeichnungen des Hunters konnten sie die Konstruktion nachvollziehen. „Wir hatten etwa zwei Jahre veranschlagt, bis das Flugzeug komplett fertig sein sollte“, sagt Knechten. Nun steht der Hunter Hawker T7 erstmals in voller Größe da – nur neun Monate, nachdem die einzelnen Flugzeugteile in ihrem neuen Zuhause angekommen waren. „Fast wie ein Baby“, sagt Knechten.

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Es ist nicht das erste Mal, dass ein Exemplar des Hunters auf dem Weezer Flughafen steht. Von 1972 bis 1983 hat es gleich vier dieser Kampfflieger auf dem damaligen Militärflughafen der britischen Royal Air Force gegeben, zwei in unauffälligen Tarnfarben, zwei mit dem nicht übersehbaren rot-weißen Lack. „Das waren Ausbildungsflugzeuge mit zwei Sitzen im Cockpit“, sagt Knechten. „Die sollten am Himmel gut zu sehen sein, damit sie von den anderen nicht umgenietet werden.“ In diesen Flugzeugen wurden die britischen Piloten auf das Fliegen von Buccaneers – den berühmten Marinebombern – vorbereitet.

Fast 14 Meter lang, vier Meter hoch und mit einer Spannweite von zehn Metern füllt der Hunter nun beinahe die Hälfte des Kinosaals aus. Wenn es so weitergeht wie bisher, wollen die Ehrenamtlichen ihre Frist von zwei Jahren deutlich unterschreiten. Noch fehlen ein Triebwerk und mehrere Bleche, die Schleudersitze und Zusatztanks. Auch die Schaltknüppel hat offenbar ein Sammler irgendwann in der Vergangenheit abgesägt. „Solche Originalteile zu finden, ist immer besonders schwierig“, sagt Knechten, der sich auf der Suche durch Internetportale und Online-Shops wühlt.

Es war Millimeterarbeit, die Flugzeugteile durch die Tür zu schaffen. Foto: Royal Air Force Museum Laarbruch

Ganz zum Schluss, wenn auch die letzten kleinen Teile angebracht und die Löcher gestopft sind, soll der Jäger der Lüfte seine charakteristische rot-weiße Farbe erhalten. Einer der Ehrenamtlichen hat sich auf die Lackierungen spezialisiert und will sich farblich an das Original halten. Im Frühjahr nächsten Jahres soll der Hunter dann so zu sehen sein, wie es ihn auch in den 70er Jahren auf dem Airport Weeze gab.

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