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Warum Kevelaer das Ausgangsverbot aktuell nicht kontrolliert

Corona-Situation in Kevelaer : Stadt kontrolliert Ausgangsverbot aktuell nicht

Am Sonntag lag die Inzidenz in Kevelaer bei über 200: ein neuer Rekord. Die Infektionen ziehen sich quer durch alle Altersgruppen. Warum die Stadt nachts nicht kontrolliert.

Die Corona-Zahlen sorgen für Sorgenfalten im Rathaus. „Die Lage ist weiter ernst und ein Stück weit ist es auch frustrierend, dass die Zahlen stabil auf einem so hohen Niveau liegen“, sagt Ordnungsamtsleiter Ludger Holla. Am Sonntag hatte Kevelaer einen absoluten Rekord bei dem Wert erreicht, der angibt, wie viele Menschen sich in Relation zu 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen angesteckt haben. Die Inzidenz lag bei über 200. Am Montag war der Wert wieder etwas auf 182 gesunken.

Gleichwohl liegt das weit über den Zahlen, die in der zweiten Corona-Welle Ende des Jahres registriert wurden. 53 Menschen haben sich in den vergangenen sieben Tagen in Kevelaer angesteckt. Ein Hotspot sei dabei nicht auszumachen. „Es ist weiterhin ein ganz diffuses Infektionsgeschehen“, sagt Holla. Die Infektionen gingen durch alle Altersschichten und verteilten sich auch auf die Ortsteile.

Ein bisschen hat Holla die Hoffnung, dass die hohen Zahlen auch mit den vermehrten Tests zusammenhängen könnten. Allein am Samstag seien bei der Teststation am Peter-Plümpe-Platz zwölf Tests positiv ausgefallen. „So etwas hilft, damit die Dunkelziffer bei Infizierten ohne Symptome geringer wird“, sagt Holla.

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Und daher fragt sich Bürgermeister Dominik Pichler, ob es die richtige Strategie ist, jetzt die Geschäfte wieder zu schließen. „Viele Leute lassen sich testen, weil sie einkaufen wollen. Wenn dieser Anreiz wegfällt, könnte es sein, dass es auch wieder weniger Bereitschaft zum Testen gibt.“ Ähnlich sieht er die Situation in den Schulen. Jetzt bestehe die Gefahr, dass sie wieder geschlossen werden. Dann würde aber auch auf diesem Sektor nicht mehr getestet.

Ohnehin befürchtet Pichler, dass  es jetzt zu einer Art „Öffnungs-Jojo“ an den Schulen kommen könne. Denn da der Kreis Kleve derzeit immer knapp unter und über der Grenze von 165 liege, könne es sein, dass Schulen fast wochenweise öffnen und schließen. Das sei keinem zu vermitteln.

Eine Sache stellt Pichler ganz offen klar: Die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen wird die Stadt Kevelaer nicht kontrollieren. „Das tun wir nicht, aus dem ganz einfachen Grund, weil uns dafür das Personal fehlt. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes arbeiten ohnehin schon an der Belastungsgrenze, denen ist das nicht auch noch zuzumuten.“

Pichler fragt sich auch, wie man das überhaupt kontrollieren will. „Welcher Spaziergänger, den wir abends ansprechen, wird schon sagen: ,Ich bin gerade auf dem Weg zu einer Party.’“ Da Spazierengehen erlaubt ist, müsse man ja erst einmal das Gegenteil beweisen. Kontrollen seien Sache der Polizei. Die Stadt werde natürlich auf entsprechende Hinweise reagieren und auch stichprobenartig kontrollieren.