Wallfahrt von Rees nach Kevelaer

Von Rees nach Kevelaer : Eine ganz besondere Jubiläumswallfahrt

Mehr als 300 Pilger hatten sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder motorisiert auf den Weg nach Kevelaer gemacht. Der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers dankte für die seit 375 Jahren bewiesene Gastfreundschaft.

Ein wenig Ungehorsam gehörte schon dazu, als der Reeser Pfarrer Johannes Stalenus vor 375 Jahren die erste Pilgerreise nach Kevelaer organisierte. „Er widersetzte sich damit einem Verbot von Seiten der Preußen“, erinnerte Kevelaers stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Middeldorf an die Anfänge. Gemeinsam mit Pfarrer und Wallfahrtsdirektor Gregor Kauling und dem Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers hieß Middeldorf mehr als 300 Pilger, die sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder motorisiert auf den Weg nach Kevelaer gemacht hatten, in der Basilika willkommen.

Gemeinhin beten und singen die Reeser Pilger in der Kerzenkapelle, in der die große Reeser Wallfahrtskerze an prominentester Stelle in der Mitte des Korridors steht. Doch zur Jubiläumswallfahrt durften die Reeser Pilger, begleitet von Abordnungen mehrerer Schützenvereine sowie Blechbläsern aus Haldern, in die Marienbasilika einziehen. Dort segneten Kauling und der Reeser Pfarrer Michael Eiden die imposante Kerze, die neben den Stadtnamen und Wappen auch die Jubiläumszahl 375 trägt.

Bürgermeister Gerwers dankte der Stadt Kevelaer für die seit 375 Jahren bewiesene Gastfreundschaft. „Da man in der Kirche nur wahre Worte sagt, räume ich freimütig ein, dass ich erst kurz vor dem Ziel zu den Pilgern gestoßen und nicht den ganzen Weg von Rees nach Kevelaer gelaufen bin“, sagte Gerwers. „Aber beim gemeinsamen Weg durch die Stadt und beim Einzug in die Basilika habe ich die besondere Atmosphäre und Stimmung genossen, die unsere Pilger sicherlich noch viel intensiver erleben.“ Der Bürgermeister lobte den Einsatz des Vorbereitungsteams, das die Jubiläumwallfahrt stark beworben habe: „Damit haben Sie erreicht, viele Pilgerinnen und Pilger nicht nur im Jubiläumsjahr, sondern auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten für die Wallfahrt – im wahrsten Sinne des Wortes – zu mobilisieren.“ Middeldorf lobte den völkerverbindenden Gedanken, den die Organisatoren beworben hatten: „Auf Ihrer Homepage weisen Sie darauf hin, dass alle Menschen gleich sind, und dass es nur Pilger mit und ohne Blasen sowie Pilger mit und ohne Muskelschmerzen gibt.“ Es lohne sich, weiter am Traum einer Gesellschaft zu arbeiten, in der die Menschen unterschiedlicher Ethnien, Sprachen und Religionen friedvoll zusammenleben: „Das ist nicht nur eine religiöse, sondern auch eine politische Aufgabe, der wir uns auch in Kevelaer stellen.“

Begonnen hatte die Wallfahrt am Samstag mit einem Pilgersegen in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. 75 Fußpilger trotzten um 6 Uhr Regen und Kälte. „Wir mögen das Wetter als Störung empfinden, aber zugleich ist der Regen ein Grund, dankbar zu sein, da wir seit Wochen und Monaten darauf gehofft haben“, sagte Pfarrer Michael Eiden. Beim ersten Stopp in der St.-Hubertus-Kirche in Kehrum ging Pastoralreferentin Maria Warschak in ihrer Andacht auf den Leitgedanken aller Wallfahrten des Jahres 2018 ein: „Suche Frieden!“ In der St.-Laurentius-Kirche in Uedem feierte dann Pfarrer Michael Eiden die Eucharistie mit Fußpilgern, zu denen sich inzwischen auch die Radpilger aus Rees gesellt hatten. Klaus Kuhlen, einer der Organisatoren und selbst seit 52 Jahren Wallfahrer, überreichte Gertraud Diederichs und Stefan Giesen die silberne Pilgernadel für bislang 25 Wallfahrten.

Die Reeser Wallfahrtskerze noch in der Basilika. Foto: RP/Scholten

Nach einer Pilgersuppe im Pfarrheim Uedem brachen die Reeser zur letzten großen Etappe auf. Vorbei an Maisfeldern, Äckern, Kühen, Pferden und Windrädern ging es bis vor die Tore Kevelaers, um sich dort mit den Rad- und Buspilgern sowie mit den Pilgern von St. Cosmas und Damian Bienen zu treffen. Diese hatten bereits um 5 Uhr ihren Ortsteil verlassen und waren über Marienbaum nach Kevelaer gepilgert. Alle gemeinsam bildeten eine Prozession durch die Innenstadt von Kevelaer und zogen in die Basilika ein.

Am Sonntagmorgen fuhr auch die Seelsorgeeinheit Millingen/Haldern mit Rädern und Autos nach Kevelaer, um gemeinsam mit den Reesern in der Basilika ein Pontifikalamt mit Weihbischof Rolf Lohmann zu feiern und das Gnadenbild Marias, der „Trösterin der Betrübten“, anzubeten. Gegen Abend trafen die Rad- und Fußpilger dann wieder in Rees ein und schlossen ihr Wallfahrtswochenende mit einem Segen in der Pfarrkirche ab. Kuhlen zeigte sich zufrieden: „Die Zahl der Pilger ist im Vergleich zu den Vorjahren wieder deutlich gestiegen.“

Kuhlen wünscht sich, dass vom Jubiläumsjahr noch ein anderer Impuls ausgeht: „Es wäre schön, wenn in einem Reeser Neubaugebiet einmal eine Straße oder ein Platz nach Pfarrer Johannes Stalenus benannt würde, der die Tradition der Kevelaer-Wallfahrt begründet hat.“ In Kevelaer gibt es bereits einen Johannes-Stalenus-Platz, gleich neben der Kerzenkapelle, in deren Totenkeller der aus Kalkar stammende und in Rees tätige Pfarrer vermutlich begraben wurde.

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