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Weeze: Anhänger mit Weihnachtsmusik bringt Behinderten Musik

Aktion in Weeze : Ein Anhänger mit Weihnachtsmusik

Zwei Musiker fahren mit einem Anhänger durch NRW und spielen Weihnachtslieder – jetzt machten sie auch in Weeze Halt, unter anderem an der Heilpädagogischen Wohnstätte. Für die Bewohner war das Konzert eine willkommene Abwechslung.

Als Johanna Schneider zum Refrain von „Stille Nacht“ ansetzt, wird es lauter vor der Heilpädagogischen Wohnstätte in Weeze. Bewohner und Betreuer stehen aufgereiht vor dem grünen Anhänger, in dem Johanna Schneider steht und singen „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Eine Bewohnerin fängt an zu klatschen, schunkelt mit. Dann bedanken sich Johanna Schneider und Johannes Still, der die Sängerin am Piano begleitete. Schneider und Still gehen von der mobilen Bühne, sie schließt sich wieder.

Auf dem grünen Anhänger steht der Name des Energieanbieters Westenergie. Die E.on-Tochter lässt aktuell Musiker durch verschiedene Städte touren. Vier Anhänger gibt, die jeweils durch den Westen und den Osten Nordrhein-Westfalens sowie durch Niedersachsen und Rheinland-Pfalz fahren. „Das ist natürlich eine Marketingaktion“, sagt Marie-Christin Bauer, Leiterin des Büros für Kultur und Tourismus in Weeze, „aber eine sehr schöne Marketingaktion“.

„Weihnachtszauber“ hat Westenergie sein Projekt genannt, seit dem 29. November reisen Musik-Duos durch ausgewählte Städte und Gemeinden und treten auf. Die Gemeinde Weeze hatte sich beworben, bei dem Projekt dabei zu sein – und bekam den Zuschlag. Im Gelderland war zudem noch Issum dabei, dort hielt die mobile Bühne am 1. Dezember. Neben der Heilpädogischen Wohnstätte waren in Weeze der Theresien-Stift, der Airport Weeze, der Cyriakusplatz und das Petrusheim die Orte, an denen der Westenergie-Anhänger hielt. Die Konzerte, die das Duo spielt, sind meist recht kurz, dauern nicht viel länger als 20 Minuten. Vor der heilpädagogischen Wohnstätte, einer Tageseinrichtung der Lebenshilfe Gelderland, singt Schneider zuerst „Oh Tannenbaum“, gefolgt von „Leise rieselt der Schnee“, „Santa Claus Is Coming to Town“ und „Stille Nacht“. In einer Zeit von Entbehrungen sind die Konzerte eine willkommene Abwechslung. Einmal für die Bewohner. Aber auch für die Musiker. Das sind fast die einzigen Konzerte, die wir dieses Jahr spielen“, sagt Johanna Schneider. Die Berufsmusikerin musste einige Konzert wegen der Pandemie schon absagen. Sie ist dankbar, dass sie hier singen kann. Draußen, nicht immer bei bestem Wetter. Aber eben so sicher wie möglich. „Das hilft mir auch finanziell sehr“, sagt der Pianist Johannes Stille.

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Nicht nur Musiker mussten in den vergangenen zwei Jahren oft auf Live-Auftritte verzichten. Auch die Bewohner der Heilpädagogische Wohnstätte konnten lange nicht auf Konzerte gehen, Musik live erleben. „Normalerweise versuchen wir schon, mit unseren Bewohnern auch mal auf Konzerte oder ins Stadion zu gehen“, sagt Hendrik Braunschweig, Leiter der Einrichtung. Auf das alles mussten die 30 Menschen mit Behinderung, die dort in Weeze wohnen, lange verzichten. Nur im Sommer seien solche Ausflüge ab und an mal möglich gewesen. Und so war Braunschweig sehr erfreut, als die Gemeinde Weeze ihn anfragte, ob der Weihnachts-Zauber-Anhänger auch vor „seinem“ Haus halten soll. „Das ist wirklich eine willkommene Abwechslung“, sagt Braunschweig vor dem Konzert. Und nach dem Konzert sagt er: „Das war wirklich sehr schön. Den Bewohnern hat es auch gefallen, das hat man gesehen“.

Für Johanna Schneider und Johannes Still war am 1. Dezember schon wieder Schluss mit dem Weihnachtszauber, danach fahren andere Musiker mit. Immer dabei ist aber Jörg Sauer, der Fahrer, der die mobile Bühne durch NRW bewegt. Und er ist sicher, dass die Aktion Gutes bewirkt. „Man sieht den Menschen die Dankbarkeit, wieder Live-Musik zu erleben, an“, sagt Sauer.