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Wallfahrt und Corona: 95 der Pilgergruppen fallen in Kevelaer weg

Zwischenbilanz der Wallfahrtssaison in Kevelaer : 95 Prozent der Pilgergruppen fallen weg

Corona hat erhebliche Auswirkungen auf die Wallfahrtssaison. Große Gruppen kommen so gut wie gar nicht nach Kevelaer. Daher öffnet sich das Priesterhaus verstärkt für Einzelpilger. Die ganze Tourismusbranche der Stadt leidet.

Mit Beginn der Corona-Krise kehrte in Kevelaer die große Ruhe ein. Die Innenstadt war menschenleer, und auch im Priesterhaus am Kapellenplatz herrschte in den 50 Gästezimmern gähnende Leere. „Im Lockdown hatten wir hier im Haus keinen einzigen Gast“, sagt Rainer Killich, Generalsekretär der Wallfahrt. Wenn er jetzt aus seinem Fenster im Priesterhaus schaut, kann er sehen, dass inzwischen wieder viele kleine Flammen an der Außenmauer lodern. Die Ständer für die Opferkerzen der Pilger füllen sich zusehends. „Langsam läuft es wieder an“, sagt er.

Auch die Wallfahrt hat unter der Corona-Pandemie gelitten. Wie in jedem Jahr war der Terminkalender voll. Doch dann kam der März und mit ihm das Virus. Die Pilgerleitertagung musste ausfallen. Und bei Killich stand das Telefon nicht mehr still. „95 Prozent aller Gruppen haben die Wallfahrt für dieses Jahr abgesagt. Einige haben sie vom Frühjahr in den Herbst verlegt, aber die meisten kommen nicht wie sonst üblich“, berichtet er. Dennoch spürt er eine hohe Verbundenheit mit dem Wallfahrtsort. Oft las er rührende Mails und führte lange Telefonate mit Menschen, denen die Absage ehrlich leidtat.

 Beschaulicher Ort: Große Pilgergruppen halten sich in diesem Jahr nicht auf dem Kapellenplatz auf.
Beschaulicher Ort: Große Pilgergruppen halten sich in diesem Jahr nicht auf dem Kapellenplatz auf. Foto: Bauch, Jana (jaba)
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„Uns ist diese Verbundenheit sehr wichtig“, betont der Generalsekretär. Und so machte die Wallfahrtsleitung das Angebot, stellvertretend zumindest die jeweilige Pilgerkerze in Kevelaer zu segnen und anzuzünden, um die oft über Jahrhunderte gepflegte Tradition nicht abreißen zu lassen. Auch Einzelpilger konnten sich per Mail an das Priesterhaus wenden, jeden Tag wurden für sie Kerzen aufgestellt.

In der schwierigen Zeit sei gleichzeitig auch zu spüren, wie wichtig den Menschen das Pilgern nach Kevelaer ist. Momentan wäre beispielsweise die Gruppe aus Köln in der Stadt gewesen. Da die große Wallfahrt ausfällt, haben viele sich allein auf den Weg gemacht, wie Killich beobachtet hat. Manche Gruppe plante um wie die Pilger aus Herzogenrath. Die kamen sonst die weite Strecke zu Fuß und übernachteten zwei Tage im Priesterhaus. Diesmal werden sie am Samstag mit nur noch 100 Personen nach Straelen fahren und von dort nach Kevelaer pilgern. Killich spürt bei vielen das Bedürfnis, auch ohne organisierte Gruppe nach Kevelaer zu kommen.

Auch Bastian Rütten, Theologischer Referent der Wallfahrt, erlebte, dass bei vielen Einzelpilgern das Bewusstsein für die Bedeutung der Wallfahrt zu spüren sei. Einige kämen in Vertretung größerer Gruppen, andere hätten sich nach der Absage großer Wallfahrten entschieden, nun selber nach Kevelaer zu kommen. Darauf habe man sich auch im Priesterhaus eingestellt, das in den früheren Jahren während der Wallfahrtszeit ausschließlich durch organisierte Gruppen belegt war. Nun hätten auch Einzelpilger die Chance, die Übernachtungsmöglichkeit und das damit verbundene seelsorgliche Angebot des Hauses zu nutzen – mit Vollpension, auch das ist neu.

„Alle Mitarbeiter hier freuen sich, wenn sie wieder für die Pilger da sein dürfen. Auch während der Pandemie ist es möglich, in Kevelaer zu Gast zu sein“, betont Rütten. Natürlich gelten im Priesterhaus die üblichen Hygienevorschriften. Im Speisesaal wurden die Tische entsprechend der Abstandsregeln aufgestellt, statt am Buffett wird das Essen direkt auf dem Teller serviert. „Für die meisten Gäste ist das schon eine Selbstverständlichkeit“, sagt Rütten.

Den Einbruch bei den Pilgergruppen bekommt der ganze Tourismusbereich in Kevelaer zu spüren. „Die Auswirkungen sind für uns schon fatal“, sagt Verena Rohde vom Tourismusamt der Stadt. Im Grunde müsse man die Saison jetzt abhaken und auf das nächste Jahr hoffen. Positiv sei, dass das Geschäft in den vergangenen zwei Wochen so langsam wieder angelaufen sei. „Vor allem Radfahrer kommen verstärkt in die Stadt. Darunter sind viele Personen, die jetzt in den Ferien nach Alternativen zu Fernreisen suchen“, berichtet sie.