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Warum die Gesamtschule in Weeze am besten aufgelöst wird.

Analyse : Gesamtschule: Wille der Eltern spricht klare Sprache

Auch wenn es aus Weezes Sicht bedauerlich ist: Ein Auflösen des Standortes dort ist die plausibelste Lösung.

Es ist ein abgedroschener Spruch, aber er trifft die Situation genau: „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Wer bereits im vergangenen Jahr die Diskussionen über die Zukunft des Standortes in Weeze verfolgt hat, hat sich immer wieder gewundert, wie offen teilweise gegen Weeze geschossen wurde. In Kevelaer war in einer Sitzung sogar ein Lehrer aufgestanden und hatte sich vehement für ein Schließen des Standorts eingesetzt.

Auch dass es bei der Frage „Soll der Standort Weeze aufgelöst werden?“ in der Schulkonferenz der Gesamt­schule eine Pattsituation gab, ist bezeichnend genug. Das Patt reichte damals als Hinweis, dass sich die Schule für eine Weiterführung ausgesprochen habe. Doch ein klares Votum sieht anders aus. Und hätte die Frage gelautet „Soll der Standort erhalten werden?“, hätte das Patt­ergebnis bereits den Wunsch nach Auflösung deutlich gemacht.

Und egal, wie die Debatten im vergangen Jahr gelaufen sind, was zählt, ist der Wille der Eltern. Und da sprechen die Zahlen eine ganz deutliche Sprache: Gerade einmal 15 Kinder von den 80 Viertklässlern aus Weeze wurden für die dortige Gesamtschule angemeldet.

Die deutliche Mehrheit zieht es zu anderen Schulen in die Nachbarstädte. Besonders muss es schmerzen, dass sogar für die Gesamtschule Mittelkreis in der Nachbarstadt Goch mehr Weezer Kinder angemeldet wurden, nämlich 16.

Die Anmeldungen zeigen, dass auch die Ankündigung, erhebliche Mittel in die Schule zu stecken und den Standort Weeze modern auszubauen, an der Entscheidung der Eltern nichts ändert. Deshalb ist es nur konsequent, den Ausbau jetzt erst einmal zu stoppen. Fünf Millionen Euro in eine Schule zu stecken, die die Eltern nicht wollen, wäre eine Riesen-Fehlinvestition.

Auch wenn die Entscheidung in Kevelaer noch nicht gefallen ist und der Schulleiter darauf verweist, dass alles offen sei und der Ball bei der Stadt liege, waren die Aussagen von Bürgermeister Dominik Pichler mehr als deutlich. Die Tendenz gehe ganz klar dahin, den Vertrag mit Weeze zu kündigen. Die Konsequenz wäre, dass der Standort Weeze aufgelöst wird.

Das wird für die Weezer Politiker und vor allem Bürgermeister Ulrich Francken ein schwerer Schlag sein. Denn dann hat Weeze keine weiterführende Schule mehr. Das ist bedauerlich.

Auf der anderen Seite bietet die Entwicklung auch eine Chance. Die Gesamtschule kann sich auf den Standort Kevelaer konzentrieren. Damit wird die Marienstadt auch für Lehrer attraktiver, die eher ungern an Schulen mit Zweitstandort wechseln.

Denkbar wäre auch, dass Keve­laer seinen 2,3 Millionen-Euro-Anteil, den es ja bei einem Umbaustopp in Weeze spart, in die Schule in der Marienstadt steckt. Auch das würde den Standort stärken.

Und das ist wichtig. Denn es ist ja nicht so, dass die Kinder der Gesamtschule Kevelaer die Bude einrennen. Inklusive der Kinder aus Weeze gibt es 120 Anmeldungen. Das reicht für fünf Klassen. Die sind klein und überschaubar, auch das wünschen sich viele Eltern.

Für Kinder aus Weeze ist es durchaus zumutbar, bis nach Kevelaer zu fahren. Wie die Anmeldezahlen zeigen, haben Eltern auch keine Probleme damit, ihre Kinder sogar in Geldern anzumelden. Und ab Klasse neun wären die Schüler vom Standort Weeze ohnehin nach Kevelaer gewechselt.